Aachen - Heiligabend bleiben die meisten Läden zu

Heiligabend bleiben die meisten Läden zu

Von: Gerald Eimer
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Einkaufen an Heiligabend? Das wird nur in den wenigsten Läden möglich sein - dort kann jeder Kunde allerdings schon jetzt mit langen Schlangen rechnen. Foto: dpa/Steffen

Aachen. Drei Tage am Stück geschlossen – das kommt in der Geschäftswelt auch nur alle paar Jahre vor. Weil Heiligabend in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, werden die meisten Aachener ihren Großeinkauf fürs festliche Weihnachtsessen um einen Tag vorverlegen. Doch es gibt Ausnahmen: Einige wenige Lebensmittelhändler nutzen die gesetzliche Möglichkeit, ihre Geschäfte auch am Sonntag zu öffnen.

Zu ihnen gehört Theo Reinartz, der in Aachen zwei Rewe-Filialen, an der Von-Coels-Straße und an der Lütticher Straße, betreibt. Leicht hat auch er sich mit der Entscheidung nicht getan, denn natürlich kennt er die Debatten um Sonntagsöffnungszeiten, die zu Heiligabend noch ein bisschen mehr Brisanz haben.

Vor allem die Kirchen und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gehören zu den entschiedensten Gegnern des Sonntagsverkaufs. Auch Verkäufer wollen sich doch wie jeder andere auf das Weihnachtsfest vorbereiten und gemeinsam mit ihren Familien feiern, heißt es seitens der Gewerkschaft, deren Vertreter es „zynisch“ finden, in diesem Jahr auch an Heiligabend die Ladentüren öffnen zu wollen.

Reinartz ist hingegen überzeugt, eine verträgliche Lösung für seine Beschäftigten gefunden zu haben. Jeder, der freihaben wollte, sollte auch freibekommen, lautete die Devise. Alle anderen dürfen sich auf eine Sonderzulage, einen freien Tag nach Wahl und einen zusätzlichen Einkaufsgutschein freuen. „Und jetzt müssen wir einigen sogar absagen“, sagt Reinartz. Denn am Ende hätten sich mehr bereiterklärt, an Heiligabend zu arbeiten, als er gebrauchen kann.

Knapp 20 Leute benötigt er, um alle Kassen und Abteilungen in den beiden Filialen zu besetzen – mit ihnen will er nach einem gemeinsamen Frühstück die Läden von 10 bis 14 Uhr öffnen. Für ihn sei das „in erster Linie ein zusätzlicher Service“ für seine Kundschaft, es gehe ihm nicht darum, „noch mehr Umsatz rauszuholen“. Aber viele Menschen hätten zu Hause halt nicht genug Platz, um größere Mengen Fleisch oder Gemüse zu lagern. „Das können sie sich dann bei uns am Sonntag abholen und sich zusätzlich auch mit frischem Brot versorgen.“

So wie Reinartz will es auch Kollege Stenten am Krugenofen halten, der ebenfalls Heiligabend öffnen wird und dabei auf die freiwillige Bereitschaft seiner Angestellten zählen kann. Man muss aber die wenigen geöffneten Geschäfte schon suchen und gezielt ansteuern, wie eine Stichprobe der „Nachrichten“ zweieinhalb Wochen vor den Festtagen zeigt. Denn die allermeisten Lebensmittelhändler haben sich anders entschieden, ihre Läden bleiben Heiligabend geschlossen.

„Wir gönnen unseren Mitarbeitern ein schönes Weihnachtsfest und jagen nicht noch dem letzten Euro hinterher“, sagt etwa Markus Belle­froid, der zwei Edeka-Filialen in Haaren leitet. „Wann gibt es das schon mal“, sagt er zu der Aufeinanderfolge von drei freien Tagen.

„Große Masse ist nicht dabei“

Die großen Ketten wie Aldi und Lidl haben bereits vor längerer Zeit entschieden, die Ladentüren zuzulassen. Edeka, Rewe und Co. überlassen es den selbstständigen Kaufleuten, ob sie öffnen oder nicht. Auf Anfrage teilen die jeweiligen Filialleiter im Hirsch-Center an der Elsassstraße, an der Schillerstraße und auch im Alten Posthof mit, sich gegen die Sonntagsöffnung entschieden zu haben. Auch Real an der Breslauer Straße und die beiden Hit-Märkte der Familie Sütterlin an der Krefelder und der Schurzelter Straße bleiben geschlossen. Öffnen werden allerdings viele Bäckereien und möglicherweise auch einige Fleischereien.

„Die große Masse ist aber nicht dabei“, glaubt auch Verdi-Sekretär Mathias Dopatka. Gerade Heiligabend ist für ihn ein Tag, an dem man Rücksicht auf Verkäufer nehmen und ihnen den freien Tag gönnen sollte. Er empfiehlt daher eine vorausschauende Planung und den Verzicht auf den Sonntagseinkauf.

Mit Sorge blickt er allerdings auf das sogenannte Entfesselungsgesetz der neuen Landesregierung. Es sehe unter anderem vor, den Heiligabend zu einem ganz normalen Arbeitstag zu erklären. Dann könnten die Geschäfte an diesem Tag zukünftig sogar bis Mitternacht geöffnet werden. Für Dopatka belegt das: „Wo CDU und FDP das Sagen haben, sind Arbeitnehmerrechte in Gefahr.“

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