Aachen - Hitzige Debatte mit Fans unter Polizeischutz

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Hitzige Debatte mit Fans unter Polizeischutz

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Verärgerung und Verunsicherun
Verärgerung und Verunsicherung der Alemannia-Fans schlugen sich auch in den selbst gemachten Bannern auf den Tribünenrängen nieder.

Aachen. Die Lage am Tivoli war ernst, nicht nur wegen der gegenwärtig prekären finanziellen Situation des Traditionsclubs. Sie war am Samstag wegen massiver Drohungen aus der Fan-Szene in einem Maße ernst, dass zum Schutz von Verantwortlichen der Alemannia-Fußballabteilung und zum Schutz des Stadions starke Polizeikräfte zusammengezogen werden mussten.

Hundertschaften aus anderen Städten wie Wuppertal und Essen waren an die Krefelder Straße gekommen.

Die Vorsicht zahlte sich nach Spielschluss aus, wie Polizeisprecher Werner Schneider am Ende beruhigt feststellen konnte. Die eingegangenen Drohungen richteten sich vor allem gegen Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer, dem man in der Hauptsache die Misere um fehlende Millionen anlastet. Aber auch gegen den Vorstand der Fußball-GmbH insgesamt.

Nach dem 1:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden war erst einmal Frustbewältigung angesagt. Rund 150 Fans aus dem S-Block und aus anderen, „gemäßigteren” Gefilden des Stadions sammelten sich vor dem VIP-Eingang und forderten lautstark Erklärungen. Zuvor wurden bereits während der 90 Spielminuten Rufe wie „Kraemer raus” wie „Vorstand raus” laut und Erklärungen gefordert.

Stadion-Sprecher Robert Moonen begab sich nach Spielende in die Höhle des Löwen und sprach mit den aufgebrachten Fans, die vor dem Haupteingang von Polizeikräften in Schach gehalten wurden. Als Unterstützung an der Fanfront kam dann aus dem Aufsichtsrat der Fußball-GmbH noch Vize Helmut Kutsch als Unterstützung hinzu, die Gruppe wurde vorsichtshalber von einem Polizei-Kordon abgeschirmt.

Die Vereinsvertreter diskutierten knapp ein Stunde hitzig in der Oktober-Kälte. „Die Fans wollen einfach wie wir alle über den Ernst der Lage ausreichend informiert werden”, informierte Moonen wiederum die Presse über das Gespräch und forderte seinerseits: „Nur Ehrlichkeit bringt uns dort weiter.”

Kurz zuvor hatte Präsident und Vorstandschef Meino Heyen bereits die Öffentlichkeit über Wege aus dem Finanzdefizit informiert mit dem Satz: „Es liegt Geld auf dem Tisch.” Ob es letztlich reiche, wisse man heute noch nicht, sagte Heyen. Aber man könne, was das Schicksal des Vereins angehe, jetzt beruhigter als zuvor in die Woche gehen. Die Situation sei „nicht aussichtslos”, hatte der Aufsichtsratsvorsitzende bereits vor Spielbeginn ins Stadionmikro gesprochen.

Die angekündigte Gelassenheit bezog sich allerdings ausdrücklich nicht auf den Job von Geschäftsführer Frithjof Kraemer, der den Verein „in absehbarer Zeit verlassen” werde. sagte Heyen. Vor Anpfiff des Spiels hatte es auf den Rängen Proteste genau in diese Richtung gegeben. Die Aachen Ultras pinselten das vielsagende Wortspiel „Totenkraemer” auf ein Banner. Vor dem Spiel waren aus einer anderen Ecke Knallkörper auf den Rasen geflogen, ein Vorgang, der den Verein wieder Strafzahlungen kosten dürfte.

Die allgemein desolate Lage versuchte der rechtsradikal unterwanderte Fanclub „Karlsbande” auszunutzen. Trotz strikten Verbots rollten sie während des Spiels ihre Fanfahne aus und befestigten sie demonstrativ an der Stadionwand. Nach Ausschreitungen in Saarbrücken und Aachen waren den rechten Fans jegliche öffentlichen Äußerungen verboten worden.

Der grobe Verstoß am Samstag, bekräftigte Polizeisprecher Schneider, werde Konsequenzen haben und verfolgt werden, die Kollegen hätten die Sache aufgenommen. Man habe allerdings angesichts der brisanten Lage darauf verzichtet, in den Block zu gehen und die Provokation zu beenden. Das meinte auch André Schäfer, Pressesprecher der Alemannia: „Wir hatten heute andere Probleme”, antwortete er genervt, die Probleme türmten sich schließlich an allen Ecken und Enden.

So sehen denn Fans wie etwa die Gebrüder Siggi, Andreas und Markus Wirth aus Aachen, die am Samstag zu dritt auf dem Tivoli waren, den Traditionsverein mit einer Mannschaft agieren, der man nicht unbedingt den Wiederaufstieg zutraue. Sie wiesen darauf hin, dass der Verein viel Vertrauen verspiele. Die Alemannia sei ein Traditionsclub mit einer unglaublichen Fankultur, die erhalten werden müsse. Dafür müsse jetzt erst einmal alles auf den Tisch.

Eine schöne Geste hatten übrigens die Wiesbadener mit ihrem Banner „Rettet die Alemannia!” mitgebracht. Das nennt man echte Freundschaft, und das fördert die gemeinsame Fußballsache.
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