Aachen - Hexenprozesse nun doch ein Fall für die Politik

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Hexenprozesse nun doch ein Fall für die Politik

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Hexenverbrennungen vor mehr als 350 Jahren in Aachen werden nun doch ein Thema für die Politik.

Im Bürgerforum werden sich die Fraktionen mit den inhaltlich gleichlautenden Anträgen des Düsseldorfer Hobbyforschers Andreas Vogt und des Aacheners Hans Dietz befassen, die eine offizielle Rehabilitierung der im 17. Jahrhundert unschuldig hingerichteten Frauen fordern. Zugleich setzen sie sich für ein Mahnmal ein, das an die Opfer der Hexenprozesse erinnern soll.

Dietz hat den Antrag des Düsseldorfers Vogt aufgegriffen, der sich seit Jahren mit der Hexenthematik befasst und in mehreren deutschen Städten die Rehabilitierung der Opfer beantragt hat. Die Aufarbeitung dieser lange Zeit verdrängten Thematik sei überfällig, meint er. Die Hexenprozesse zeigten, dass Vorurteile und Diskriminierungen ein sehr altes Phänomen seien. Die Rehabilitierung sei daher auch ein Zeichen gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und gegen die Gewalt an Andersdenkenden oder Andersgläubigen.

Oberbürgermeister Marcel Philipp wollte die Hexenthematik zunächst nicht zu einer Angelegenheit der Politik machen. Inzwischen hat er eine Behandlung im Bürgerforum jedoch zugesagt.

Der in historischen wie juristischen Fragen gleichermaßen versierte städtische Mitarbeiter Dietmar Kottmann gibt unterdessen zu bedenken, dass der heutige Stadtrat - auch aus Gründen der Rechtsnachfolge - nicht die richtige Adresse für eine Aufarbeitung der damaligen Hexenprozesse sei. „Das ist eine Angelegenheit für Wissenschaftler und Historiker”, sagt er. Für den Aachener Geschichtsverein kann er jedoch bereits zusagen, dass sich die Heimatforscher näher mit den Hexenverbrennungen befassen wollen.

In der Zeit von 1604 bis 1649 sind in Aachen mindestens acht Frauen als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden - sieben sind namentlich bekannt, das vermutlich letzte Opfer war ein unbekanntes 13-jähriges Waisenkind. Die Reichsstadt Aachen gilt damit zwar nicht als Hochburg der Hexenverfolgung, dennoch sollte man den Opfern ihre „geraubte Menschenwürde” zurückgeben, meint Vogt. Auch Dietz findet, dass die „moralische Rehabilitation” ein überfälliger Akt in der „Kulturstadt Europas” sei.

Hoch zum Hexenberg

Der Richtplatz befand sich einst auf dem Königshügel. Noch heute erinnert das Gässchen Hexenberg zwischen Muffeter Weg und Melatener Straße an die grausigen Vorgänge, eine Erinnerung an die Opfer sucht man jedoch vergeblich. Grundsätzlich hält Kottmann die Errichtung einer Erinnerungstafel für denkbar. Das Problem in einer geschichtsträchtigen Stadt wie Aachen sei jedoch, dass man „fast an jeder Ecke ein Schild aufstellen” könne. „Wir müssen Wildwuchs vermeiden”, warnt Kottmann. Auch müsse die Qualität der Tafeln gewahrt werden.

Neben einer Gedenktafel sei aber auch eine weitere Form der Erinnerung denkbar: Im Zusammenhang mit der historisch-touristischen „Route Charlemagne” ist der Aufbau eines digitalen Informationssystems zur Aachener Geschichte geplant. Per Handy können dann an den jeweiligen Orten der Stadt vergangene Ereignisse und Hintergründe abgerufen werden. Gut denkbar, so Kottmann, dass in diesem Informationssystem auch die Hexenprozesse ihren Platz finden werden.

Frauennetzwerk befürwortet Gedenktafel

Auch das Frauennetzwerk in der Städteregion Aachen verfolgt die Diskussion um die Hexenverfolgungen. Der Zusammenschluss würde es begrüßen, „wenn mit einer Gedenktafel die vielen unschuldigen Frauen gewürdigt werden, die getötet wurden”, schreibt die Vorsitzende Christiane Feldmann.

„Diese Frauen waren für die Obrigkeit unbequem oder anders, als es von einer Frau in der damaligen Zeit erwartet wurde. Der Hexenvorwurf bot den Mächtigen eine willkommene Gelegenheit, diese Frauen auf bestialische Weise zu verbrennen, zu ertränken oder auf andere gewaltsame Weise zu Tode zu bringen.” Eine Gedenktafel, in der die Geschichte dieser Zeit aufgearbeitet und an das begangene Unrecht erinnert wird, um die Frauen zu rehabilitieren, würde unserer Stadt guttun.”

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