Hertha Walheim verliert viele Mitglieder

Von: Nils Heinichen
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Hertha Walheim
Sie leiten weiter die Geschicke der nunmehr geschrumpften Hertha Walheim: Dirk Offermann (2. Vorsitzender), Albert Kloubert (2. Schatzmeister), Harald von Ameln (Geschäftsführer), Jens Coldewey (Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit), Lothar Heuser (1. Vorsitzender), Joe Sarlette (Beauftragter für Jugendsport) und Fritz Kuckartz (Beauftragter für Seniorensport; von links). Auf dem Bild fehlt Vorstandsmitglied Heike Sarlette (1. Schatz­meisterin). Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Was sich intern schon lange angedeutet hatte, ist jetzt traurige Gewissheit: Knapp 150 Vereinsmitglieder der Abteilung Freizeitsport haben der Hertha ihre Mitgliedschaft gekündigt. Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am Freitag verkündete Geschäftsführer Harald von Ameln die schlechte Nachricht.

„Wir als Verein bedauern diesen Schritt sehr“, sagte von Ameln. „Die abgemeldeten Mitglieder werden vom Verein angeschrieben und zu einem klärenden Gespräch im Februar eingeladen, um den Sachverhalt noch einmal korrekt darzustellen“, kündigte er jedoch umgehend an. Ziel der Gespräche sei es, möglichst viele Mitglieder zurückzugewinnen, um die Abteilung und deren vielfältige Angebote aufrecht zu erhalten. Zum Jahresabschluss 2013 ist die Mitgliederanzahl der Freizeitabteilung auf 70 Aktive geschrumpft.

Geringe Unterstützung

Der Abmeldeflut sind langwierige Differenzen zwischen dem Verein und der Abteilung vorhergegangen. Die Abteilung der Freizeitsportler beklagte unter anderem eine zu geringe finanzielle Unterstützung von Seiten des Vereins. Der Vorstand widerspricht dieser Aussage jedoch vehement. So habe die Abteilung bis zum Jahr 2010 5000 Euro erhalten, seitdem abzüglich einer Beteiligung an den Gesamtkosten des Vereins sogar 8900 Euro. „Die Freizeitabteilung hatte faktisch deutlich mehr Geld zur Verfügung“, betont der Geschäftsführer.

Dadurch, dass durch den 2009 beschlossenen Bau einer neuen Sporthalle, an dem sich die Abteilungen Judo, Fußball und Freizeit beteiligten, zusätzliche Kosten für die Baubeteiligten anfielen, seien die Abteilungen zu Einsparungen gezwungen gewesen. Um dennoch alle Kosten decken zu können, führten die Abteilungen Judo und Fußball Abteilungsbeiträge ein. Lediglich die Freizeitabteilung wollte auf ein derartiges Finanzierungsmodell verzichten, heißt es.

Die Kosten für Übungsleiter stiegen hingegen von 5000 Euro auf 6000 Euro, sagt der Verein. Aufgrund der finanziellen Probleme der Freizeitabteilung habe die Judo-Abteilung entgegen der ursprünglichen Absprachen 75 Prozent der Hallenkosten der Freizeitabteilung übernommen, um die Abteilung zu entlasten.

Darüber hinaus verweist der Verein darauf, dass die Finanzierungsproblematik nur noch 2014 und 2015 bestünde, da anschließend rund 4000 Euro jährliche Sponsoreneinnahmen aus der Vermarktung der Halle in die Freizeitabteilung fließen würden, wodurch die mittel- und langfristige Finanzierung der Abteilung gesichert sei.

Die Leiter der Freizeitabteilung Dagmar Weber und Herbert Voell, die selbst nicht auf der Jahreshauptversammlung erschienen waren, widersprechen der Darstellung des Vorstandes. Beide waren seit September 2012 Abteilungsleiter. Sie hätten sich frühzeitig um eine „konstruktive Zusammenarbeit“ zwischen der Freizeitabteilung und dem Vorstand bemüht, erklären sie.

So sollten unter anderem die Ausgaben durch eine Kürzung der Übungsleiterentgelte gesenkt werden, auch sollte ein einmalige Sonderbeitrag zur Verbesserung der Finanzsituation erhoben werden Allerdings sei der Vorstand nicht gesprächsbereit gewesen und habe die Bemühungen nicht honoriert.

Umstrittene Halle

Daraufhin habe man die Mitglieder über die schwierige finanzielle Situation informiert – wobei insbesondere der Bau der neuen Halle den Leitern ein Dorn im Auge war. Denn einen Nutzen habe die Freizeitabteilung aus der Halle nie ziehen können, stattdessen entstanden jedoch höhere Kosten. Die Freizeitabteilung sei nie gefragt worden, der Bau gehe auf einen reinen Vorstandsbeschluss zurück. Man hätte die Freizeitabteilung nur an den Kosten beteiligt, nicht aber an den Einnahmen, sagen die Leiter.

Aus Sicht von Weber und Voell habe der Vorstand für die „nicht leistungsorientierte Freizeitabteilung“ in der Vergangenheit wenig Verständnis aufgebracht. So sei auch die Forderung absurd, nach Vorbild der anderen Abteilungen selber Sponsoren zu akquirieren, da die Freizeitabteilung öffentlich gar nicht in Erscheinung trete.

Von dem Angebot des Vorstandes, im Februar ein klärendes Gespräch führen zu wollen, wissen die beiden Leiter bislang nichts. „Wir warten mal ab, ob es wirklich auch so kommt“, ist Weber skeptisch.

Versöhnung kaum denkbar

Eine Versöhnung der beiden Lager scheint momentan ausgeschlossen. Viele abgemeldete Mitglieder haben sich inzwischen der benachbarten Eintracht angeschlossen.

Sie seien der Geringschätzung durch den Hertha-Vorstand „überdrüssig“ gewesen, meint Dagmar Weber. „Gerne hätten wir einer Regelung entgegengesehen – diese ist jedoch mit dem Vorstand nicht zu erzielen gewesen.“

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