Hilfe für die ungebetenen Untermieter im Parkhaus

Von: Werner Breuer
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Kein Zimmer frei: Obachlose sind in Parkhäusern unerwünscht. Die Apag schickt sie zur Caritas. Foto: imago/Steffen Schellhorn 14.12.2010 Schild Parkhaus frei Objekte kbdig xsp 2010 hoch Bildnummer 54753311 Date 14 12 2010 Copyright Imago Steffen Schellhorn 14 12 2010 Shield Parking garage free Objects Kbdig xsp 2010 vertical

Aachen. Wer wohnt schon gerne in einem Parkhaus? „Bei diesem Wetter ist das immer noch wärmer als auf der Straße“, sagt Caritas-Sprecher Wolfgang Offermann, „aber es ist keine Lösung.“ Für Obdachlose gebe es in Aachen ein „gut aufgestelltes soziales Netzwerk“, aber viele Betroffene wissen davon offenbar nichts. In den Parkhäusern der Aachener Parkhaus GmbH (Apag) wird ihnen der Weg dorthin gewiesen.

„Wenn unsere Häuser ein Zufluchtsort für diese Menschen sind, dann müssen wir uns dieser Situation stellen“, erklärt Apag-Geschäftsführer Herbert Sliwinski. Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass Obdachlose oder Drogenabhängige in den insgesamt 13 Objekten der Apag nicht gerne gesehen sind. „Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Kunden“, sagt Sliwinski. Und die empfinden die ungebetenen Gäste meist als Störung oder gar Bedrohung.

Vor Jahren hatte die Apag versucht, solche „Störenfriede“ mit Hausverboten von ihren Parkdecks fernzuhalten. Gebracht habe das nichts, berichtet der Geschäftsführer, und so wurde nach anderen Lösungen gesucht. Dabei besann sich die Apag auf gute Erfahrungen mit der Caritas. Als vor Jahren Spritzen im Parkhaus am Adalbertsteinweg gefunden worden waren, hatte man die Hilfsorganisation um Unterstützung gebeten. Die Caritas half, sprach die Drogenabhängen an, verwies sie an entsprechende Einrichtungen.

Diese Zusammenarbeit sei nun „systematisiert“, erklärt Caritas-Sprecher Offermann. Seit November vergangenen Jahres gibt es einen ganz kurzen Draht zur Apag. Wenn die 450 Überwachungskameras auf irgendeinem Parkdeck einen Obdachlosen erfassen, der dort gerade sein Lager aufschlägt, wissen die Apag-Mitarbeiter im Leitstand an der Couvenstraße, was zu tun ist. Die „Untermieter“ werden an Hilfseinrichtungen wie etwa die niedrigschweilligen Angebote des Café Plattform oder des Kontaktcafé Relax verwiesen.

„25 Mitarbeiter sind ständig in den Parkhäusern unterwegs“, erklärt Apag-Chef Sliwinski, „die wurden eigens dafür geschult.“ Und sie betrachten die Obdachlosen nicht mehr nur als unliebsame Besucher. „Man sieht den Menschen dahinter“, sagt Christa Keuter, die im Apag-Leitstand arbeitet. Sie weiß, dass manche Leute neu in der Stadt sind und die Hilfsangebote gar nicht kennen. Andere wollen sie erst einmal gar nicht annehmen, hat Mark Krznaric festgestellt. Der Caritas-Streetworker erinnert sich an einen älteren Mann, den er mehrfach von seinem Schlafplatz im Parkhaus zum Café Plattform bugsierte, wo er eine warme Mahlzeit und saubere Kleidung bekam. „Kaum war ich da weg, da kehrte er wieder ins Parkaus zurück“, erzählt Krznaric, „er sah das als sein Zuhause an.“

Über vier Wochen wiederholte sich diese Prozedur immer wieder, und bei den regelmäßigen „Spaziergängen“ zum Café Plattform wurde die Beziehung zwischen dem Streetworker und seinem Schützling immer vertrauter. „Jetzt ist er im Hilfesystem angekommen“, berichtet Krznaric, „er wußte vorher gar nicht, dass es das gibt.“

In diesem System sind Wärmestuben oder Notschlafstellen im Idealfall zu Zwischenstationen. Das Ziel sei das Leben in der eigenen Wohnung, erklärt Caritas-Sprecher Offermann. Bei ihren Bemühungen um „die Pflege und Sicherung der sozialen Stadt“ sei die Caritas auf Partner angewiesen. Entsprechend froh ist er über den direkten Austausch mit der Apag, die es der Caritas ermöglicht, gezielt und regelmäßig auf Betroffene in der Parkhäusern zuzugehen. „Das ist für uns hilfreich, wenn wir früh gerufen werden“, lobt Streetworker Krznaric die Zusammenarbeit mit der Parkhaus-Gesellschaft.

Erste Erfolge

Für die zahlt sich die Verbindung ebenfalls aus. Mark Krznaric berichtet von „Erfolgen schon in den ersten Monaten“. Und bei der Apag hat man bereits festgestellt, dass die Zahl der ungebetenen Untermieter in den Parkhäusern zurückgeht. „Es spricht sich in der Szene herum, dass es nicht okay ist, in Parkhäusern zu lagern“, weiß Wolfgang Offermann.

Damit scheint in Aachen etwas zu funktionieren, was in anderen Städten weniger gut klappt. Der Caritas-Sprecher weiß von Fällen, in denen etwa „schwarze Sheriffs“ Obdachlose zum Beispiel aus Fußgängerzonen vertreiben. Es bringe aber auf Dauer nichts, den menschen nur zu sagen, wo sie sich nicht aufhalten dürften. Offermann hält es für sinnvoller, den Leuten zu sagen, wohin sie gehen können.

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