Aachen - Im Josefshaus verteidigt man das Ostviertel

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Im Josefshaus verteidigt man das Ostviertel

Von: Georg Dünnwald und Christopher Gerards
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Richard Okon, der Leiter des Josefshauses, hatte Jugendliche der OT zum Gespräch mit den „Nachrichten“ zusammengerufen. Sie verteidigen das Ostviertel. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Das Jugendbüro der OT Josefshaus ist gerade umgezogen, der neue Raum liegt im Keller und könnte noch ein bisschen gemütlicher werden, Poster fehlen und ein paar Grad Celsius. Das Problem der jugendlichen Ehrenamtler, die abends in dem Kellerraum sitzen, liegt aber eigentlich anderswo.

Es liegt in dem Widerspruch zwischen dem, was Marija, sagt, wenn sie über den „Ruf der Jugendlichen“ aus dem Ostviertel spricht – und den Satz mit „schade“ einleitet – und den Worten von Richard Okon, dem Leiter des Josefshauses, der sagt: „Ich kenne in Aachen keinen Stadtteil, der so aktive Leute hat.“ Und es liegt für die Jugendlichen auch in den ihrer Ansicht nach zu häufigen Polizei-Kontrollen im Viertel.

Die Teilnehmer des Gesprächs sind nicht die Jugendlichen des Ostviertels, aber als Ehrenamtler des Jugendbüros verstehen sie sich als Sprachrohr für junge Menschen im Viertel. Auch das ist es, was Okon meint. Einmal im Monat bietet das Jugendbüro zudem eine Disco an, beim Tag der Integration sind Mitglieder aufgetreten, das Jugendbüro hat Preise gewonnen. Marija ist 19 Jahre alt, besucht das Gymnasium. Und fühlt sich im Ostviertel „komplett wohl“. Wenn es um die Frage geht, was gut läuft, was den Jugendlichen gefällt im Ostviertel, kann Jenny außerdem auf den Kennedypark verweisen. Grillen, Spaß haben, die Zeit dort könne einem vorkommen „wie im Urlaub“, sagt sie. Marija hat zudem festgestellt, dass auch Kinder im Kennedypark spielen: „Wenn es hier so schlimm wäre, dürften die nicht raus.“ Ohnehin, meint Marija: „Ich gehe lieber nachts durch die Straßen im Ostviertel“ als vorbei an den Diskotheken in der Innenstadt, sie kenne hier ja genügend Menschen. Und Muhammed sagt: „Viele halten wie eine Familie zusammen, in guten und in schlechten Zeiten.“

Von außerhalb

Aber es gibt eben auch die Probleme im Ostviertel, und die Version der Ehrenamtler des Jugendbüros darüber liest sich so: Ja, im Viertel werde auch gedealt, sagen sie, aber „ das sind keine von hier“. Wer das sei, wisse er auch nicht, sagt etwa der 15-jährige Muhammed. Es sei daher nicht weiter schlimm, dass die Polizei ein paar Razzien durchführe, um die Kriminalität zu bekämpfen. Aber für Muhammeds Geschmack ist das ein bisschen häufig geworden. „Ich will, dass es eine normale Gegend wird wie die anderen.“ Als Auslöser der Razzien beschreiben die jungen Leute die Ereignisse vom vergangenen Oktober, als ein Polizist im Ostviertel bei der Verfolgung eines mit Haftbefehl gesuchten Mannes erst selbst zum Verfolgten geworden war. „Man konnte die Uhr danach stellen, immer gegen acht am Abend“, berichtet Marija von den Polizeieinsätzen.

Mehr Blumen

Die jungen Männer die an dem Gespräch teilnehmen, geben alle an, selbst schon kontrolliert worden zu sein. Das sei ein Problem, auch wenn man sich nichts habe zuschulden kommen lassen, findet Muhammed: „Weil andere einen kennen und Bekannte sehen, wie man festgehalten und durchsucht wird.“ Zudem werfen mehrere der Jugendlichen der Polizei vor, sie kontrolliere bevorzugt Menschen, denen man ihre ausländischen Wurzeln ansehe.

Mittlerweile finden nach Angaben der Jugendlichen wieder weniger Kontrollen statt, sie führen das auf das Forum der „Nachrichten“ zum Thema Ostviertel zurück. Hier trafen auch die verschiedenen Ansichten der Menschen aus dem Ostviertel aufeinander, und Marija würde sich gerne mal mit den Leuten an einen Tisch setzen, „die so viel Angst haben“ und nach Marijas Meinung den Ruf der Jugendlichen im Viertel schlecht reden. Mehrfach habe man da angefragt, zustande gekommen sei bislang nichts. Weitere Wünsche: mehr Blumen für den Kennedypark und Weihnachtsbeleuchtung in der Elsassstraße.

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