Aachen - Illegaler Handel mit Abfall am Recyclinghof?

Illegaler Handel mit Abfall am Recyclinghof?

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Die städtischen Mitarbeiter des Recyclinghofs in Eilendorf sind von ihrer Arbeit freigestellt. Es besteht ein Anfangsverdacht, dass sie unerlaubterweise privat mit Wertstoffen gehandelt haben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Knapp drei Jahre ist es her, dass Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp den neuen Recyclinghof in Eilendorf offiziell eröffnet hat. Ziel der Anlage an der Kellershaustraße sei es, alle Sorten von Müll entgegenzunehmen, sagte er damals.

Und die Aachener haben den neuen städtischen Entsorgungsservice gut angenommen. Der Hof ist stark frequentiert. Gerade an Wochenenden bilden sich teils lange Warteschlangen von Menschen, die Farbreste, Metallschrott oder Bauschutt abgeben wollen. Doch bis Ende des Monats hat die Stadt nun die Öffnungszeiten unter der Woche eingeschränkt, „aus organisatorischen Gründen“ hieß es in mehreren städtischen Pressemitteilungen. Hintergrund der Maßnahme ist, dass die acht Mitarbeiter auf dem Recyclinghof derzeit freigestellt sind. Möglicherweise haben einige von ihnen unerlaubterweise Wertstoffe aus dem Abfallsystem abgezweigt und privat verkauft.

Lohnendes Geschäft mit Müll

Läuft alles nach Plan, dann ist der Warenverkehr am Recyclinghof eigentlich folgendermaßen geregelt: Die Bürger bringen ihre vorsortierten Abfälle hin. Das kann beispielsweise Altpapier sein oder Bauschutt aber auch Farbreste, Metalle und andere Wertstoffe. Die Stadt wiederum hat Verträge mit Entsorgungsunternehmen, welche die Materialien abholen und dann entweder recyceln lassen oder zu einer Verbrennungsanlage bringen.

Das Geschäft mit den Wertstoffen ist ein Geschäft, das sich lohnt. Denn in der Abfallwirtschaft geht es nicht nur um Müll, sondern um viel Geld. Gerade Metalle lassen sich teuer wiederverkaufen. So liegt der aktuelle Preis für Aluminium bei 70 Cent pro Kilo. Für Messing gibt es drei Euro, für Kupfer gibt es sogar vier Euro je Kilo, wie ein Fachmann den „Nachrichten“ auf Anfrage bestätigt. Ob die städtischen Mitarbeiter jedoch tatsächlich etwas entwendet haben, worum es sich dabei gehandelt hat und in welchem Wert Waren abhanden gekommen sind: All das ist noch unklar.

„Der Stadtbetrieb der Stadt Aachen bestätigt, dass derzeit intern überprüft wird, ob sich einzelne Mitarbeiter des städtischen Recyclinghofs Eilendorf an der Kellershaustraße etwas haben zu Schulden kommen lassen“, erklärt Aachens Pressesprecher Bernd Büttgens. Es gebe einen Anfangsverdacht, dem in einer internen Überprüfung, die gerade erst angelaufen ist, nachgegangen wird. „Von daher ist es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, über etwaige Vergehen und deren mögliche juristische Folgen Auskunft zu erteilen.“ Im Rahmen dieser internen Ermittlungen wird jedoch auch geprüft, ob man die Staatsanwaltschaft einschalten will.

Verkürzung der Öffnungszeiten

Diese hat bereits signalisiert, dass man sich der Sache annimmt: „Wir werden den Vorfall auf strafrechtliche Relevanz hin überprüfen“, erklärt Dr. Jost Schützeberg, Sprecher der Aachener Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Nachrichten. Das werde vermutlich mehrere Wochen dauern. Gegebenenfalls würde dann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Da die Mitarbeiter freigestellt sind, hat der Aachener Stadtbetrieb derzeit andere Angestellte in Eilendorf im Einsatz. Ganz auffangen können sie den Ausfall ihrer Kollegen aber nicht, auch darum die Verkürzung der Öffnungszeiten. „Der Recyclinghof schließt aufgrund der aktuellen Situation und der Tatsache, dass die entsprechenden Mitarbeiter, auf die sich der Anfangsverdacht bezieht, nicht im Dienst sind, auch in der kommenden und der darauffolgenden Woche zwei Stunden früher als sonst üblich“, sagt Bernd Büttgens.

Der Recyclinghof in Eilendorf ist bis einschließlich Freitag, 27. Oktober, montags bis freitags von 8.30 bis 16 Uhr geöffnet. Die Öffnungszeiten an Samstagen (8.30 bis 14 Uhr) sind von dieser vorübergehenden Regelung nicht berührt.

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