Hilfen zur Erziehung: Nun soll Finanzsteuerung her

Von: mg
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Aachen. Es ist eine traurige Rechnung: Immer mehr Kinder und Familien brauchen Hilfe. Und die Ausgaben dafür belasten den städtischen Haushalt immer mehr.

In diesem Jahr werden die Ausgaben für Hilfen zur Erziehung voraussichtlich auf rund 32,9 Millionen Euro steigen. Gegenüber den eingeplanten Haushaltsmitteln entsteht damit im Etat ein Fehlbetrag von 3,4 Millionen Euro.

Nun soll eine zusätzliche Finanzsteuerung eingeführt werden mit dem Ziel, die Ausgabenentwicklung doch etwas zu bremsen. Die Verwaltung schlägt vor, im Fachbereich Kinder, Jugend und Schule ein Controlling einzurichten. CDU und Grüne hatten bereits 2010 eine verstärkte Finanzsteuerung beantragt.

Schulpolitiker und Jugendpolitiker fanden in ihrer Beratung jedoch nicht zu einem einmütigen Votum. Während die Schulpolitiker mit schwarz-grüner Ratsmehrheit für den Einsatz der Controller stimmten, erreichte die Opposition im Kinder- und Jugendausschuss mit Unterstützung der Trägervertreter ein Nein. Weiter beraten wird das Thema nun im Finanzausschuss, zu entscheiden hat im November der Personal- und Verwaltungsausschuss.

Die Fallzahlen steigen

Hauptgrund für die steigenden Kosten sind die seit Jahren steigenden Fallzahlen, erläuterte Brigitte Drews vom Fachbereich in ihrem aktuellen Quartalsbericht. 2005 wurden noch 1956 Fälle verzeichnet, fürs laufende Jahr erwartet sie bereits 2850 Fälle. „Pro Jahr haben wir rund 100 Fälle mehr”, so Drews. Die Kosten pro Fall sind dagegen nicht gestiegen. Hier ist die Tendenz sogar rückläufig. Im laufenden Jahr liegen die Kosten pro Fall im Schnitt bei 1558 Euro.

Enorm ins Geld gehen zum Beispiel die Inobhutnahmen. Bis zum 15. August 2011 wurden bereits 123 Kinder und Jugendliche zu ihrem Schutz in Obhut des Jugendamts genommen. 92 von ihnen waren unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Junge Mütter, kleine Kinder

Teuer ist auch die Unterbringung von jungen Müttern in Mutter-Kind-Gruppen. Zunehmend haben diese Mütter nicht nur ein, sondern mehrere kleine Kinder. Und jedes Jahr müssen mittlerweile zwischen sieben und zehn junge Menschen nach richterlichem Beschluss in geschlossenen Einrichtungen untergebracht werden. Die Kosten: bis zu 400 Euro am Tag plus Nebenkosten.

Das neue Controlling - eine ganze und zwei halbe Stellen - würde knapp 400.000 Euro im Jahr kosten. „Das ist eine Menge Geld, die uns für die Fallarbeit flöten geht”, meldete nicht nur Trägervertreter Stefan Küpper (Kinderheim Maria im Tann) Bedenken an. Jugenddezernent Wolfgang Rombey erklärte dagegen ausdrücklich, dass man die vorgeschlagenen Stellen gerne in Anspruch nehme. Schließlich verwalte der Fachbereich gut 18 Prozent des gesamten städtischen Haushaltsvolumens.
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