HIV und Aids: Immer noch Tabuthemen

Von: Robert Baumann
Letzte Aktualisierung:
aids_bu
Unterstützen hauptberuflich HIV-Infizierte und Aids-Kranke in der Beratungsstelle der Aids-Hilfe Aachen: Sozialarbeiter Karl-Georg Rinkleff (links) und Geschäftsführer Walter Brüsseler (rechts). Foto: Harald Krömer

Aachen. „HIV und Aids sind oft immer noch Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Deshalb haben auch viele Infizierte große Angst gesehen zu werden, wenn sie zu uns in die Beratung kommen”, sagt Karl-Georg Rinkleff, Sozialarbeiter der Aids-Hilfe Aachen. Seit 24 Jahren bietet die Aids-Hilfe Betreuung, Einzelberatung, Selbsthilfegruppen, Unterstützung bei Behördengängen und betreutes Wohnen für Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, an. Es ist die einzige Beratungsstelle in der Städteregion.

Fünf Hauptamtliche, davon drei Sozialarbeiter, arbeiten bei der Aids-Hilfe in der Zollernstraße.

Die Zahl der Klienten wächst und wächst

„Die Zahl der Beratungsgespräche und der Klienten wird jedes Jahr mehr”, sagt Rinkleff. „Viele müssen ihre Infektion geheim halten, weil sie sonst häufig Ablehnung und Schuldzuweisungen ausgesetzt sind. Die Krankheit selbst und die Geheimhaltung führen zu einer hohen psychischen und physischen Belastung bei den Betroffenen. Zudem leben viele in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen”, ergänzt Walter Brüsseler, Geschäftsführer der Aids-Hilfe Aachen.

Im Rahmen des diesjährigen Welt-Aids-Tages am heutigen 1. Dezember, der unter dem Motto „Positiv zusammen leben - aber sicher” stattfindet, bietet die Aids-Hilfe noch bis zum 13. Dezember ein vielfältiges Programm in der Stadt an. Benefizpartys, Konzerte, Informationsstände, Gedenkfeiern, Ausstellungen und Filmvorführungen wird es zum Thema HIV und Aids geben. Es soll auf die Krankheit aufmerksam gemacht, Solidarität bekundet und Ausgrenzung vorgebeugt werden.

Die Aids-Hilfe arbeitet eng mit einer Aachener Schwerpunktpraxis zusammen, bei der zurzeit 400 Patienten mit HIV/Aids medikamentös behandelt werden. Seit 2002 hat die Aids-Hilfe 260 Betroffene begleitet. Rund die Hälfte der Infizierten, die die Beratung aufsuchen, sind Migranten. Es wird geschätzt, dass fast 25 Prozent der in Deutschland Infizierten nichts von ihrer Infektion wissen. Heilbar ist die Krankheit nicht. Medikamente, die häufig starke Nebenwirkungen haben, können lediglich lebensverlängernd wirken. „In den Anfängen unserer Arbeit Mitte der Achtziger Jahre hatten wir sehr viel mit Sterbebegleitung zu tun. Durch bessere Behandlungsmethoden helfen wir den Betroffenen jetzt, das Leben mit Aids zu meistern”, sagt Brüsseler.

Finanzielle Unterstützung erfahren Betroffene aus dem Soforthilfefonds der Aids-Hilfe), der sich ausschließlich aus Spenden zusammensetzt und die Finanzierung von Lebensmitteln, Medikamenten oder Therapiesitzungen sichert.

3000 Neuinfizierte in Deutschland jedes Jahr

Rund 34 Millionen Menschen sind weltweit mit HIV infiziert. Davon sind die Hälfte Mädchen und Frauen, 2,5 Millionen sind Kinder. Etwa 70.000 Menschen sind nach Schätzungen des Robert-Koch Instituts in Deutschland betroffen. Davon sind ungefähr 57.000 Männer, 13.000 Frauen und 200 Kinder. In Deutschland infizieren sich jedes Jahr geschätzte 3000 Menschen neu mit dem HI-Virus.

Das höchste Infektionsrisiko in Deutschland besteht bei homosexuellen Männern (42.000), gefolgt von Heterosexuellen und Drogenkonsumenten (jeweils 10.000).

Etwa 29.000 Todesfälle bei HIV-Infizierten gab es in Deutschland seit Beginn der Epidemie. In diesem Jahr verstarben 550 Infizierte an der Krankheit.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert