Aachen - „Ich bin's, Erich“: Das wird immer von Erich Behrendt bleiben.

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„Ich bin's, Erich“: Das wird immer von Erich Behrendt bleiben.

Von: Bernd Mathieu
Letzte Aktualisierung:
Erich Behrendt
Hilfsbereit, authentisch, unnachahmlich: Erich Behrendt, ehemaliger langjähriger stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, ist am Sonntag im Alter von 63 Jahren gestorben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wir wussten, dass er krank war und kannten die aktuellen Stationen diverser Krankenhausaufenthalte. Und dennoch war die Nachricht über seinen Tod ein Schock, eine Zäsur, deren Auswirkungen man unfassbar nennen muss und die ein jähes Entsetzen auslösen.

Danach macht sich eine tiefe und nachhaltige Traurigkeit breit. Erich Behrendt, unser ehemaliger langjähriger stellvertretender Chefredakteur und Chef vom Dienst, ist am frühen Sonntagmorgen im Alter von 63 Jahren gestorben. Über 40 Jahre gehörte er zum Medienhaus Aachen.

Erich war Kollege und Freund. Seine Hilfsbereitschaft kam ebenso authentisch daher wie seine Fürsorge, vor allem, wenn es galt, junge Kolleginnen und Kollegen zu fördern. Er war da, wenn jemand ihn um einen Gefallen bat – und manchmal waren das richtig große Anforderungen. Er sagte immer zu, das Wort „Nein“ kam ihm da nie über die Lippen.

Erich war zur Stelle, besonders, wenn es um seine geliebte Heimatstadt Baesweiler ging, um Vereine, Institutionen, Einzelpersonen. Die breite Palette reichte vom Junggesellenverein über den Fußball und den Karneval bis zur Baesweiler Bürgerstiftung. Wer kompetente und engagierte Hilfe brauchte, wusste sich bei Erich in allerbesten Händen. Er initiierte maßgeblich die Gründung unseres sozialen Hilfswerks „Menschen helfen Menschen e.V.“ und hat es über 30 Jahre lang als stellvertretender Vorsitzender geprägt.

Die einfachen Leute

Die Kunst des Dialogs praktizierte er jeden Tag an jedem Ort, zwischen verschiedenen Generationen, mit seiner geliebten Familie, mit seinen Arbeitskollegen, mit Vorgesetzten und Mitarbeitern, mit Lesern, Geschäftskunden, Vereinsfunktionären, Gesprächspartnern, Informanten, Politikern, Honoratioren und den einfachen Leuten, die er in erster Linie schätzte und um die er sich kümmerte: Das Sich-Einlassen auf den Mitmenschen, ihm zuzuhören, ihn wahrzunehmen, ihn zu respektieren, das gehörte zu seinen herausragenden Charaktereigenschaften.

Das setzt voraus, dass man sich Zeit nimmt für Gespräch und Austausch. Erich handelte unverdrossen in diesem Koordinatensystem der Wertschätzung. Er schob manches Hindernis zur Seite und löste damit manches Problem. Diese Mischung aus Pragmatismus und Verantwortung bildete die wesentliche Basis für seine unnachahmliche Art der Mitarbeiterführung in der Redaktion.

Ich lernte ihn 1965 kennen, als wir gemeinsam mit dem O-Bus aus Baesweiler zum Gymnasium nach Alsdorf fuhren. Wir verstanden uns auf Anhieb und sind schnell sehr gute Freunde geworden. Wir waren dann nach dem Abitur freie Mitarbeiter in Alsdorf, er bei den „Aachener Nachrichten“, ich bei der „Aachener Volkszeitung“. Und bei einem Bier träumten wir davon, eines Tages die Führung der Lokalredaktion in Alsdorf zu übernehmen. Dass wir diese berufliche Gemeinsamkeit später in der Chefredaktion realisieren würden, ahnten wir Jungs vom Lande damals nicht. Wir sind über die Jahrzehnte viele Wege gemeinsam gegangen, und manches Mal waren wir natürlich Helden der Improvisation und der pragmatischen Lösungen – wie Freunde so sind.

Erich ist immer ein empfindsamer Mensch geblieben, dem nichts entging (außer manchmal etwas Schlaf), der trotz eines gewissen Talents, seine Mimik auf freundliche Art in der Kontrolle zu halten, auch schon mal in kleinen Alltagssituationen so etwas wie ein bisschen Daseinszorn zu erkennen gab, über diesen und jenen, über dieses und jenes. Dann übersetzten seine Gesichtsmuskeln und seine Gesichtsfarbe jedes Gefühl simultan. Aber viel öfter gab es von ihm eindeutig formulierte Einverständniserklärungen, die er in die Stürme des Berufslebens rief, und sie lauteten: Wir schaffen das. Wir machen das. Wir kümmern uns darum. Er vermittelte allen das gute Gefühl: Hier bist du nicht nur Kollege, sondern Mensch, du bist hier nicht nur „auf der Arbeit“, sondern in einem temporären Ersatz-Zuhause. Das war sein wichtigstes und sein unermüdliches Bemühen, ein tatsächlich legendäres, weil so einmaliges.

