Historisches muss nicht zugig sein

Von: Werner Breuer
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Schön warm eingepackt: Historische Gebäude können durchaus besser gedämmt werden. Statt unschöner Platten an der Fassade gibt es im Inneren eine Reihe von Maßnahmen. Fotomontage: Günter Herfs

Aachen. Fast schon entschuldigend spricht Dieter Begaß von einem „planungstheoretischen Ansatz”. Dabei geht es doch um Energieeffizienz, also um Ressourcenschonung, Klimawandel und irgendwie die Rettung der Welt überhaupt.

Doch Begaß, stellvertretender Leiter des städtischen Fachbereichs Wirtschaftsförderung, kann keine innovativen Autos mit Holzhackschnitzelantrieb präsentieren oder Solarzellen in Bierdeckelgröße, die ganze Sportstadien mit Wärme, Strom und schnellen Internetverbindungen versorgen. Es geht um mehr: um „nachhaltige Veränderungen” in der Organisation des ganzen Gemeinwesens.

Aachen will „energieeffiziente Stadt” werden. Den Titel vergibt das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen eines Förderwettbewerbs. Scharf darauf sind 72 Kommunen aus dem gesamten Bundesgebiet, doch für 57 von ihnen ist das Rennen schon gelaufen. Aachen ist mit 14 anderen Bewerbern bereits eine Runde weiter.

Womit der planungstheoretische Ansatz der Aachener punkten konnte, wurde Begaß - er firmiert im Schriftwechsel mit dem Ministerium als „legitimierter Ansprechpartner” - zwar nicht genau mitgeteilt, aber er denkt sich sein Teil. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist die historische Stadt.” Die besteht naturgemäß aus alten Gebäuden, alten Wegen, alter Infrastruktur. In einem solchen Ambiente werde üblicherweise wenig über Energiesparen nachgedacht, weiß Dieter Begaß.

Dabei mag die Idee, den Dom in eine dicke Dämmschicht zu verpacken und die Kirchenfenster durch Doppelglasscheiben zu ersetzen, zwar abwegig sein. Dennoch soll bei „allen Gebäudetypen, auch historischen Bauwerken” überlegt werden, wie energieeffziente Maßnahmen umgesetzt werden können. Begaß verweist etwa auf das Rheinnadelgebäude am Reichsweg, das zum Haus der Integration werden soll. Bei dieser Umnutzung müsse man darüber nachdenken, ob eine Fabrikhalle aus dem Jahr 1902 in Sachen Energieverbrauch nicht auf den Stand der Gegenwart gebracht werden könne.

„Ich bin kein Techniker”, sagt der legitimierte Ansprechpartner, dafür hat sich die Stadt ein gutes Dutzend weitere Partner ins Boot geholt. Dazu gehört etwa die RWTH, die einige alte Hochschulgebäude energetisch auf Vordermann bringen will, oder auch die Stawag. Die Stadtverwaltung macht derweil andere Hausaufgaben. Das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) zum Beispiel mache im Gegensatz zur alten „kameralistischen” Haushaltsrechnerei auch Einspareffekte darstellbar, erklärt Begaß.

„Wir wollen künftig der Politik sagen können, welche energetische Bedeutung ein Schulneubau oder eine neue Buslinie haben wird.” Das sei ein objektives „zusätzliches Entscheidungskriterium”. „Nehmen wir mal die Elisabethhalle”, sagt Begaß. Die Energiebilanz des alten Jugendstil-Schwimmbads sei nach heutiger Sicht schwer aufzupolieren, „vielleicht mit einer neuen Heizung und neuen Fenstern im hinteren Bereich, wo man sie nicht sieht”. Dabei könne man auch „hinter denkmalgeschützten Fassaden etwas tun”.

Ob es sich lohnt, soll dann nach besagten objektiven Kriterien beurteilt werden können. Das will die Stadt nicht nur bei eigenen Gebäuden schaffen, sondern auch privaten Hausbesitzern ermöglichen. Begaß denkt da nicht nur an einen „Leitfaden für Eigentümer”, sondern auch an Finanzierungsmodelle für energiesparende Sanierungen oder auch Beratungsangebote. Er kennt die Vorbehalte mancher Altbaubesitzer, energiesparende Renovierungen in Angriff zu nehmen. „Viele scheuen die ganzen Abstimmungsverfahren.”

Fünf Millionen Euro sind drin

Doch alles das ist noch Zukunftsmusik, „planungstheoretischer Ansatz” eben. Nun sollen die ganzen Ideen und Überlegungen konkreter ausgearbeitet werden. Daraus wird dann ein „ausführlicher Förderantrag”, für dessen Erstellung die Aachener ebenso wie ihre 14 Mitbewerber mit 190000 Euro unterstützt werden. Mit dem Geld würden vor allem Personalkosten finanziert, erklärt Begaß. Schließlich seien eine Menge Leute für den Wettbewerb aktiv, gerade die beteiligten Partner müssten die damit verbundenen Kosten ja irgendwie stemmen. Zudem würde für die Koordination des Projekts eine eigene Stelle geschaffen. „Die werden wir dann ausschreiben”, sagt Begaß, der solange legitimierter Ansprechpartner bleibt, bis der Posten besetzt ist.

Und wenn alles gut läuft, rollt am Ende der Rubel. Je nach Platzierung wären drei bis fünf Millionen für die Aachener drin. Das Geld würde zwar nicht reichen, um etwa eine komplette Siedlung energetisch zu sanieren, meint Begaß. Aber vielleicht ließe sich dann an einzelnen Gebäuden modellhaft zeigen, wohin planungstheoretische Ansätze führen können.
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