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Hochfliegende Pläne für den alten Drehturm

Von: Heiner Hautermans
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Sein Vater wurde eine Stelle a
Seinem Vater wurde eine Stelle an der RWTH angeboten, so kam Carlo Blatz nach Aachen. Seine Mutter gründete eine erfolgreiche Werbeagentur. Heute gehört ihm der Drehturm auf dem Lousberg. Foto: Harald Krömer

Aachen. Der ehemalige Wasserturm hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Und: Wenn nicht alles täuscht, eine glanzvolle Zukunft vor sich. Am 27. April wird wieder neues gastronomisches Leben in den Drehturm Belvedere auf dem Lousberg einziehen.

Hauptsächlich im Erdgeschoss, wo das Restaurant, mindestens von Mai bis September auch mit Terrasse und Biergarten, wiedereröffnet wird. Das Drehrestaurant an der Spitze soll vorläufig nur an den Sonntagen für einen Brunch dem Publikum offenstehen, an den restlichen Tagen kann es als Eventfläche gemietet werden, etwa für Geburtstage, Hochzeiten und Firmenveranstaltungen.

Dies erläuterte den „Nachrichten” Carlo Blatz, zusammen mit Jochen Hermanns der neue Eigentümer des stadtbekannten und kilometerweit sichtbaren Turms. Blatz belegt mit seinen Firmen jetzt schon drei Etagen des Drehturms, er ist Geschäftsführer und Inhaber des 40-köpfigen Multimedia-Unternehmens Interactive Pioneers, das regional und international tätig ist, innovative Konzepte für Großkonzerne wie Nike und Telekom entwickelt und schon vielfach ausgezeichnet wurde. Außerdem führt er zusammen mit Bernd Steinbrecher die Power + Radach Werbeagentur GmbH, ebenfalls im Drehturm angesiedelt.

Man habe für den Wiederbetrieb mehrere Aachener Spitzengastronomen angesprochen, sagt der 34-Jährige weiter. Schließlich habe man aufgrund eines sehr guten Konzeptes einen der Besten gewinnen können. Der neue Pächter wird Ende der Woche auf einer Pressekonferenz vorgestellt.

Blatz will das Rad nicht neu erfinden, sondern Bewährtes in das Wahrzeichen zurückbringen und „konsequent neue Schritte machen”. Schließlich ist der Drehturm eine feste Größe in Aachen, Generationen von Familien pilgerten am Sonntag dorthin, Busladungen voll Senioren wurden auf die Spitze der höchsten Aachener Erhebung gefahren. „Deswegen wurde er von den Aachener auch liebevoll Rentner-Zentrifuge genannt”, erzählte der gebürtige Ostberliner schmunzelnd. Das neue Konzept soll Moderne mit Tradition verbinden.

Neues unternehmen will er auch mit dem Rest des Gebäudes. Der 670 Tonnen schwere Doppelzylinder aus Gusseisen rund um den Aufzug mit einem Durchmesser von 19 Metern soll nämlich herausgeschnitten oder -geflext werden - in kleinen Stücken, versteht sich. Er macht dann Platz für vier weitere Etagen, jeweils 210 Quadratmeter groß, die dann dort als hochwertige Büroflächen gestaltet werden sollen. Die Auflagen für die Decken sind schon vorhanden, erläutert Carlo Blatz weiter, so dass dem Vorhaben architektonisch keine größeren Probleme entgegenstehen.

Genehmigungen schon da

Alle Berechnungen, Pläne und Genehmigungen seien schon vorhanden, Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. Jede zweite Außenwand soll dann in ganzer Etagenhöhe gläsern gestaltet werden und weite Ausblicke in die Eifel oder ins Mergelland möglich machen. „Das sorgt dafür, dass der Charakter des Gebäudes erhalten bleibt”, sagt Jochen Hermanns, der auch hier Neues mit Altem verbinden will. Als Mieter für die Immobilie in reizvoller Lage kann er sich etwa Freiberufler, Unternehmer und Forscher vorstellen: „Es gibt schon Interessenten, aber noch keiner hat unterschrieben.” Sobald die Unterschriften für zwei Etagen vorliegen, können die Bauleute anrücken und das Gebäude unter Leitung der Innenarchitektin Sylvia Friedrich (Orbit Design) umgestalten.

Mehrere Millionen Investition einschließlich des Kaufs, hat man da nicht schon mal schlaflose Nächte? „Ich bin seit 1996 selbstständig und habe selber drei eigene Firmen, mit dem Drehturm jetzt vier. Außerdem bin ich an weiteren Firmen beteiligt”, sagt Carlo Blatz, der die Zahl seiner Mitarbeiter auf über 80 beziffert, selbstbewusst. Außerdem tritt er quasi die Flucht nach vorne an: Der Turm stand zehn Jahre unter Zwangsverwaltung, weil ein früherer Erwerber Pleite gegangen war. In dieser Zeit sei nichts investiert worden und sei die Unsicherheit groß gewesen. „Wir hätten innerhalb von vier Wochen rausfliegen können.”

Schon fünf Jahre hatte sich der Geschäftsmann um den Kauf bemüht. Einmal saß man schon fast beim Notar, wo der Kauf in letzter Minute scheiterte. Ende Oktober erhielt er dann den Zuschlag, mitsamt seinem Partner Jochen Hermanns, dem Sohn des bekannten Aachener Investors Norbert Hermanns. „Durch die Familie Hermanns haben wir die entsprechende Immobilienkompetenz. Alles was technisch gelöst werden muss, ist in guten Händen.” Erste Handwerker sind schon angerückt, um den Gastronomiebereich und das Foyer sowie die 173-stufige Treppe attraktiver zu gestalten.

Auch mit der Lousberg-Gesellschaft, die den Landschaftspark, einen der ersten in Europa, erhalten und fördern will, wurde schon Kontakt aufgenommen. Blatz: „Man hat schnell gemerkt, dass auch wir für einen besseren Lousberg kämpfen”.
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