Hotels und Gaststätten spüren die Krise

Von: Heiner Hautermans
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Zurzeit bleiben viele Schlüssel an den Brettern in den Hotelrezeptionen hängen. Die Verantwortlichen hoffen aber, dass es sich nur um ein Zwischentief handelt. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Die Wirtschaftskrise macht sich auch in Aachens Gas-tronomie und Hotels bemerkbar. In einigen Segmenten sind deutliche Rückgänge zu verzeichnen, andere Bereiche zählen eher zu den Krisengewinnlern. Dirk Deutz, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Aachen, hat Vergleichszahlen aus dem Dezember zur Hand.

Demnach sind im Beherbergungsgewerbe die Umsätze um sieben Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres zurückgegangen, in den Gaststätten sind es mehr als sechs Prozent.

Für Dirk Deutz, Inhaber der Gaststätte „Im Alten Zollhaus”, ist das Minus zum Teil durch Medien und Politik hausgemacht: „Es wird alles schlechtgeredet. Ich glaube, dass die Leute verängstigt sind und nicht mehr so viel Geld ausgeben, obwohl sie es haben.” Erhebungen hätten ergeben, dass der durchschnittliche monatliche Umsatz einer Kneipe bei gerade mal 10.000 Euro liege. Nach Abzug aller Kosten bleibe davon gerade mal 1000 Euro für den Wirt über, „wenn er Glück hat. Davon kann keiner leben”.

Immer mehr Kollegen würden das Handtuch werfen: „Auf der Kasinostraße gab es mal sechs Lokale, jetzt ist dort nur noch eins.” Verschärft werde die Situation für die Gastronomen im Grenzgebiet durch unterschiedliche Besteuerung. Während Wirte und Hoteliers in Deutschland den vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent entrichten müssten, seien es wenige Kilometer weiter in Belgien und den Niederlanden nur sechs Prozent, in Luxemburg sogar nur drei Prozent. „Das ist ein Riesenproblem.”

Obwohl sich die EU-Staaten nach jahrelangem Streit vor Kurzem geeinigt hätten, dass die Steuer in einigen Dienstleistungsbereichen nach eigenem Ermessen gesenkt werden könne, sperre sich die Bundesregierung. Das sei nicht bezahlbar, habe Finanzminister Peer Steinbrück erklärt. Dabei sei eine derartige Senkung ein wirkungsvolles Konjunkturpaket, meinte Dirk Deutz weiter: „Es kostet zwar erst einmal Geld, würde aber später viele Arbeitsplätze schaffen.”

Unterschiedlich ist die Entwicklung bei den Übernachtungszahlen. Trotz der Rückgänge im vierten Quartal sei die Gesamtzahl in 2008 noch gestiegen, berichtet Christina Leufgens von „aachen tourist service”, von genau 854797 auf 859055. Probleme gibt es bei den Geschäftsreisenden, weiß Geschäftsführer Werner Schlösser: „Die Firmen schicken nicht mehr drei Mitarbeiter, sondern einen, und das nur für eine Nacht.”

Dennoch ist Schlösser optimistisch: „Man kann nicht alle Geschäftsreisen absagen. 2003 hat es schon einmal so eine Entwicklung gegeben. Dabei handelte es sich aber nur um eine Delle, nach zwölf Monaten war der Spuk wieder vorbei.” Zufrieden zeigt er sich mit der Tendenz bei den Privatreisen: „Der Tagestourismus boomt.”

Interessant sind auch weitere Verschiebungen: Jugendherbergen (plus 1,5 Prozent) und der Campingplatz (plus 11,4 Prozent) zählten 2008 zu den Übernachtungsgewinnern, Kurkliniken (minus 3,6 Prozent) und Ferien- und Schulheime (minus 11,3 Prozent) zu den Verlierern.
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