Aachen - Historiker: Teil des Bunkers an Ort und Stelle erhalten

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Historiker: Teil des Bunkers an Ort und Stelle erhalten

Von: Heiner Hautermans
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Der Fall der Krönungsstadt Aachen hatte große symbolische Bedeutung, weiß Dr. Frank Pohle. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Die Schlacht um Aachen spielt sicher eine Sonderrolle im Zweiten Weltkrieg. Dies zeigt sich schon, wenn man die zeitgenössische Publizistik betrachtet, die die Schlacht auch propagandistisch nutzt. Aachen ist die erste Großstadt, die die Allierten erreichen. Man betritt das Reich, das hat eine hohe symbolische Bedeutung, immerhin war es die Stadt Karls des Großen. Für beide Seiten war die Frage, wie man damit umgeht.“

Dr. Frank Pohle, Juniorprofessor für die Geschichte und Kultur der Region Maas/Rhein, stellt auf Bitte der „Nachrichten“ die besondere Situation Aachens im Herbst 1944 heraus, die durch die Diskussion um den Lousberg-Bunker wieder ins öffentliche Bewusstsein getreten ist. Diese Debatte ist für den Wissenschaftler des Historischen Instituts der RWTH das Wichtigste an den gegenwärtigen Vorgängen: „Ich bin gespannt, wie sie weitergeht.“

In Aachen trafen die Alliierten schließlich auf die ersten nichtbewaffneten Deutschen, beide Seiten mussten sich entscheiden, wie sie vorgehen wollten. In militärischer Hinsicht spielte die Stadt jedoch keine große Rolle, da die Hauptkampflinie am Westwall (bei den Alliierten auch unter dem Namen Siegfried-Linie bekannt) östlich der Stadt verlief.

Dennoch entschieden sie sich im Oktober 1944, die Stadt, die als einzige Großstadt evakuiert worden war, um sie zum Kampfgebiet zu machen, zu erobern. Pohle: „Schon während der Schlacht war die Stadt ein Präzedenzfall, nach der Einnahme ohnehin.“ In vielerlei Hinsicht sei die westlichste Großstadt ein Exerzierfeld gewesen: „Da wurden viele Einsichten gewonnen.“

Aachen wurde von zwei US-Korps in einen Zangengriff genommen, am 12. Oktober wurde die Innenstadt direkt angegriffen, am gleichen Tag wurde Oberst Gerhard Wilck von Hitler als Stadtkommandant eingesetzt. Er flüchtete sich, nachdem der Quellenhof eingenommen worden war, in den Bunker zwischen Rütscher und Försterstraße, der letzte Bunker, den die Wehrmacht noch hielt.

Der war für den Schutz der Bevölkerung ausgelegt und nicht auf Verteidigungsfähigkeit als Kampfbunker. So dauerte der Widerstand nur wenige Tage: Wilck, der auf unbedingtes Halten „bis zum letzten Mann“ verpflichtet war, ergab sich am 21. Oktober. Zuvor waren Parlamentäre mit einem Ultimatum hin- und hergeschickt worden, die eigentliche Kapitulation unterschrieb Wilck, der per Jeep zum Hansemannplatz gefahren wurde, im dortigen US-Hauptquartier.

Was bedeutet das nun für den Bunker an der Rütscher Straße? Welchen Denkmalwert besitzt er? Pohle ist in dieser Hinsicht zwiegespalten. Schließlich sei die Entscheidung, ihn nicht unter Denkmalschutz zu stellen, schon 2005 vom Landschaftsverband Rheinland getroffen worden, die heutige Diskussion hätte man schon damals führen können.

Sicherlich habe der Bunker einen gewissen bauhistorischen Wert, weil die Bauweise, in der er errrichtet wurde, selten ist und „uns allmählich die Bunker ausgehen“. Diverse Wehrbauten seien bis zur Unkenntlichkeit umgebaut worden, etwa Kongressstraße und Lütticher Straße oder abgerissen worden, Beispiel Sandkaulstraße.

Sicherlich verfüge der Bunker auch über einen Erinnerungswert: „‚Das Gedenken braucht nun mal einen Ort, das ist dort sehr gut möglich, wegen der vielen Schussspuren.“ Allerdings sei die Frage, um welches Gedenken es gehe. Noch in den 1960-Jahren sei der Herbst 1944 wegen der Leiden der Zivilbevölkerung als die zweite große Katastrophe nach dem Stadtbrand 1656 bezeichnet worden, der Gedanke der Befreiung sei erst später entstanden: „Da sind wir heute einen Schritt weiter.“

In den Brunnen

Auf der anderen Seite ist Pohle Pragmatiker: „Das Kind ist in den Brunnen gefallen.“ Schließlich habe der Investor das Gelände erworben: „Alle Versuche, den Bunker wieder zum Denkmal zu machen, sind teuer.“ Die Gemengelage sei ohnehin schon schwierig, deshalb habe er starke Zweifel, den Bunker zurückzukaufen. Allerdings plädiere er sehr dafür, einen Teil des Bunkers durch eine Umplanung zu erhalten, allerdings an Ort und Stelle und „nicht gegenüber oder 20 Meter weiter“.

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