Aachen - Himmlischer Duft im Gotteshaus

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Himmlischer Duft im Gotteshaus

Von: Christopher Gerards
Letzte Aktualisierung:
Der Kammer-Chor Carmina Mundi
Der Kammer-Chor Carmina Mundi bescherte am Freitagabend in der ökumenischen Citykirche St. Nikolaus eine Stunde lang gewaltigen A-capella-Gesang. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Duft im Gotteshaus St. Foillan ist am Freitagabend echt himmlisch. Denn zur Nacht der offenen Kirchen hat die Gemeinde in der Krämerstraße wieder groß aufgefahren - und, von wegen: kleine Brötchen, diesmal auch aufgebacken.

In der Nähe des Altars schmoren nämlich Teigbällchen im Backofen, die im 20-Minuten-Takt als Roggenbrötchen in die Hände der Besucher wandern. Das duftet, klar. Und den Geschmack der Menschen triffts auch, wie der große Andrang eindrucksvoll belegt.

Ohnehin: Trotz fiesen Regenwetters strömten die Aachener am Freitagabend zahlreich zur mittlerweile zwölften Kirchennacht. Dabei zeigten 33 Gemeinden der verschiedenen christlichen Konfessionen fast 130 Stunden Programm - mancherorts gar bis zwei Uhr in der Nacht. Lockten die einen mit Gedichten oder Musik, konzentrierte man sich andernorts auf Angebote für die Pänz oder auf größere Installationen. So auch in St. Foillan.

„Wir haben das täglich Brot aus dem Vater Unser als Motto gewählt”, schildert Gemeindereferent Jürgen Maubach. „Das Brot ist ein spannendes Symbol im Christentum.” - und für das Leben insgesamt. Die interaktive Installation im katholischen St. Fleng zielt dabei nicht nur auf Geschmacksnerven und Näschen; vor den Besuchern erstreckt sich eine gigantische Leinwand als echter Hingucker. Auf ihr werden - im Wechsel mit der Rezitation von Bibelpassagen - Bitten projiziert, die Besucher an zwei Helfer herangetragen haben, etwa: „Ich wünsche mir, dass viele Menschen auf der Welt es gut haben.” Er wolle mit der Nacht den Menschen den Zugang zu Gott bewusst machen, erklärt Maubach, „Gottes Liebe zu den Menschen bringen.”

Auch anderswo beweisen die Macher der Kirchennacht einen guten Riecher. Denn die ökumenische Citykirche St. Nikolaus erlebt einen Zulauf, wie man ihn sonst vor allem von Heiligabend kennt. Mit dem Regenschirm als wiederkehrendem Element an diesem nassen Abend erreichen viele der Besucher leicht fröstelnd die „Citykirche” - und erleben drinnen ein Feuerwerk der Stimmen. Der Kammer-Chor Carmina Mundi beschert ihnen eine Stunde lang gewaltigen A-cappella-Gesang.

Was an diesem Abend in der Großkölnstraße folgt, sind Nacht-Gedichte aus Romantik und klassischer Moderne, von Schauspielern rezitiert; zudem erzählen Menschen von ihrer Arbeit, die sie Nacht für Nacht in Aachen tun.

Etwas außerhalb, im Nordosten der Stadt, hat die freie-evangelische Vineyard-Gemeinde ein Programm für Jugendliche auf die Beine gestellt. So startet sie ein Bibel-Quiz oder zeigt bestimmte Bilder, bei denen die Menschen einen Segen vom Himmel bekommen. „Aber die Jugendlichen brauchen nicht nur Input”, weiß Gemeindemitglied Merlin Losen. Deshalb haben die Vineyars ihre G-Light-Bar in der Gemeinde geöffnet. Hier können die Jugendlichen chillen, Musik hören und Kicker spielen.

Was macht ein Kirchenkabarettist? Die Frage steht um 21 Uhr in der evangelischen Annakirche im Raum. Micki Wohlfahrt beantwortet sie. Der Mann aus Westfalen markiert das Kontrastprogramm zum Vorjahr, als der Abend in der Annakirche die Atomkatastrophe in Fukushima behandelte. Jetzt stellt Wohlfahrt seinen Job vor: Er habe sich zu Jugendzeiten in der „richtigen” (der evangelischen) „Kiache” engagiert, sei später hauptamtlicher Sozialpädagoge und Sozialarbeiter geworden.

Mit Mitte 30 lugte dann ein Bäuchlein unter seinem Hemd hervor. Die Kirche habe angefangen zu drücken, ein Kollege riet: Lass den Druck raus, erzähls auf der Bühne und verdien Geld damit. Statt brotloser Kunst serviert Wohlfahrt also Witze, wie: „Warum gibt es in der evangelischen und der katholischen Kirche keine Ameisen?” - „Weil sie in Sekten sind.” Dann ist nach zwei Mal 45 Minuten Schluss mit lustig. Kirchenkabarettist Wohlfahrt, die A-cappella-Sounds in St. Nikolaus und die Brot-Installation in St. Foillan haben bewiesen, dass die Nacht der offenen Kirchen auch bei der zwölften Auflage in Aachen keine kleinen Brötchen backt.
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