Aachen - Holzöfen soll der Feinstaub ausgetrieben werden

FuPa Freisteller Logo

Holzöfen soll der Feinstaub ausgetrieben werden

Von: Werner Czempas
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Das Thema „Heizen mit Holz” sorgt nicht nur im Schornsteinfegerhandwerk für Unruhe.

Etliche Hauseigentümer und Mieter wären betroffen, wenn wie geplant die Aachener Brennstoffverordnung am 1. Oktober des Jahres in Kraft treten würde. Im Umweltausschuss aber war das heiße Heiz-Thema auf Wunsch der CDU zunächst einmal vom Tisch, wegen weiteren Beratungsbedarfs.

Ein Kurzreferat von Dr. Brand aus dem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) stimmte die Politiker dennoch in die Problematik ein. Der Umweltexperte ließ keinen Zweifel daran, dass eine Brennstoffverordnung dazu beitragen werde, im lufthygienisch stark belasteten Aachener Talkessel die Belastung mit Feinstaub und anderen Luftschadstoffen wie etwa Stickstoffoxid deutlich zu reduzieren.

Brand appellierte an die Politiker: „Das Landesumweltamt empfiehlt eine solche Verordnung in Aachen. Sie wäre ein hilfreiches Mittel und von lokaler wie regionaler Bedeutung. Wenn Sie das hinbekommen, übernehmen Sie in Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle.”

Entscheidung in Berlin

Ob Aachen beim Thema „Heizen mit Holz” ein richtungweisendes Signal für Klimaschutz und Emissionsarmut setzen wird, entscheidet sich vor allem in Berlin. Schien im Bundestag bislang ein entsprechendes Gesetz in weite Ferne gerückt, soll nun doch ein Entwurf für eine Novellierung der „1. Verordnung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz” aus dem Jahr 1988 vorliegen. Umweltdezernentin Gisela Nacken: „Wir wollen auf kommunaler Ebene handeln, weil es keine nationale Verordnung gibt. Kommt die, wird unsere hinfällig.”

Es ist kein Geheimnis, dass Aachens Luft nicht die allerbeste ist. Am Messstandort in der Wilhelmstraße werden die zugelassenen Schadstoffwerte 48 Mal pro Jahr überschritten, 35 Überschreitungen sind erlaubt. Mit der Brennstoffverordnung, so ermittelte das Landesumweltamt, könne in Aachen die Zahl der Kurzüberschreitungen mittelfristig um sechs bis 18 Tage zurückgehen.

Im Rahmen der Kampagne „Mitmachen und Durchatmen” will die Verwaltung die Problematik von Holzöfen zur Beheizung von Wohnhäusern darstellen. Die Auswirkungen auf die Luftqualität und die erhebliche Gesundheitsgefährdung durch die Feinstäube aus Holzfeuerungsanlagen sollen aufgezeigt werden. Ein besonderer Schwerpunkt soll auf Mietwohnungen in Altbauten liegen. Ziel ist es, Hauseigentümer und Mieter zur Umstellung oder Nachrüstung mit Feinstaubfiltern zu animieren.

Mit der GeWoGe und anderen Wohnungsbaugesellschaften, dem Verein Haus und Grund und dem Deutschen Mieterbund soll ermittelt werden, in welchen Wohnungen schwerpunktmäßig mit Holz geheizt wird, um dort die Kampagne in einer Haus-zu-Haus-Beratung zu verstärken. Auch die Bezirksschornsteinfeger werden einbezogen. Das hatte das Landesumweltamt vorab schon versucht, allerdings ohne Erfolg: „Notwendige Daten der Schornsteinfeger sind nicht vorhanden.”

Ausnahmeregelungen

In einem zweiten Schritt, so die Planung, soll die lokale Brennstoffverordnung erlassen werden. Für neue Holzöfen soll sie zum 1. Oktober 2009 in Kraft treten. Nach den EU-Vorgaben für Feinstaub wird sie „hochwertige technische Standards” für den Betrieb von Holzöfen einfordern. Für alte Öfen wird eine dreijährige Übergangsfrist zur Nachrüstung moderner Filtertechnik oder zum Austausch der Anlagen gewährt. Da der Markt für Kachelöfen bisher keine Nachrüsttechnik anbietet, werden für sie großzügige Ausnahmeregelungen gelten.

Trost für alle, die sich am offenen Kaminfeuer kuscheln. In der Verwaltungsvorlage heißt es: ”Für offene Kamine soll die neue Brennstoffverordnung nicht gelten, da deren Betrieb per Gerichtsurteil aufgrund der hohen Emissionen/des hohen Beschwerdepotenzials nur gelegentlich - bis zu acht Tagen im Monat und bis zu fünf Stunden am Tag - erlaubt ist.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert