Aachen - Im Gefängnis kommt das Essen lautlos

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Im Gefängnis kommt das Essen lautlos

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Mittagessen gibts in der Zelle. Das war in der JVA Aachen schon immer so. Da hat bisher niemand eine Ausnahme gemacht – weder Gefangene, die in den Gefängnisbetrieben arbeiten, noch Insassen, die nicht arbeiten und sich ohnehin im Zellentrakt aufhalten.

 Aber diese Art, den Mittagstisch zu organisieren, bringt Nachteile mit sich. Es bindet Personal und stellt ein Risiko dar. Zwei Vollzugsbeamte mussten die Gefangenen von den Betrieben zum Essen und wieder zurück begleiten. Und: Es bot unnötig Gelegenheit, verbotene Dinge etwa aus den Werkstätten in die Zellen zu schmuggeln.

„Die JVA Aachen ist vor allem durch die langen Laufwege sehr personalintensiv“, erklärt Dieter Heinen, Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes. Da ist jeder Mann und jede Frau – 37 weibliche Beamte arbeiten in Aachen im Vollzugsdienst – voll gefordert. Um die Mitarbeiter clever einzusetzen, wurden unterschiedliche Stationen in der JVA untersucht.

Abläufe auf dem Prüfstand

„Wir wollten sehen, wo Personal eingespart und Abläufe optimiert werden können“, erklärt Heinen. Bei der Ausgabe der Mahlzeiten ist man schließlich fündig geworden. Die Idee: Gefangene bringen die Mahlzeiten in einem Fahrzeug von der Küche zu den Werkstätten. „Die Anstaltsleitung hat gesagt: ‚Das probieren wir“, meint Heinen. Einige Vollzugsbeamte seien anfangs skeptisch gewesen. Nun, nach gut einem Jahr praktischer Erfahrung, hat sich der Ablauf eingespielt, die Skepsis ist gewichen und „auf den Zellen brauchen nur noch die Gefangenen ihre Mittagskost zubereiten, die nicht arbeiten“. Von den derzeit 729 in Aachen Inhaftierten muss mittags nun kein Einziger mehr das Gebäude wechseln.

Um die Auswahl eines geeigneten Vehikels hat sich Werksleiter Christoph Mertens gekümmert. Viele Modelle unterschiedlicher Hersteller hat er verglichen und sich schließlich für ein Elektromodell einer französischen Marke entschieden, dass ein Vertragshändler in der Region warten kann. Es passe am besten zu den Anforderungen in der Justizvollzugsanstalt und der Preis stimme ebenfalls. Rund 17 000 Euro hat das Fahrzeug gekostet. Ein Wagen mit Verbennungsmotor war kein Thema – auch dem Strafvollzug ist der ökologische Gedanke, wo er umsetzbar ist, nicht fern. Nun ist der „Mega Worker PickUp“ auf Basis eines Golfkarts täglich vier bis sechs Stunden unterwegs und beliefert beispielsweise Schlosserei, Schreinerei und den Zellentrakt für Untersuchungshäftlinge.

Zwei sorgfältig ausgewählte Gefangene haben mit diesem Modell einen neuen Job bekommen. Sie haben nur noch wenige Jahre bis zur Freilassung. Weitere Bedingungen, die sie erfüllen mussten, verrät Heinen nicht. Abwechselnd steuern beide den auf unter 10 km/h gedrosselten Wagen mitsamt Anhänger lautlos über das Anstaltgelände. Der Hänger war nötig, um die große Anzahl an Mahlzeiten transportieren zu können. Damit sie unterwegs nicht kalt werden, wurden Thermobehälter installiert.

Das Modell, Gefangene mit einem Elektrofahrzeug Essen liefern zu lassen, sei derzeit in NRW einmalig, erklärt Dieter Heinen. Schon bei der Vorbereitung seien alle betroffenen Stellen im Gefängnis vorbildlich einbezogen worden. Unter Federführung des Küchenleiters, Paul Betsch, wurde das Projekt schließlich umgesetzt. Zusammen mit den Umbaumaßnahmen für Pausenräume in den Betrieben hat das Projekt einen hohen fünfstelligen Betrag gekostet. Damit gibt es das Mittagessen in der JVA Aachen nicht mehr zwangsläufig nur in der Zelle.

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