Aachen - „Ich bin kein Penner, ich bin ein Clochard”

„Ich bin kein Penner, ich bin ein Clochard”

Von: Georg Dünnwald
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Aachen. Möglich ist, dass demnächst im Karneval schunkelselige Lieder über Hubert Wirtz gesungen werden. So ähnlich wie über Lennet Kann. Unsere Online-Redaktion erreichten viele Leserkommentare zur Kurznotiz „Hundemann Hubert Wirtz tot aufgefunden”. Darunter war keiner, der sich negativ über das Leben des Mannes äußerte.

Am Montagmorgen fand sein Bewährungshelfer den „Hundemann” tot in seinem Wohnwagen an der Krefelder Straße. „Die Polizei hat festgestellt, dass Herr Wirtz ohne Fremdeinwirkung gestorben ist”, teilt sein gesetzlicher Betreuer, der Aachener Anwalt Thomas Pohlhammer mit.

Pohlhammer war auch desöfteren als Pflichtverteidiger für Wirtz tätig. Dessen einziges, aber in vielen Variationen wiederholtes Delikt war die Beleidigung von Zeitgenossen.

„Derjenige, der ihn einigermaßen kannte, wusste, dass seine Beleidungen eigentlich nicht hätten so ernst genommen werden dürfen”, schätzt Pohlhammer ein. „Es kam auch vor, dass er sich nachher entschuldigte.” Dennoch, dem einen Prozess folgte der nächste, „ins Gefängnis aber musste er nicht, obwohl durchaus die Gefahr bestand”.

Ein schlimmes Schicksal warf den gelernten Tierpräparator vor mehr als 20 Jahren aus der Bahn. Eines seiner Kinder starb als Säugling den plötzlichen Kindstod, seine Ehe ging in die Brüche, dann fand sich Wirtz auf der Straße wieder.

Berühmt wurde er vor allem, weil er mit Einkaufswagen und drei Hunden durch die Innenstadt zog, immer auf der Suche nach Möglichkeiten zum Überleben. Irgendwann dann wurde dem „Hundemann” die Haltung der Vierbeiner verboten. Er klemmte also einen Plüschhund auf den Einkaufswagen und zog so los.

Pohlhammer: „Herr Wirtz war intelligent und durchaus gebildet. Erlegte wert auf die Feststellung, dass er keineswegs ein Penner sei.” „Ich bin ein Clochard”, habe er stets betont.

Und so lebte er auch. Seine kleine Rente, knapp über Hartz IV, war schnell verbraucht, also bettelte er. Und wenn er genug hatte, ging er zielgerichtet auf dem Weihnachtsmarkt zum Delikatessenstand und bestellte sich Austern mit Champagner.

Hubert Wirtz wurde 67 Jahre alt. Noch längst nicht jeder Öcher fand ihn charmant. Aber er war auch kein Typ, der unter „ferner liefen” lebte. Nahezu jeder kannte ihn, zumindest vom Ansehen. Ob er es aber zu einer nachhaltigen Berühmtheit wie Lennet Kann bringt, bleibt abzuwarten.
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