Heiner Höfken: „Autorität musst Du Dir hart erarbeiten“

Von: Gerald Eimer
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Am Neujahrstag wird er 70: SPD-Fraktionschef Heiner Höfken. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wer ihn sieht, könnte ihn glatt zehn Jahre jünger schätzen: Heiner Höfken, langjähriger SPD-Fraktionschef, wird am Neujahrstag 70 Jahre alt. Das ist ein Alter, in dem man problemlos etwas kürzer treten könnte. Doch Höfken lebt nach der Devise: „Wenn Du auf Trab bleibst, bleibst Du auch relativ jung.“

Und so hat der Brander auch Jahre nach seiner vorzeitigen Pensionierung als Familienrichter noch regelmäßig seine Zehnstundentage. „Es gibt kaum einen Abend, an dem ich zu Hause bin“, sagt er. Last sei das nicht. „So lange ich zu 50,1 Prozent noch Spaß daran habe, so lange mache ich es.“ Sorge, dass er Jüngeren einen Platz wegnimmt, hat er nicht.

Denn die Anwaltskanzlei, für die er seit 2008 tätig ist, hat ihn eigens dafür angeheuert, die Sparte Familienrecht aufzubauen. Und die Ratsfraktion der SPD hat ja ohnehin jederzeit die Chance, einen neuen Vorsitzenden zu wählen.

Doch die Genossen scheinen im Großen und Ganzen mit Höfkens Arbeit über all die Jahre hinweg zufrieden zu sein. Seit Frühjahr 1992 gibt er in der SPD-Fraktion den Ton an. Heute ist er vermutlich der dienstälteste Fraktionschef in einer Großstadt. Eine Gegenkandidatin hat er nur bei seiner ersten Wahl vor knapp zwölf Jahren gehabt, seitdem wurde er stets einstimmig in geheimer Abstimmung wiedergewählt.

„Dabei habe ich einigen bestimmt auch richtig heftig auf die Füße getreten“, sagt er selbst. Zeitweilig galt er als Zuchtmeister der SPD. Oft genug musste er im rot-grün geführten Rat knappe Mehrheiten sicherstellen. „Das geht nicht nur mit Köpfe streicheln“, hat er festgestellt. Um Abweichler einzufangen, galt damals der geflügelte Satz: „Du musst mal wieder mit einem essen gehen.“

Höfken kommt vermutlich das besondere Talent zugute, auch Gegner überzeugen zu können. Er habe zwar „eine scharfe Zunge“, glaubt aber nicht, „jemanden je ernsthaft verletzt zuhaben“. Selbst nach heftigsten Redeschlachten im Rat habe er anschließend „immer noch mit allen ein Bier trinken“ können – auch mit seinen stärksten Widersachern Rolf Einmahl und Harald Baal von der CDU. Immerhin habe er gemeinsam mit Einmahl sogar ein paar Punkte durchsetzen können, die es andernfalls möglicherweise bis heute nicht in Aachen geben würde: etwa die Carolus-Thermen an der Passstraße oder das Porta-Möbelhaus an der Krefelder Straße.

Als „nicht ganz einfach“ galt ausgerechnet Höfkens Verhältnis zum Parteifreund und langjährigen SPD-Oberbürgermeister Jürgen Linden. „Manch ernsthaftes Gespräch“ habe man führen müssen, was allerdings auch der Arbeitsteilung geschuldet war, die zwischen Linden als „Zugpferd“ der SPD und der Fraktion getroffen werden musste: Linden durfte stets die schönen innovativen Ideen vorstellen, die unangenehmen Entscheidungen verkündete hingegen die Ratsfraktion.

Ob Höfken nach der nächsten Kommunalwahl im Mai erneut als Fraktionschef antritt, ist noch offen. „Vielleicht übergangsweise“, sagt er. Michael Servos sollte ihn aus seiner Sicht beerben. Schon mehrfach hat er ihm zuletzt die großen Reden im Rat überlassen. Was er ihm mit auf den Weg geben kann? „Autorität musst Du Dir hart erarbeiten.“ Eine Fraktion sei schließlich ein bunter Haufen.

Seinen runden Geburtstag verbringt Höfken mit seiner Familie, zu der inzwischen auch ein Enkelkind gehört, auf Norderney. Ganz entkommen wird er dem Trubel auch diesmal nicht: Die Fraktion plant noch eine Feier im Januar.

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