Im alten Bulli um die Welt

Von: Anke Hinrichs
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Frickeln bis zur Abfahrt: Wenn alles nach Plan geht, brechen Vater Marc Fasel und Sohn Mathias heute in ihrem alten Bulli zu einer abenteuerlichen Tour um die Welt auf. Ihr Ziel Australien wollen sie Mitte Mai nächsten Jahres erreichen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Printen und Senf haben Marc Fasel und sein Sohn Mathias auf jeden Fall im Gepäck, wenn sie die große Fahrt nach Australien antreten. „Von den Printen nehmen wir so viele mit, wie ins Auto reinpassen”, sagt Marc Fasel und wirft einen skeptischen Blick unter den Beifahrersitz.

Vater und Sohn wählen nämlich nicht den Luftweg zum fernen Kontinent, sondern steigen am heutigen Montag in einen quietsch-gelben VW-Bus, Modell T3, Baujahr 1989.

Für seine lange Reise musste der Bulli erst noch aufgepäppelt werden - mit Spüle, Kühlschrank und Gasherd, zwei großen Schlafplätzen und einem neuen Aufstelldach. Bei all dem werkelte der fünfzehnjährige Mathias kräftig mit.

Seit Mai sei man in der verschärften Vorbereitungsphase für die lange Reise, erklärt der selbstständige Software-Entwickler, denn da kamen die Einreisevisa für Australien. Dabei haben die Fasels keine popeligen Touristenvisa beantragt, sondern ein richtiges Einwanderer-Visum. „Für immer werden wir nicht da bleiben”, meint Fasel, „aber fünf Jahre bestimmt, sonst lohnt sich der immense Aufwand nicht”.

Den betreibt er bereits seit zwei Jahren, denn Australien verlangt Einwanderern einiges ab: Angefangen vom sehr anspruchsvollen Sprachtest in Englisch über den Nachweis einer lückenlosen achtjährigen Berufslaufbahn bis zum Gesundheitscheck. „Wir sind natürlich bis über beide Ohren geimpft”, sagt der Computerfachmann. Angst, in Australien ohne Beruf und Einkommen dazustehen, hat er nicht, denn dort suche man händeringend Leute seiner Profession.

Auswandern, weg aus Aachen, Deutschland den Rücken kehren - diese Idee wurde vor zwei Jahren geboren. Eine Sendung über Auswanderer im Fernsehen, eigene Erfahrungen als Austauschschüler und -student und nicht zuletzt die Unzufriedenheit mit dem deutschen Regelwerk, das vor allem ihn als Selbstständigen „unendlich nervt”, haben Marc Fasel dazu bewogen. Sein Sohn war von der Idee sofort begeistert. Ihm möchte Fasel die Gelegenheit geben, ein neues Land kennenzulernen.

„Das australische Schulsystem ist sehr gut”, meint der Amerika-Kenner. Damit Mathias auf den Stand der australischen Pennäler kommt, ist während der langen Tour im Bus „one-to-one-teaching” fest eingeplant. Die Schulbücher liegen bereits auf dem Gepäckstapel. Mit der Schule in Deutschland gebe es keine Probleme, denn sobald man auswandere, falle das Kind nicht mehr unter die deutsche Schulpflicht, erklärt der Vater.

Das hört sich einfach und unkompliziert an, doch das ist es für den Gesamtschüler beileibe nicht: „Ich weiß ja schon, seit ich 13 bin, dass wir auswandern wollen. Aber jetzt ist der Zeitpunkt da, und meine Freunde sagen alle, ich soll doch hierbleiben. Das ist nicht so einfach.”

Auslandserfahrungen hat Mathias schon früh sammeln können. Denn frei nach dem Motto des Vaters - „Kinder wachsen mit ihren Aufgaben” - bestieg er bereits als Elfjähriger alleine den Flieger nach Amerika zu den Großeltern und ein Jahr später nach Chile. Im selben Alter unternahm er mit seinem Vater schon ausgedehnte Mountainbike-Touren durch die Alpen und trieb jede Menge Sport.

Die Reiseroute

Solchermaßen gestählt kann es jetzt auf große Fahrt gehen. Dass dafür eine gewisse körperliche Fitness gut ist, zeigt ein Blick auf die Reiseroute: Zuerst geht es über Italien nach Griechenland. Von dort weiter in die Türkei, dann in den Iran und über Pakistan nach Indien und Burma. Bangkok wollen die beiden am 7. Februar erreichen. Von dort geht es über Malaysia nach Indonesien, wo sie dann ein Container-Schiff nehmen, um nach Australien zu schippern.

Das muss bis spätestens 15. Mai passiert sein, denn danach ist das Einreisevisum null und nichtig. Gut möglich, dass es für einige Länder keine Durchfahrerlaubnis gibt, über alternative Routen will Marc Fasel dann ganz spontan entscheiden.

Je näher das Abreisedatum rückte, umso aufgeregter wurde Mathias. Vater Marc sieht dem Ganzen etwas gelassener entgegen: „Nur manchmal blitzt es durch, und ich denke dann: Sind wir eigentlich verrückt?”
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