IG Metall: Arbeit auch über den 30. Juni hinaus

Von: Heiner Hautermans
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100 Tage Mahnwache bei Bombardier: Zur gemeinsamen Mittagspause brachte Weihbischof Karl Reger (l.) Betriebsratschef Josef Kreutz und Franz-Peter Beckers von der IG Metall eine Torte vorbei. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die 320 Portionen Gulaschsuppe reichten nicht. Es waren sicher an die 400 Unterstützer, die am Freitag trotz grimmiger Temperaturen gekommen waren, um den um ihren Arbeitsplatz kämpfenden „Talböttern“ den Rücken zu stärken.

Mit von der Partie: Weihbischof Karl Reger, der eigens einen leckeren Kuchen mit der Zahl 100 mitgebracht hatte. Seit 100 Tagen steht nämlich die Mahnwache an der Jülicher Straße.

Der Weihbischof wollte mit dem Besuch der gemeinsamen Mittagspause seine persönliche Solidarität ausdrücken und dem Betriebsrat Mut für die weiteren Verhandlungen machen. „Zum Wesen der Kirche gehört, dass sie zu den Menschen geht, die in Not sind“, sagte der emeritierte Weihbischof. Schließlich treffe der Verlust des Arbeitsplatzes die Beschäftigten nicht nur materiell, sondern auch seelisch.

Voll ist das Flugzeug noch nicht, aber immerhin 25 Mitarbeiter haben sich gemeldet, die mit der Immobilienfachfrau Caroline Reinartz zur Hauptversammlung von Bombardier Transportation im Mai nach Montreal fliegen wollen. Reinartz hatte angeboten, ihnen Aktien zu schenken, weil sie als Anteilseigner Recht auf Auskunft zum Beispiel über wirtschaftliche Fragen haben. Doch 20 Mitarbeiter haben schon Aktien auf eigene Faust gekauft. Der Konzern gehört zu den größten Herstellern von kleineren Flugzeugen und Schienenfahrzeugen, er beschäftigt in 60 Ländern 70.000 Mitarbeiter.

Als Etappensieg betrachten Betriebsrat und IG Metall die in den letzten Tagen geschlossene Betriebsvereinbarung, nach der alle 600 Arbeitsplätze bis Ende Juni weitergeführt werden, damit werden für Gewerkschaftsmitglieder auch der volle Jahresurlaub und das volle Urlaubsgeld fällig. Die Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass auch nach Juni weitergearbeitet werden muss, um einen Großauftrag für die Bahn über fast 500 Millionen Euro abzuwickeln. Auch durch das Streichen von Schichten ist es jetzt schon zu Verzögerungen gekommen, bislang sind keine ET 430 ausgeliefert worden.

IG Metall-Chef Franz-Peter Beckers: „Um die Fabrik leerzufahren, hätte man schon am 7. Februar damit beginnen müssen.“ Dies liege in der Besonderheit der Schienenfahrzeug-Produktion begründet: „Man kann einen halbfertigen Zug nicht auf einen Lkw packen und nach Henningsdorf fahren. Deshalb ist uns klar, dass am 30. Juni nicht Schluss ist. Entweder machen die selbst weiter oder jemand anderes.“ Außerdem habe ein Großteil der Beschäftigte lange Kündigungsfristen von sechs bis sieben Monaten.

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