Aachen - IG Bau beklagt Situation von Reinigungskräften

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IG Bau beklagt Situation von Reinigungskräften

Von: Amien Idries
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Aachen. Kurz vor Feierabend in einem beliebigen Aachener Büro: Der Mülleimer quillt über, Papierschnipsel liegen auf dem Schreibtisch und Staub bedeckt die Fensterbank.

Der gestresste Mitarbeiter geht nach Hause und findet seinen Arbeitsplatz am nächsten Tag selbstverständlich sauber und aufgeräumt vor. Nur wenige machen sich wohl darüber Gedanken, wer hier putzt und noch weniger unter welchen Bedingungen er oder sie das tut. Um diese Grauzone auszuleuchten hat die IG Bauen Agrar Umwelt (BAU) den 15. Juni zum „Tag der Gebäudereinigung” erklärt und am Samstag über die Situation von Reinigungskräften informiert.

„Ich putze Deutschland” heißt die bundesweite Aktion an der auch Birgit Beckers und Margrit Benders teilnehmen. Beide arbeiten für die Firma Piepenbrock und waren in jüngster Zeit im Aachener Justizzentrum eingesetzt. „Die Reinigung eines Büros, inklusive Boden saugen, Fensterbänke wischen und Müll entsorgen, müssen wir innerhalb von vier Minuten schaffen”, erzählt Beckers dem staunenden Zuhörer. Solche Akkordarbeitsbedingungen seien in der Branche die Regel, wobei Piepenbrock noch nicht einmal zu den schwarzen Schafen des Gewerbes zähle.

„Die Firmen im Reinigungsgewerbe unterbieten sich seit geraumer Zeit preislich”, berichtet Güngör Özkul von der IG Bau, „dieser Preisdruck wird nach unten weitergegeben. Immer weniger Putzkräfte müssen die gleiche Arbeit verrichten.” Dies habe nicht nur große Belastungen für die Reinigungskräfte zur Folge, sondern es leide auch die Qualität. „Die Auftraggeber sind unzufrieden. Dabei müsste ihnen klar sein, dass die Arbeit nicht zu schaffen ist und sie mit an der Preisspirale drehen.”

Dabei seien die Gewinnmargen für die Reinigungsfirmen trotz allem immer noch groß. An diesen Gewinnen würden die Putzkräfte allerdings unzureichend beteiligt. „Deshalb fordern wir in den derzeitigen Tarifverhandlungen eine Erhöhung des Mindestlohns von 8,15 Euro um 8,7 Prozent”, so Margrit Benders. Ein weiteres großes Problem sei die Altersvorsorge. „Viele Reinigungskräfte arbeiten in Teilzeit”, so Özkul. „Dies führt dazu, dass eine Frau, die 20 Jahre lang vier Stunden am Tag arbeitet auf eine Rente von 180 Euro Brutto kommt.” Dies sei nicht hinnehmbar. Die IG Bau fordere deshalb, dass die Arbeitgeber Beiträge an die Sozialkasse abführen, um so die Renten aufzustocken.

Derzeit liegen die Verhandlungen auf Eis. Das letzte Angebot des Arbeitgeberverbands lag bei 2,5 Prozent Lohnerhöhung. Nicht auszuschließen also, dass es im Herbst zu Streiks kommt und das eine oder andere Büro ungeputzt bleibt.
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