Aachen - Hochwürden hat jetzt fast 20.000 Schäfchen

AN App

Hochwürden hat jetzt fast 20.000 Schäfchen

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Aufregung hat sich gelegt. Manche Gläubige haben wohl resigniert, andere sehen der Zukunft gespannt entgegen. Ab dem 1. Januar wird die katholische Landschaft in Aachen völlig umgekrempelt.

Vereinigte Pfarreien und Kirchengemeindeverbände bestimmen dann das Bild. Viel Überzeugungsarbeit musste geleistet werden, denn es wurden Klagen eingereicht, Schiedsverfahren angestrengt, ein Aktionsbündnis gegen den Kurs des Aachener Oberhirten gegründet.

Nun endet der beispiellose Reformprozess, den Bischof Heinrich Mussinghoff, Generalvikar Manfred von Holtum und der bischöfliche Fusionsbeauftragte Pfarrer Rolf-Peter Cremer vor einiger Zeit angestoßen haben, um der dramatisch sinkenden Zahl von Priestern und auch der stetig geringer werdenden Zahl von Katholiken Herr zu werden. Von den derzeit 1,1 Millionen Katholiken werden nach Angaben des Generalvikars im Jahr 2030 nur noch 830.000 übrig sein.

Daran hat die demographische Entwicklung ihren Anteil, aber auch die Tatsache, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, sein Kind taufen zu lassen. Immer weniger Mitglieder bedeutet auch, immer weniger Kirchensteuern einzunehmen. Das war für den Bischof Grund genug, sich einem scharfen Protest-Gegenwind zu stellen und in ungewohnter Härte die Fusion von Gemeinden auch gegen so manchen erbitterten Widerstand seiner Schäfchen durchzupauken.

Die gut 130.000 Aachener Katholiken sind ab Neujahr auf acht „Gemeinschaften der Gemeinden” aufgeteilt. In Aachen-Mitte bilden demnach sieben bis am kommenden Donnerstag eigenständige Gemeinden die größte Pfarrei. Sie wird den Namen „Franziska von Aachen” tragen und fast 20.000 Katholiken im neuen Kirchenbuch führen. Als Pfarrkirche wurde St. Foillan bestimmt.

Damit konnten sich die Gemeindemitglieder nicht gegen den Oberhirten durchsetzen, sie hatten gebeten, die Traditionspfarren St. Marien, Heilig Kreuz, St. Adalbert und St. Peter ebenfalls im Range von Pfarrkirchen zu belassen. Auch die St. Paul und St. Andreas werden in „Franziska von Aachen” aufgehen. Verantwortlicher Pfarrer ist ab dem neuen Jahr Domkapitular Franz-Josef Radler. Im Westen werden bald drei Pfarren eine sein. St. Jakob fusioniert mit St. Hubertus/Kronenberg und Heilig Geist.

Pfarrkirche ist St. Jakob, Pfarrer der 14.000 Gläubigen. wird Wolfgang Acht sein. In Burtscheid einigten sich die vier Gemeinden St. Michael, St. Johann Baptist, St. Gregorius und Herz Jesu auf den neuen Namen Pfarrei St. Gregor von Burtscheid mit der Pfarrkirche St. Michael und dem Ehrendomherrn Heribert August als Pfarrer der neuen Großgemeinde mit gut 16.000 Mitgliedern. „Christus unser Bruder” heißt die neue Pfarrei von Aachen-Nord. Sie wird mit knapp 11.000 Katholiken und vier verschmolzenen Pfarreien die kleinste Fusionsgemeinde sein. Pfarrer ist der Franziskaner Bruder Lukas Jünemann.

In Forst verschmilzt St. Bonifatius mit St. Katharina. Der Brander Pfarrer Ralf Freyaldenhoven, Hirte an St. Donatus und der Erlöserkirche, wird der erste Leiter der GdG Brand/Forst mit guten 17.000 Mitgliedern sein. St. Barbara (Rothe Erde) bildet mit den Eilendorfer Gemeinden St. Apollonia und St. Severin und der Ostviertelpfarrei St. Josef und Fronleichnam mit ebenfalls 17.000 Gläubigen eine GdG. Ihr Leiter ist Pfarrer Markus Frohn.

Kommissarischer Leiter der GdG Nord-West ist Regionaldekan Josef Voß. Der Pfarrer von St. Martinus in Richterich und St. Heinrich in Horbach steht dann auch den Pfarreien St. Laurentius in Laurensberg, St. Peter in Orsbach, St. Sebastian/Hörn und St. Konrad in Vaalserquartier vor.

Im Aachener Süden arbeitet unter der Leitung des ehemaligen Regionaldekans Hans-Georg Schornstein die Gemeinschaft der Gemeinden Kornelimünster/Roetgen. Mehr als 16.000 Katholiken umfassen die Pfarreien St. Mariä Schmerzhafte Mutter, St. Kornelius, St. Rochus, St. Josef, St. Anna, St. Hubert, St. Antonius, St. Brigida und Christus unsere Einheit.

Auch der ständig sinkenden Zahl von Priestern will Generalvikar Manfred von Holtum mit unkonventionellen Mitteln begegnen. Ab Januar will er ein Pilotprojekt starten und einen Priester aus Kolumbien einsetzen.

Später könnten weitere kolumbianische Geistliche nachrücken, um die wachsenden Personallöcher in Aachen zu stopfen. Nun werden sich die neuen Kirchenvorstände auch über die Finanzen Gedanken machen müssen. „Wir können keineswegs alle Kirchengebäude unterhalten. Da darf eine andere Nutzung nach der Entwidmung kein Tabu sein”, sagt Pfarrer Heribert August.

Neue Pfarreien, neue Namen, feierliche Messen

Am Sonntag, 3. Januar, 10 Uhr, wird die Erhebung der Pfarrei St. Gregor von Burtscheid mit einem Hochamt in St. Michael, feierlich begangen. Weihbischof Johannes Bündgens, Generalvikar Manfred von Holtum und Oberbürgermeister Marcel Philipp werden anwesend sein. Nach dem Hochamt wird in den Burtscheider Kurparkterrassen, Dammstraße, eine Matinee angeboten.

Einen Tag vorher, am Samstag, 2 Januar, ist um 18.30 eine feierliche Messe anlässlich der Gründung der Pfarre Franziska von Aachen in St. Foillan vorgesehen.

Regionaldekan Josef Voß wird die Gründung der neuen Pfarre bekannt geben, Domkapitular Franz-Josef Radler und Propst Ruprecht van de Weyer (St. Adalbert) sollen als Pfarrer der neuen Pfarrei eingeführt werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert