Aachen - Homo Faber: ein tragisches „Roadmovie“

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Homo Faber: ein tragisches „Roadmovie“

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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„Am Leben vorbeigelebt“: So urteilt Regisseur Jan Langenheim über die Figur des Homo Faber. Für das Aachener Theater macht er aus dem Roman-Klassiker ein Bühnenstück. Foto: Ralf Roeger

Aachen. 1957 erschien Max Frischs Roman vom Menschen Faber, dessen Name ja schon das Schaffende, Technische und Fabrizierende verrät. Die Geschichte um den nüchternen Rationalisten wurde 1990/91 von Volker Schlöndorff verfilmt. Jetzt bringt Regisseur Jan Langenheim „Homo Faber“ auf die Bühne.

Langenheim ist in Aachen noch in guter Erinnerung mit seiner starken Inszenierung von „Deportation Cast“, mit der er im vergangenen Jahr auch zum NRW-Theatertreffen eingeladen wurde.

Das Leben aus den Fugen

Als der fortschrittsgläubige Ingenieur Walter Faber im Auftrag der UNO wieder einmal im Flugzeug sitzt, gerät sein Leben aus den Fugen. Auf dem Weg nach Venezuela kommt es zu einer Notlandung in der Wüste. Schnell stößt er alle Pläne um, ist zeitweilig in Guatemala, trennt sich von seiner Freundin und findet sich plötzlich auf einer Schiffsreise nach Europa.

Sabeth, eine junge Frau, verändert den Technokraten und gibt ihm, dem so viel Älteren, ein ganz neues Lebensgefühl. Dass die Liebe zu Sabeth inzestuös ist, weiß er erst, als alles zu spät ist. Das Mädchen entstammt einer früheren Beziehung zu seiner längst vergessenen Jugendgeliebten Hanna.

Fast wie ein biblischer Hiob

Erstmals muss der kühle Technikus sich mit Fragen nach Schicksal, Verhängnis und sogar Mythos befassen. Fast wie ein biblischer Hiob steht er da, der sogar den tödlichen Unfall von Sabeth erleben muss. „Am Leben vorbeigelebt“, nennt das Regisseur Langenheim. Aber kann das Tragische nicht auch Zufall sein?

„Bitter ist diese leidvolle Selbstdemontage“, spürt der Regisseur Langenheim, und Dramaturgin Ulla Theißen empfindet dieses tragische „Roadmovie“ wie „eine letzte Reise zu sich selbst.“ Zuständig für Bühne und Kostüme ist Anton Lukas, der ganz begeistert „alte Kleidung von damals“ verwendet und die Bühne „räumlich wie ein Kinderspiel“ eingerichtet hat.

Die Titelrolle wird von Karsten Meyer verkörpert, Sabeth wird von Emilia Rosa de Fries gespielt und Katja Zinsmeister ist als frühere Geliebte Hanna zu sehen. In weiteren Rollen wirken Thomas Hamm und Benedikt Voellmy mit. Das Stück wird in 110 Minuten ohne Pause durchgespielt. Die Premiere ist bereits ausverkauft.

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