Heftige Tritte verhinderten Sturz auf die Peterstraße

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Wegen der Bombendrohung wurde der Aachener Hansemannplatz weiträumig abgesperrt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Wenn ich gar nichts gemacht hätte, dann würde ich heute hier nicht mehr sitzen”, erklärt Schülerin N. (16) am Montag vor dem Aachen Schwurgericht.

Sie berichtete gefasst und beinahe erwachsen wirkend von ihrem Beinahe-Todeskampf auf dem Balkongeländer im Haus Hansemannplatz 1, den sie mit dem seit dem Vorfall in der Psychiatrie einsitzenden Riadh B. (42) führen musste.

Denn er wollte sie über die Brüstung in die Tiefe stürzen. Dort im 6. Stockwerk hatte N. am 31. August nach 16 Uhr den B., der in der Szene unter dem Spitznamen „Osama” bekannt war, mit ihrer gleichaltrigen Freundin besucht.

Die Mädels kamen öfters in die Wohnung, meist dann, wenn sie keine Lust auf Schule oder nachmittags auf ihre Eltern hatten. An jenem Montag gerieten die beiden in ein Alptraumszenario, das selbst Polizeibeamte nachdrücklich erschütterte, wie jene der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl am Montag als Zeugen berichteten.

Ein Großaufgebot der Polizei hatte die Lage am Hansemannplatz erst nach Stunden beendet, die Peterstraße musste wegen der Bombendrohung von B. gesperrt, das komplette Mietshaus evakuiert werden.

Der Tunesier Riadh B., der aus gutsituierten Verhältnissen stammt und nach einem Studium lange Zeit als Diskjockey durch Europa tingelte, scheint im Sommer unter dem Einfluss von Cannabis deutlichen Verfolgungswahn entwickelt zu haben.

Selbst die jungen Frauen, so dachte er anscheinend, kämen regelmäßig zu ihm, um sein Leben auszuspionieren. Ihm ging es jedenfalls nicht um Sex, bestätigen die Mädchen auf Nachfrage. Was die vier regelmäßigen Besucherinnen des merkwürdigen Bushof-Osama bereits im Vorfeld hätte stutzig machen sollen: Sie musste schon immer bei dem Mann mit dem Turban, den sie im Umfeld des Bushofes kennenlernten, drei Mal klingeln, dies weil er angeblich Angst vor einem Polizeiüberfall hatte.

An dem Montag aber wurde es bitterer Ernst, wie das Hauptopfer N. den Richtern schilderte. Sie waren noch mit zwei weiteren Mädchen verabredet, die kamen aber nicht. Also „rauchten wir eine Zigarette”, nachdem B. sie in die unaufgeräumte Wohnung gelassen hatte, ansonsten war es dort stets eher ordentlich.

N. schilderte den Anfang des Alptraums. B. stürzte plötzlich aus einem Nebenzimmer und forderte sie mit einem langen Küchenmesser in der Hand auf, ins Schlafzimmer zu gehen. Sodann hatte er eine „Bombenidee”: Er drohte den Mädchen, sie alle mit selbstgebastelten Sprengsätzen zu töten und präsentierte vier Attrappen.

Mit Mullbinden gefesselt

Danach brachte er N. urplötzlich einen tiefen Stich ins Knie bei, Blut schoss aus der Wunde. „Er fesselte meine Hände mit Mullbinden, schlug mit einem Gehstock hart auf meinen Kopf und den Rücken ein”, berichtete sie von den Misshandlungen.

Außer sich vor Zorn pfefferte er ihre Handys vom Balkon in die Tiefe. Die schmale, groß gewachsene N. musste blutend auf den Balkon gehen. Dort wollte er ihr eine Tüte über den Kopf stülpen, sie wehrte sich heftig. Ihre Gegenwehr wurde um so heftiger, als er sie über die Brüstung hieven wollte: „Irgendwie habe ich es mit gefesselten Händen geschafft mich festzuhalten und ihn so fest zu treten, dass er hinfiel.”

Das andere Mädchen saß zunächst verschreckt im Nebenzimmer. Aber auch sie wurde wieder aktiv und versuchte Hilfe zu holen, eine Nachbarin kam hinzu, den Mädchen gelang die Flucht.

Doch das „Bombentheater” dauerte noch Stunden, bis ein Sondereinsatzkommando die Sache beendete. „Osama” B. hält sich für völlig gesund und äußerte sich so: „Das war alles nur, um den Mädchen Angst zu machen.” Das Einweisungsverfahren geht an diesem Freitag weiter.
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