Aachen - Heilig Kreuz: Frickelsarbeit in schwindelnder Höhe

Heilig Kreuz: Frickelsarbeit in schwindelnder Höhe

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Luftiger Arbeitsplatz: Weil rostendes Metall und fauliges Holz große Risiken mit sich bringen, muss am Turm von Heilig Kreuz etwas passieren. Am Samstag wurde nachgeguckt, was Sache ist.

Aachen. Der gewaltige Kran hat seinen Ausleger voll ausgefahren. 55 Meter hoch ist er jetzt. Hoch oben im Korb sitzt Dachdecker Ralf Krings. Aber der ist noch nicht an der Spitze der Heilig-Kreuz-Kirche an der Pontstraße.

Jetzt steigt er aus dem Korb, die letzten acht Meter zum Kreuz klettert er hinauf. Von unten wirkt der Dachdecker wie eine kleine Spielzeugfigur.

Der Grund für die spektakuläre Aktion, für die am vergangenen Samstag die Kreuzherrenstraße gesperrt werden musste, ist der Zustand der kupfernen Kirchturmspitze. In der Kugel unterhalb des Hahns und des Kreuzes hat sich ein Riss gebildet, durch den Wasser in die Dachkonstruktion eindringt. Das bereitete den Verantwortlichen der Gemeinde Heilig Kreuz arge Sorgen.

Denn die 3,50 Meter hohe Spitze ist seit der Fertigstellung der Kirche im Jahr 1902 mit einer Metallbefestigung am hölzernen Dachaufbau angebracht. Korrodierendes Metall und faulendes Holz würden ein zu hohes Risiko darstellen, erklärt Herbert Kinzel, der bei der Pfarre für die Bauaktivitäten zuständig ist, „so langsam kann wirklich Schaden entstehen.”

Jetzt wird´s spannend

Derweil löst Dachdecker Krings die Zinkabdeckungen über der Befestigung des Kreuzes. Jetzt wird es spannend. Holt er das Kreuz alleine runter? Kann er es so lösen, dass es sich umziehen lässt? Oder kann es doch oben bleiben? „Ich bin sehr gespannt, ob das Kreuz ordentlich runterkommt”, sagt Noemi Welter, Architektin beim Bischöflichen Generalvikariat.

Nun müssen die Absperrungen auf Pontstraße und Kreuzherrenstraße penibel eingehalten werden. „Es kann sich auch schon mal eine Schieferplatte lösen”, erklärt Welter. Wenn die aus über 60 Meter herunterfällt, könnte das für Passanten fatale Folgen haben. Gebannt schauen Fußgänger und Experten nach oben. „So eine Kreuzbergung ist schon eine enorm anspruchsvolle Arbeit”, sagt Bauleiter Mathias Paulssen vom Aachener Architekturbüro Paulssen und Schlimm.

Die Bergung der Spitze ist allerdings nicht die einzige Aufgabe für die Handwerker. Auf dem Dach haben sich zahlreiche Schieferplatten gelöst, durch die jüngsten Stürme haben sich die Probleme verschärft. Und auch Kirche selbst, die vor 102 Jahren von Baumeister Buchkremer erbaut wurde, bedarf einer Sanierung. Im Chorraum haben sich Risse im Gewölbe gebildet.

Das Problem: Von außen drückt ein Reiter auf das Gewölbe. Über dem Altar treffen sich Langhaus und Querhaus. Das Gewölbe trägt sich statisch selbst, kann aber kein zusätzliches Gewicht schultern. „Der Reiter gehört dort eigentlich nicht hin”, sagt Welter, „ihn einfach wegzunehmen fände ich aus denkmalpflegerischer Sicht allerdings schwierig”.

Demnächst wird der lange, spitze, schiefergedeckte Reiter komplett mit einem Kran abgenommen. Nach der Sanierung soll er wieder rauf. Die Kosten für die Substanzsanierung könnten sich nach Welters Schätzungen auf rund 350000 Euro belaufen. 60 Prozent der Kosten würde das Bistum tragen, 40 Prozent die Innenstadtgemeinde Franziska von Aachen, der Heilig Kreuz angehört.

Das Kreuz bleibt oben

Derweil lässt der Kranfahrer den Korb mit dem Dachdecker herunter. Der beratschlagt gleich mit Welter und Paulssen, was zu tun ist. Schnell ist klar: Das Kreuz bleibt oben. Die Befestigung ist so gut, dass keine Gefahr besteht, dass das Kreuz abstürzt. Jetzt wird es dort oben in schwindelerregender Höhe aufbereitet.
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