„Ich rätsele, warum das 300.000 Euro gekostet hat“

Von: Werner Breuer
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Damit man weiß, wo man ist: Ludwig-Forum steht nun in großen Lettern teils draußen vor der neuen Eingangstür und teils drinnen dahinter. Foto: Harald Krömer
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Der Eingang zum Space des Ludwig-Forums fällt da wesentlich bescheidener aus. Foto: Harald Krömer
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Im Shop gibt es Merchandising-Produkte. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der große Kritiker hat schon probegesessen. „Es ist gemütlicher geworden als ich dachte“, sagt Hermann Josef Pilgram (Grüne). Als der Kulturausschuss vor gut einem Jahr beschloss, den Eingangsbereich des Ludwig-Forums an der Jülicher Straße neu zu gestalten, hatte Pilgram mit Nein gestimmt.

Der nunmehr umgebaute Bereich des einstigen Restaurants Parapluie „macht einen schönen Eindruck“, sagt Pilgram heute. Ist das ein Sinneswandel? „Nö!“

Die Grünen hätten immer die Position vertreten, dass am Entree des Ludwig-Forums „etwas getan“ werden müsse, betont Pilgram. „Aber nicht zu diesen Kosten.“ Schließlich hat die Stadt knapp 300.000 Euro in dieser relativ kleinen Ecke der einstigen Schirmfabrik verbaut. Mit solchen Summen verwirklichen andere ihren Traum vom eigenen Häuschen.

Im Preis enthalten ist immerhin der Schriftzug „Eingang“ über dem Eingang an der Straßenseite und die freistehenden Buchstaben L-U-D-W-I-G draußen vor sowie F-O-R-U-M drinnen hinter der neuen Tür. Sie alleine schlagen schon mit fast 13.000 Euro zu Buche. Pilgram hält sie für Luxus. „Wer da steht, weiß schon, dass er im Ludwig-Forum ist“, meint der Grünen-Ratsherr.

Wer ein paar Schritte weiter durch die neue Glastür geht, steht vor einer Trennwand mit integrierten Monitoren, auf denen zu sehen ist, was so läuft im Forum für internationale Kunst.

Rechts von den Bildschirmen mit den Ausstellungsankündigungen und Hinweisen auf die Vorstellungen des Lufo-Kinos zeugt dann der Kassenbereich von einer wohl realistischen Einschätzung der Anziehungskraft des Kunsttempels: Eine einzelne Kasse steht auf der Theke, bei einem Besucherandrang gäbe es wohl lange Schlangen davor.

Der Rest der Theke könnte für einen Café-Betrieb genutzt werden, den es aber noch nicht gibt. Immerhin steht im Einbauregal dahinter schon ein Kaffeeautomat, der laut Verwaltungsvorlage mit 3500 Euro zu Buche schlägt.

Wenn der einmal Heißgetränke hervorbringt, können sich die Besucher damit an vier Tischen mit jeweils vier Stühlen niederlassen. Das sind die, die Pilgram als gemütlich empfindet.

Die Multifunktionsmöbel im Shop hält er für weniger komfortabel. Sie sollen zur Präsentation von Ausstellungskatalogen, Kunstbüchern und Merchandising-Artikeln ebenso die wie als Sitzgelegenheit. Dafür seien sie aber „ein bisschen eng“, findet Pilgram.

Aber sei‘s drum: „Es ist sicher besser als die Situation vorher“, meint der grüne Kulturpolitiker. Aber es habe halt eine ganze Stange Geld gekostet. „Ich rätsele, warum das 300.000 Euro gekostet hat.“

Die Kostenschätzung in der Vorlage für den Kulturausschuss, der den Umbau im Oktober 2013 gegen die Stimmen der Grünen und bei Enthaltungen von Linken und FDP so beschlossen hatte, listet das fein säuberlich auf.

So wurden für den Abbruch der alten Küche samt Kühleinbauten knapp 9000 Euro veranschlagt, die Arbeiten an der Elektrik und der Sicherheitstechnik mit rund 40.000 Euro. Allein die neue Eingangstür nebst damit verbundenen Schlosserarbeiten wurde mit etwa 26.000 Euro kalkuliert. Ein großer Anteil – fast 39.000 Euro – entfällt auf Tischlerarbeiten, wozu neben Theke und Schränken im Kassenbereich eben auch die Mehrzweckmöbel im Shop zählen.

Dazu kommt dann noch der Posten „Diverses“ mit Mikrowelle, Geschirrspüler, Eingangsbeschriftung etc. der mit mehr als 25.000 Euro zu Buche schlägt. Rechnet man noch Malerarbeiten, Trockenbau, Arbeiten am Boden und sonstige Posten plus Mehrwertsteuer hinzu, stehen am Ende 298.884,07 Euro.

Das wäre auch billiger zu haben gewesen, meint Pilgram. „man hätte auch günstiger Möbel von der Stange kaufen können“. Und es schade letztlich auch der Kultur, „wenn der Eindruck entsteht, es ist egal, was es kostet“.

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