Aachen - Im Alltag tauchen überall Hindernisse auf

Im Alltag tauchen überall Hindernisse auf

Von: Birgit Küchen
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Für ihn können selbst Bordst
Für ihn können selbst Bordsteinkanten zur Gefahr werden: Rollstuhlfahrer Jörg Howitz. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Eine Bordsteinkante ist für Menschen ohne Handicap problemlos zu bewältigen. Für Menschen mit Behinderung wird diese kleine Klippe aber zu einem schwer überwindbaren Hindernis.

Auch wenn Politiker und Architekten gerne das Wort „Barrierefreiheit” bemühen, sind so manche Ziele nicht ohne Tücken zu erreichen, wovon vor allem die Bewohner der Wohneinrichtungen des Vereins für Körper- und Mehrfachbehinderte (VKM) berichten können. Der Verein ist in Aachen Träger mehrerer Wohneinrichtungen, einer integrativen Kindertagesstätte und ambulanter Familienhilfen. Darüber hinaus organisiert er Schul- und Studienbegleitungen sowie Ferien- und Freizeitangebote.

„Das Ziel unserer Arbeit ist es, Menschen mit Behinderung zu ermöglichen, so selbstbestimmt wie möglich leben zu können”, erklärt Daniela Jahn, Geschäftsführerin des VKM. Mit welchen Problemen sich die Betroffenen konfrontiert sehen, zeigen einige Beispiele.

An den Straßen sind Bordsteinkanten oft zu hoch angelegt, abgesenkte Gehsteige werden immer wieder gedankenlos zugeparkt. Dies wurde Jörg Howitz zum Verhängnis, als er mit seinem Elektro-Rolli auf der Welkenrather Straße unterwegs war. Sein Rollstuhl packte die Schräge des Gehsteigs nicht und Fahrer samt Gefährt stürzten zu Boden. „Gott sei Dank ist mir nichts passiert. Es hätte schlimmer ausgehen können. Nur die Achse von meinem Rollstuhl ist gebrochen”, erinnert sich Howitz.

Vielfach auf Hilfe angewiesen

Noch schlimmer ist es an Treppen - etwa am Rathaus -, wo Menschen wie Howitz entweder zu großen Umwegen gezwungen sind oder improvisieren müssen. Auf die Muskelkraft von Helfern sind Behinderte auch in den Aachen Arkaden angewiesen. Um die Obergeschosse zu erreichen, müssen sie eine schwere Tür aufstemmen. Eine Türautomatik wäre hilfreich, aber immerhin verfügt das Gebäude über einen Aufzug - im Gegensatz zu vielen Museen, Arztpraxen oder Restaurants.

Auch die mangelhafte Ausstattung mit behindertengerechten Toiletten wird vom VKM gerügt. Und dass in Kinos für Rollstuhlfahrer meist die erste Reihe vorgesehen ist, sei auch nicht schön, weil ein schmerzendes Genick und Schwindelgefühle die zwangsläufige Folge seien.

Verbesserungswürdig sei auch die Ausstattung der Busse. So ist man auf die Hilfe von Fahrgästen angewiesen, die die Rampe ausklappen. „Manche denken, das ist nicht unsere Aufgabe, andere dagegen sind sehr hilfsbereit”, berichtet Klaus Heemann aus seinem Alltag als VKM-Bewohner. Hin und wieder würden Rollstuhlfahrer durch überhöhte Geschwindigkeit in Kurven fast umfallen, ergänzt Maria Poquett, Vorsitzende des Vereins.

Die Beispiele zeigen, dass barrierefrei nicht unbedingt behindertengerecht bedeutet. Um auf Gefahren und Missstände aufmerksam zu machen, findet am heutigen Samstag der „Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung” statt. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Jede Barriere ist eine zuviel”. Unter anderem verteilt der Sozialverband VdK am Samstag in Aachen Rote Karten an Falschparker. Ziel des Aktionstages ist es, dass sich Verantwortliche und Planer stärker an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren und ein Leben in Selbstbestimmung erleichtern.
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