Aachen - Im Apollo beginnt die Zukunft mit Höhlenbildern

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Im Apollo beginnt die Zukunft mit Höhlenbildern

Von: Günter H. Jekubzik
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Zukunft des bewegten Bildes ist in der Milchstraße angekommen und das kurioserweise mit Höhlenzeichnungen.

Am Donnerstag zeigt das Apollo 1 mit Werner Herzogs „Die Höhle der vergessenen Träume” den ersten digitalen 3D-Film des Arthouses am Ponttor.

Hans Peter Coenen, der zusammen mit Walter Render das Apollo und das Capitol am Seilgraben leitet, erinnert sich noch gut an das Erlebnis seines ersten 3D-Films, James Camerons „Avatar”: „Mir war mir klar, welche bahnbrechende und zukunftsweisende Technik ich hier erlebe. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Dimension.”

Gewichtige Worte von jemandem, der seit Jahrzehnten Kino macht, in fast prähistorischen Filmtheater-Zeiten mit Movie, Diana und Atlantis. Ganz weit zurück geht es auch mit dem Premierenfilm für das 3D-Kino in die Vergangenheit. „Die Höhle der vergessenen Träume” entführt in die Chauvet-Höhle im Süden Frankreichs, die mit ihren 30 000 Jahre alten Höhlenzeichnungen die ältesten künstlerischen Werke der Menschheit konserviert hat.

Für dieses Zusammentreffen von in Holzkohle gezeichneten Nashörnern, Bisons und Löwen mit der 3D-Technik hat das Apollo-Team in den letzten Wochen schwer gearbeitet. Denn „man erlebt den Film in all seinen Details. Ohne diese 3D-Aufnahmen würde man nicht das Gefühl haben, selbst in die Höhle hinab zu steigen”, so Coenen.

Seiner Meinung nach kann 3D auch für Filmkunstfilme perfekt angewendet werden, wie auch der Tanzfilm „Pina” von Wim Wenders zeigte. Neben „Pina” ist ab heute der Kinderfilm „Wickie auf großer Fahrt” in digitalem 3D zu sehen.

Die neue Dimension hat ihren Preis: „Bei rund 100.000 Euro Modernisierungskosten pro Vorführraum muss der Kinobetreiber mit 50 Prozent Eigenanteil diesen Umbau finanzieren. Die restlichen 50 Prozent setzen sich aus Förderungen der Filmförderungsanstalt FFA beziehungsweise der Filmstiftung NRW zusammen.”

Die Vorführräume müssen aufwendig umgebaut werden, „da auf einen sauberen und klimatisierten Arbeitsplatz besonders Wert gelegt wird”. Die Vorführer freuen sich auch aus anderen Gründen: „Einer herkömmlichen 35mm-Kopie mit mindestens 25 Kilogramm Gewicht, stehen nun nur 250 Gramm einer Festplatte gegenüber.”

Dafür werde allerdings auch aus dem Beruf des Filmvorführers der des Hardware- beziehungsweise Softwaretechnikers. Noch im November sollen auch die Säle 2 und 3 des Apollo umgerüstet werden. Danach bleibt dem Kino ein einziger 35mm-Analogprojektor erhalten.

Wie sich das Angebot an Filmen entwickelt, ist in der Branche umstritten. Teilweise wird vor einer reinen Digitalisierung gewarnt, sogenannte „Hybrid-Kinos” sollen die Vielfalt auch an alten Filmen erhalten. Vielfalt ist für die Filmkunsttheater Apollo und Capitol besonders wichtig, wie auch die Programmprämien von Bund und NRW belegen.

Der große Anteil an deutschen und europäischen Filmen stammt oft von kleineren Filmverleihern. Für 2009 wies „Europa Cinemas” der Europäischen Union den fünf Sälen die hohe Quote von 73 Prozent europäischer Filme nach und belohnte diesen Kultur-Einsatz zur europäischen Verständigung mit 20.000 Euro. 45 Prozent waren außerdem keine deutschen Filme.

So ergibt sich in der Stadt ein gutes Zusammenspiel von „Arthouse” und Mainstream: Die größere Kino-Gruppe Aachens zeigt in Cinekarree und Eden schon seit mehr als einem Jahr digitale 3D-Filme. Bis Februar sollen noch elf weitere Säle mit digitalen Projektoren ausgestattet werden, wie Theaterleiter Daniel Grotensohn mitteilte. Dann sind auch die Kinos des Alsdorfer Betreibers Leo Stürtz (Cinetower) komplett auf dem neuesten Stand. Die 35mm-Geräte sollen aber noch stehenbleiben, um weiterhin das Angebot kleinerer Verleiher zeigen zu können.
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