Heißer Draht zu den Ampel-Lenkern

Von: Margot Gasper
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Von hier wird der Verkehrsrechner für die gesamte Stadt gesteuert. Suhal Roob kann gleich am Bildschirm erkennen, ob eine Ampelanlage defekt ist. Foto: Harald Krömer

Aachen. Sie hat wahrscheinlich die schönste Telefonnummer der ganzen Stadtverwaltung. Unter 432-1000 erreicht man in Aachen Suhal Roob. Die 35-jährige Bauingenieurin arbeitet beim städtischen Verkehrsmanagement und betreut dort auch die offizielle Ampelhotline.

Seit November 2000 gibt es diesen heißen Draht, eine Kollegin hatte die gute Idee aus Köln mitgebracht. Die Hotline ist ein Stück Bürgerservice, erläutert Roob.

Über die Nummer können die Aachener Ampelstörungen melden, sie können Anregungen geben - oder meckern, wenn kein Vorwärtskommen ist an den Kreuzungen.

„Über die Hotline erhalten wir wertvolle Tipps”, sagt Suhal Roob, „Die Leute bekommen in der Stadt ganz viel mit, und wir können ja nicht überall sein.”

Besucht man die Bauingenieurin in der Verwaltung, kann man in ihrem Büro den Verkehrsrechner bestaunen. Alle 205 Ampelkreuzungen Aachens sind auf einem Stadtplan dargestellt. Am Bildschirm kann Suhal Roob sogar erkennen, welche Ampel gerade wie lange Grün hat.

Und theoretisch könnte sie vom Computer aus die Ampeln am Kaiserplatz ausschalten und mal eben den City-Verkehr zum Zusammenbruch bringen. Macht sie natürlich nicht.

Für jede Ampel der Stadt gibt es ein kleines Bildchen im Verkehrscomputer. Grünes Symbol bedeutet: alles in Ordnung, Ampel läuft.

An zwei Ecken in Aachen knubbeln sich derzeit ein paar lila Symbole. Lila steht für Störung. Diese Störungen sind aber sozusagen hausgemacht, erklärt Suhal Roob. Denn auf dem Boxgraben und auf der Trierer Straße sind größere Bauarbeiten im Gange.

„Und deshalb haben wir dort einige Ampeln deaktiviert.” Zwischendurch läutet das Telefon, und eine Anruferin meldet einen Defekt auf der Turmstraße. An einer Ampel soll das Grünlicht für die Linksabbieger kaputt sein. „Die Kollegin wird sich das heute Nachmittag gleich mal anschauen”, sagt Roob.

Defekte Ampellampen werden in jüngster Zeit wieder häufiger gemeldet, beobachtet die Ingenieurin. Kurz bevor der turnusmäßigen Lampenwechsel fällig ist, gehen erfahrungsgemäß mehr Leuchten kaputt.

An den Ampelanlagen mit dem modernen LED-Leuchten muss aber nur noch alle zehn Jahre ausgewechselt werden. Die Ampeln, die mit den alten 10-Volt-Glühbirnen Rot, Gelb oder Grün anzeigen, ist dagegen jedes Jahr ein Austausch fällig.

In gut acht Jahren an der Ampelhotline hat Suhal Roob eines ganz gewiss gelernt: Allen kann man es nicht recht machen. Der Fußgänger klagt über zu kurze Grünphasen, der Autofahrer meckert, dass er dauernd Rot sieht.

Oft genug können die städtischen Verkehrsmanager aber auch schnell Abhilfe schaffen. Wie bei dem Problem an der Kreuzung Jülicher Straße und Prager Ring: Nach Wartungsarbeiten richtete sich die Ampelanlage nicht mehr nach dem Verkehrsaufkommen.

Da hatte der Techniker wohl einfach vergessen, einen Schalter umzulegen. Die Folge: Stau. „Nach dem Hinweis eines aufmerksamen Autofahrers konnten wir das sofort beheben”, berichtet Roob.

Im Minutentakt

Fällt eine Ampelanlage allerdings komplett aus, dann muss meist ein Firmentechniker raus. Das dauert. Ein Ersatzteil ist auch nicht immer von jetzt auf gleich zu beschaffen. Passiert das Malheur ausgerechnet an einem Knotenpunkt wie Kaiserplatz oder Hansemann, dann läutet das Telefon der Ampelhotline im Minutentakt. „Da muss man oft auch sehr diplomatisch sein”, lacht Suhal Roob.

Die Ampelsteuerung für eine Stadt wie Aachen ist ein ausgeklügeltes System. „Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer und die Leistungsfähigkeit der Anlagen stehen für uns obenan”, erklärt Suhal. „Wenn der Verkehr zügig fließt, ist ja auch die Feinstaubbelastung geringer.”

Deshalb sind die Ampeln rund um den Tivoli anders geschaltet, wenn die Alemannia gespielt hat hat, damit die Fans einigermaßen zügig nach Hause kommen.

Aber wenn morgens im Berufsverkehr auf der Trierer Straße, auf der Debyestraße und von der Autobahn her so richtig was los ist, kann auch die beste Planung Staus nicht immer vermeiden. „Eine Minute hat schließlich nur 60 Sekunden”, sagt Suhal Roob philosophisch.
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