Erich zu erleben, das sind in der Retrospektive Szenen von großer Kraft und Solidarität, von Witz und Ernsthaftigkeit, von Kompetenz und von einer kompromisslosen Haltung gegen jede Form von Arroganz, manchmal stur und wundervoll sperrig, immer großzügig und zugewandt, stets schwungvoll und hin und wieder liebenswert kantig.

Keine Sekunde gezögert

Erich begann seine hauptberufliche journalistische Laufbahn in den siebziger Jahren als Volontär der „Aachener Volkszeitung“ und arbeitete als Redakteur im Lokalsport, in der Kreisredaktion und in der Lokalredaktion Aachen. Er wechselte danach mit großem Erfolg für einige Jahre als Redaktionsleiter zu den Wochenzeitungen unseres Verlages („Super-Mittwoch“, „Super-Sonntag“). Als ich 1995 Chefredakteur wurde und ihn bat, Mitglied der neuen Chefredaktion zu werden, zögerte er keine Sekunde. Es war das selbstverständliche und spontane Ja eines guten Freundes, der viel aufgab, ohne zu wissen, was auf ihn konkret zukam. Sagenhaft!

„Ich bin’s, Erich“: So meldete er sich immer am Telefon. Auch das ist legendär und wird jetzt wieder zitiert. Dieser Erich hat seine Menschenfreundlichkeit und Offenheit auch mit diesem schönen Satz stets bewiesen. „Ich bin’s, Erich“ – das sagte alles und bedurfte keiner weiteren Erläuterung.

Dass Journalismus nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist, hat er auch erfahren müssen. Journalismus ist gelegentlich nicht farbenfroh, sondern nur Schwarz oder Weiß, oft das Bohren dicker Bretter, manchmal eher ein Reparatur-Set als ein großer Aufbruch. Er konnte auf beneidenswerte Art auch damit unerschütterlich umgehen.

Die Zeitungsbranche hat schon unruhige und langwierige, oft zermürbende Zeiten hinter sich. Auch in Aachen. Aber wir sind bei allen Herausforderungen gut im Tritt geblieben und haben optimistisch nach vorne geschaut und gehandelt. Das Medienhaus hat gezeigt, welche Potenziale es hat. Wie man aus Vergangenheit in der Gegenwart Zukunft gestaltet: An diesem Prozess hatte Erich Behrendt einen großen Anteil.

Gehen wir selbstbewusst, mutig und energisch mit dem Neuen um oder eher ängstlich und abwartend? Finden wir es spannend, bei der Überwindung der Grenze zwischen dem Vertrauten und dem Neuen eine Hauptrolle zu spielen, oder setzen wir uns lieber nörgelnd in die Zuschauerränge? Ist für uns die Veränderung ein Gewinn oder eine Bedrohung?

Erich Behrendt hat solche Fragen konsequent, zupackend und lösungsorientiert beantwortet und bemerkenswerte Ausrufezeichen gesetzt. 2003, als im Konzept „Eine Redaktion – zwei Zeitungen“ Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten zu einem Team zusammengelegt wurden, beriefen die Herausgeber den damaligen Chef vom Dienst zum stellvertretenden Chefredakteur. Bis 2015 haben wir eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Da wurde er krank, und ab Sommer 2015 konnte er seine aktive Tätigkeit als stellvertretender Chefredakteur nicht mehr wahrnehmen.

Respekt und Skepsis

Erichs Heimat war diese Region. Für ihn stand immer der Geist der Gemeinsamkeit im Mittelpunkt. Seine Persönlichkeit war geprägt von Respekt auf der einen und gesunder Skepsis auf der anderen Seite. Er selbst hielt sich nie gerne in der ersten Reihe auf, obwohl er allen Grund gehabt hätte, sich gut sichtbar nach vorne zu stellen. Er hat andere stets mit auf den Weg genommen, sie gefördert und gefordert. Schmeicheleien des Alltags ist er nie auf den Leim gegangen. Wissen, woher man kommt und nie die Bodenhaftung verlieren: Das war ihm tägliche Maxime, diesem Menschen mit Anstand, Gradlinigkeit und Haltung, der viel Wärme, Freundlichkeit und Sympathie in die Umgebung zuweilen schlecht gelaunter Zeitgenossen verströmte und damit eine bessere Atmosphäre schuf.

Erich hinterlässt seine liebenswerte Frau Marlene, seine Familie mit Kindern und Enkelkindern, seine Eltern. Ihnen allen gilt unser großes Mitgefühl. Wir haben mit ihm einen guten und überaus liebenswürdigen Freund verloren, einen ganz besonderen, den wir nie vergessen werden und den wir immer wieder in der Redaktion hören werden: „Ich bin’s, Erich.“

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