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Heinz Lindgens bremst die Verjüngung der CDU

Von: Gerald Eimer
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Die neue CDU-Spitze in Aachen:
Die neue CDU-Spitze in Aachen: Parteichef Armin Laschet (2.v.l.) eingerahmt von seinen Stellvertretern Maike Schlick und Heinz Lindgens. Rechts: Schatzmeister Arno Gerets. Gewählt wurde auch Rudolf Henke, der jedoch in Südamerika wegen Vulkanasche festhing. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Zu einer weiteren Verjüngung konnte sich die Aachener CDU dann doch nicht durchringen. Mit einer am Ende deutlichen Mehrheit wählten die Mitglieder am späten Montag Abend den CDU-Haudegen Heinz Lindgens in den geschäftsführenden Vorstand.

Mit 76 zu 42 Stimmen setzte sich der 62-jährige in der entscheidenden Stichwahl gegen den knapp 30 Jahre jüngeren Herausforderer Michael Janßen durch.

Gemeinsam mit Maike Schlick und Rudolf Henke wird Lindgens in den kommenden zwei Jahren dem alten und neuen Parteichef Armin Laschet zur Seite stehen. Wichtigste Aufgabe des Gespanns wird es sein, die CDU weiterhin als stärkste politische Kraft in Aachen zu positionieren und auf den Bundestagswahlkampf 2013 vorzubereiten.

Ein Selbstläufer wird das nicht, wie Laschet warnt. Der unangefochtene, aber nicht unumstrittene Parteichef (Wiederwahl ohne Gegenkandidat mit 95 Ja-Stimmen und 30 Nein-Stimmen), blickte in seinem Rechenschaftsbericht auf das Jahr 2009 zurück: „Wir fühlten uns stark und unschlagbar.” Die Aachener Union hat Sabine Verheyen ins EU-Parlament entsenden können, mit Rudolf Henke das Bundestagsdirektmandat geholt, mit Marcel Philipp das Rathaus zurückerobert und die neue Ratsmehrheit mit den Grünen bilden können.

Doch dann ging überraschend die Landtagswahl verloren, was für Laschet nicht nur den Verlust des Ministerpostens bedeutete, sondern weitere schmerzliche parteiinterne Niederlagen nach sich zog. Nicht zuletzt diese Erfahrung lässt Selbstgefälligkeit gar nicht erst aufkommen. „Wir müssen besser erklären, was wir machen”, heißt die Selbsterkenntnis.

Ihn ärgere das „Berliner Wort” von der Alternativlosigkeit. Stattdessen müsse die Partei offener für Diskussionen werden und kritische Mitglieder halten, statt sie abzuwatschen, wie es jüngst dem Euro-Skeptiker Wolfgang Bosbach widerfahren ist. Und vor allem müsse sich die CDU wieder auf die Grundregeln der sozialen Marktwirtschaft besinnen, fordert Laschet. „Das hat uns 60 Jahre lang ausgezeichnet, das ist unsere Idee, und mit der können wir wieder Wahlen gewinnen.”

Der Ruf nach mehr Diskussion und Offenheit in der Partei zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Er schlug sich in den Planungen von Stadtteilkonferenzen und in einem Antrag nieder, wonach die Mitglieder weitergehende Stimmrechte erhalten sollen. Auch die Bewerber um die drei Stellvertreterposten griffen die Forderung auf, wobei einer allerdings nicht vor Ort sein konnte: Rudolf Henke, Teilnehmer der Versammlung des Weltärztebunds in Montevideo, saß in Uruguay fest; Vulkanasche hat seinen Rückflug verzögert.

Gewählt wurde er dennoch gleich im ersten Durchgang mit 69 Stimmen. Stärker war nur Maike Schlick, die auf Anhieb 91 Stimmen erhielt und erstmals im geschäftsführenden Parteivorstand ist. Die 42-Jährige beschreibt sich selbst als Vertreterin der „modernen CDU”, in der „Männer und Frauen gleichberechtigt” die Linie der Partei gestalten.

Im Gerangel um den dritten Posten konnte erst nach zwei weiteren Wahlgängen Überraschungskandidat Lindgens die in den vergangenen zwei Jahren farblos gebliebene Claudia Cormann und die beiden Mitbewerber Michael Kirsch und Michael Janßen hinter sich lassen. Der schon zu Malangrés Zeiten gestählte Fahrensmann traf in einer kurzen Rede die Seele der Delegierten.

Im Januar geht der Personaldezernent der Stadt in den Ruhestand, er habe dann Zeit, der Partei „etwas zurückzugeben” und ihr für das zu danken, was sie ihm ermöglicht habe. Er wolle helfen, „die Stadt fortzuentwickeln”. Und er will den Menschen wieder zuhören und ihre Sprache reden. Sein Eindruck: „Die politische Kaste ist zu verkopft, sie redet zu intellektuell.” Viel Applaus für eine Bestandsaufnahme, die durchaus als Spitze gegen das örtliche Spitzenpersonal verstanden werden kann.

Zwei kriselnde Institutionen

Die beiden großen lokalen Themen, die die Stadt bewegen, sprach Oberbürgermeister Marcel Philipp in einem Grußwort an: Die kriselnden Institutionen Alemannia und Städteregion. Eine schnelle Lösung der Probleme stellte er nicht in Aussicht. Für die von der Pleite bedrohte Alemannia müsse laut Philipp ein „für die gesamte Stadt tragfähiger Weg” gefunden werden, der auch „für andere Vereine plausibel” sein müsse.

Zugleich wolle er mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg das Aachen Gesetz neu ausgestalten. „Sie können von uns erwarten, dass wir sachlich diskutieren und gemeinsame Lösungen finden.” Doch auch dies wurde auf dem Parteitag deutlich: Eine Rückabwicklung der Städteregion ist von der CDU-Basis nicht gewünscht.

Der neue CDU-Kreisvorstand: Vorsitzender Armin Laschet, Stellvertreter Rudolf Henke, Heinz Lindgens und Maike Schlick, Schatzmeister Arno Gerets. Beisitzer: Ahmethicri Agirman, Heiner Berger, Holger Brantin, Maria Drews, Phillip Eischet, Georg Grooten, Michael Janßen, Michael Kirsch, Jutta Lehnen, Eyüp Özgün, Hildegard Pitz, Claudia Plum, Markus Schmidt-Ott, Ulla Thönnissen, Nina Wolff, Felix Vaßen.
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