Hauptschule Aretzstraße setzt offensiv auf ihre Stärken

Von: Margot Gasper
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Hier lernen alle in ihrem persönlichen Tempo: Das Lernzentrum ist ein wichtiges Standbein im Förderkonzept der Hauptschule Aretzstraße. Foto: Harald Krömer

Aachen. Sie trägt das Gütesiegel für individuelle Förderung. Sie ist offizielle Stützpunktschule und damit Vorbild für andere Schulen in Sachen Förderung. Sie darf mitmachen beim Projekt „Pro Lesen” - als eine von nur sechs Schulen in NRW. In wenigen Jahren allerdings gibt es die Hauptschule Aretzstraße vielleicht nicht mehr.

Deshalb ist es Schulleiter Manfred Paul und Konrektorin Anna Wahl in diesen Tagen besonders wichtig aufzuzeigen, wie die individuelle Förderung an der Aretzstraße funktioniert - und was womöglich verloren geht, wenn 2010 die vierte Gesamtschule startet und die GHS Aretzstraße dann keine Schüler mehr aufnehmen darf.

Diagnose für jedes Kind

Ob Peter oder Maria, ob Meris oder Ali: Jedes Kind, das neu an die Hauptschule Aretzstraße kommt, erhält eine Einstiegsdiagnostik. „Da schauen wir auf die Defizite, vor allem aber auf die Stärken”, sagt Paul. „Und bei den Stärken setzen wir an.” Wenn Ali gut in Mathe ist, wird er in Mathe besonders gefördert. „Das wirkt Wunder fürs Selbstbewusstsein”, weiß Konrektorin Anna Wahl.

Im Fach Deutsch ist Ali vielleicht nicht so gut. Für Deutsch bekommt er also seinen individuellen Förderplan, zugeschnitten auf sein persönliches Tempo. Vielleicht setzt das Kollegium auch ein Lerngespräch mit Ali an und stellt weitere Weichen - zum Beispiel für tägliche Übungseinheiten im Lernzentrum.

Das Lesen wird gerade in allen Fächern als Schwerpunkt verankert. Arbeit mit dem Wochenplan ist ebenfalls ein wichtiges Standbein in der individuellen Förderung. „Die Kinder müssen lernen, eigenständig zu arbeiten”, sagt Anna Wahl. Und jede Woche kommen Ehrenamtler ins Haus, um mit einzelnen Kindern zu arbeiten. Fazit: Eigentlich hat jedes der 370 Kinder an der Hauptschule Aretzstraße sein ganz eigenes Pensum. „Wir haben alle im Blick”, sagt Anna Wahl.

Für Ali käme dann in Klasse 8 der große Berufseignungstest. Der Junge ist vielleicht in Mathe weiterhin ein Champion, handwerklich aber eher ungeschickt. „Dann würden wir Ali in unsere Schülerfirma aufnehmen”, erklärt der Schulleiter. Da könnte er seine Geschicklichkeit verbessern und Berufsfelder kennenlernen.

Im August soll ein neuer Schulversuch für NRW starten. Hauptschulen können dann die Herkunftssprache der Kinder als offizielle zweite Fremdsprache anbieten. „Das würden wir gerne mit Französisch, Türkisch und Russisch probieren”, kündigt der Schulleiter an.

Demnächst hat er einen Termin in Düsseldorf: Vor der Schulentwicklungskonferenz wird Paul einen Projektantrag im Rahmen der Qualitätsoffensive Hauptschule vorstellen. Die Schule möchte ihre Abschlussstufe künftig in einem flexibleren Kurssystem anbieten, um Schülern den Weg zum mittleren Schulabschluss (Fachoberschulreife) zu erleichtern.

Und aus Sicht des Rektors entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass er in der Landeshauptstadt für ein neues Pilotprojekt wirbt, während seiner Schule in Aachen das mittelfristige Aus angekündigt wird.

Für die drei betroffenen Schulen im Ostviertel - Hauptschule Aretzstraße, Hugo-Junkers-Realschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium - wünschte sich Paul „Zeit, gemeinsam Konzepte zu entwickeln”. Erste Schritte gab es bereits, sogar ein Kooperationsvertrag war schon geplant, um die Übergänge zwischen den Schulformen zu erleichtern. „Eine vierte Gesamtschule ist vielleicht richtig”, sagt Manfred Paul, „aber vielleicht nicht an dieser Stelle”.

Die Lehrerinnen und Lehrer an der Aretzstraße glauben auch keineswegs, dass ihre Hauptschule in der geplanten Gesamtschule aufgehen kann, wie es der Ratsantrag von SPD, Grünen und CDU vorsieht. Sie haben das Beispiel Bonn vor Augen: Als dort eine neue Gesamtschule gegründet wurde, da schaffte es von der Hauptschule, die geschlossen wurde, nur ein einziger Lehrer an die neue Gesamtschule, erzählt Paul. In Aachen, befürchtet er, würde das nicht viel anders laufen.

Die Parteien unterdessen sind von den massiven Protesten von Schülern, Eltern und Lehrern doch sehr überrascht worden. Diese Woche soll es nun Gespräche geben mit den drei betroffenen Schulen.
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