Aachen - Hausbesitzer soll das Feuer gelegt haben

Hausbesitzer soll das Feuer gelegt haben

Von: Heiner Hautermans
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Der Gelbe Sack war offenbar gut gefüllt, denn beim Brand im Treppenhaus müssen Temperaturen von mehreren hundert Grad entstanden sein. Sogar Schalter und Steckdosen waren geschmolzen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Also doch! Schon bald nach der aufsehenerregenden Brandstiftung im Gebäudekomplex an der Ecke Hansmannstraße/Karlstraße in Eilendorf kam der Verdacht auf, dass der Hausbesitzer in das Verbrechen verwickelt sein könnte.

Der 43-Jährige, auch von den „Nachrichten” letzte Woche zu den Vorfällen, die die öffentliche Sicherheit bedrohten, befragt, gab sich jedoch abweisend und leugnete sogar, davon zu wissen, dass die Gasanlage im Keller massiv manipuliert worden war: „Da wissen Sie mehr als ich.” Am Donnerstag wurde der Mann verhaftet. Ihm wird unter anderem versuchter Mord in 13 Fällen vorgeworfen.

So viele Menschen waren nämlich in dem aus drei Häusern bestehenden Eckgebäude gemeldet. Diese Straftat wird normalerweise mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft, außerdem wird dem 43-Jährigen besonders schwere Brandstiftung (Mindeststrafe in diesem Fall fünf Jahre), versuchtes Herbeiführen einer Explosion und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den Eigentümer erlassen. Staatsanwalt Dr. Jost Schützeberg: „Der dringende Tatverdacht ist bejaht worden.”

Worauf dieser beruht, teilen die Fahnder noch nicht exakt mit. In der Presseerklärung ist lediglich davon die Rede, dass der dringende Tatverdacht „im Wesentlichen auf der ermittelten Spurenlage beruht”. Und die beweist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft, dass der Mann gegen 3.40 Uhr in der Nacht im Keller des Hauses Hansmannstraße 40 eine Gasleitung anbohrte und dort eine Zündvorrichtung installierte. Wenn sie funktioniert hätte, wäre nach Ansicht von Beobachtern die ganze Straßenecke in die Luft geflogen.

Bei der Vorrichtung handelte es sich nach „Nachrichten”-Informationen um ein Elektrogerät, kombiniert mit einer Zeitschaltuhr und in eine kokelnde Decke gewickelt. Außerdem legte der Hausbesitzer, so der weitere Vorwurf, im zweiten Obergeschoss Feuer. Dort wurde nach Informationen unserer Zeitung ein Gelber Sack entzündet, dessen Brand eine derartige Hitze entwickelte, dass der Putz von den Wänden und Decken platzte und die Plastikschalter schmolzen. Der Rauch war so stark, dass ein 52-Jähriger in einer Dachgeschosswohnung eine lebensgefährliche Rauchvergiftung erlitt. Er konnte einige Tage später aber das Krankenhaus verlassen.

Nach wie vor unbewohnbar

Das schwer beschädigte Haus Hansmannstraße 40 ist nach wie vor unbewohnbar, der entstandene Schaden wurde noch nicht beziffert. Auch die Frage nach dem Beweggrund für die Tat ist noch nicht beantwortet. Staatsanwalt Schützeberg: „Das Motiv ist noch unbekannt. Es kommen alle Motivarten in Betracht.” Im Eiscafé Panorama auf der Ecke ist man da gedanklich schon weiter: „Vielleicht wollte er das Geld von der Versicherung.”

Der 43-Jährige, der in Köln wohnt und derzeit keiner Beschäftigung nachgeht, scheint bei seinen Mietern nicht besonders beliebt gewesen zu sein. Er habe das Anwesen vor etwa zwei Jahren erworben, sich aber nicht sonderlich um die Immobilie gekümmert, etwa um defekte Anlagen oder Reparaturen zerborstener Scheiben. Einige Wohnungen und ein Ladenlokal stehen auch leer: „Er wollte nur die Miete kassieren.” So zeigt sich der Betreiber des Eiscafés nicht verwundert über die Nachricht von der Inhaftierung des Vermieters: „Für mich ist das keine Überraschung.”

Anonymer Brief

Unklar ist bisher, welche Rolle in den Ermittlungen ein anonymer Brief gespielt hat, der am Mittwoch in der Redaktion der „Nachrichten” angekommen war. Einige Tage zuvor war ein Bericht erschienen, in dem davon die Rede war, dass nicht nur Feuer gelegt wurde, sondern die Gasanlage massiv manipuliert worden war. In der anonymen, in schlechtem Deutsch verfassten Zuschrift hieß es unter anderem: „Ich weis nicht was ich habe getan es jetzt 2 wochen .... ich habe den Menschen schlechtes getan in eilendorf ... Ich muss denken immer das Haus und menschen und ich kann nich mehr schlafen ... bitte um entschuldigung.” Die Lokalredaktion hatte die Polizei über das Schreiben informiert.

Die Beamten rückten auch an, alle Personen, die mit dem Brief in Berührung gekommen waren - ein Redakteur und zwei Sekretärinnen und eine Mitarbeiterin der Poststelle - wurden erkennungsdienstlich behandelt, um ihre Fingerabdrücke auszuschließen.

Bisher weiß man aber noch nicht, ob der 43-Jährige den Brief selbst geschrieben habe, sagt Staatsanwalt Schützeberg: „Er ist kein maßgeblicher Baustein der Beweiskette.” Es gebe bislang keinen zweiten Tatverdächtigen.
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