Aachen - Hans Alt ist kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorben

Hans Alt ist kurz vor seinem 90. Geburtstag gestorben

Von: Manfred Kutsch
Letzte Aktualisierung:
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Es war sein legendärer Sketch: „De Keäz” machte Hans Alt berühmt. Nun ist er im Alter von 89 Jahren gestorben. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Aachen trauert um „Mister Öcher Platt”. Hans Alt ist tot. Er ging in Frieden, der Mühsal des Alters und der Schmerzen überdrüssig. „Der Herrgott holt mich einfach nicht ab”, klagte er im Januar, als der Impresario Aachener Stadtkultur aus seiner Wohnung an der Moltkestraße in ein Pflegeheim wechseln musste.

Doch der Mann, der Stalingrad überlebte, hielt eisern an seinem letzten Plan in seinem Leben fest: „Meinen 90. Geburtstag will ich noch feiern.” Der wäre am 18. Juni gewesen. Die Gästeliste hatte der bis zuletzt gewitzt gebliebene Ur-Öcher schon fertiggestellt, die Canapés geordert.

So wird die geplante Laudatio unserer Zeitung zum Nachruf. Auf eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Das langjährige Gründungsmitglied des Mullefluppet-Kuratoriums, gelernter Schreiner, später städtischer Angestellter, wurde 1921 im gleichen Jahr geboren wie das Öcher Schängchen, dem Hans Alt 30 Jahre lang seine unverwechselbare Stimme schenkte. Mit Schlagfertigkeit, Humor und Herz. In rund 3000 Vorstellungen der Stadtpuppenbühne riss er geschätzte 400.000 alte wie junge Besucher zu Beifallsstürmen hin.

Mehr als ein Dialekt

Öcher Platt war für ihn mehr als ein Dialekt, es war sein Lebensgefühl. Ausgezeichnet wurde dies mit dem Thouet-Preis, dem Rheinlandtaler und dem Krüzzbrür-Orden. Viele Jahre fungierte Hans Alt auch als Geschäftsführer des Öcher Platt-Vereins.

Ungezählte Male verzauberte er sein mit Lachtränen kämpfendes Publikum mit dem legendären Sketch „de Keäz”. Ein letztes Mal im März 2008 bei der Mullefluppet-Preisverleihung im Saalbau Rothe Erde, als sich der damals schon schwer kranke Grandseigneur der Aachener Lebensart auf die Bühne quälte und seine letzten Reserven abrief. Gänsehautstimmung im Saal, stehende Ovationen für den Schlusspunkt eines Kultsketches. Jetzt ist „de Keäz” endgültig erloschen.

Hans Alt verkörperte Lebenskunst und Pflichtgefühl, Heiterkeit und Disziplin. Aus seinem Pflegeheim ist zu hören, dass auf seiner Station selten so viel gelacht wurde wie in den letzten drei Monaten. Körperlich schwer beeinträchtigt, fand der Witwer immer noch die Kraft zu Platt-Lesungen in seiner „Herrenrunde”.

Sechs Jahre hat er seine geliebte Ehefrau Carola überlebt, die er bis zu ihrem Tode ebenfalls sechs Jahre rund um die Uhr gepflegt hatte. Sie litt und starb an der „Lichtkrankheit”, die erst durch den Tod von Hannelore Kohl weithin bekannt wurde.

Seine Zeit des Alleinseins und des zunehmenden Leidens wurden ähnlich wie in Kriegstagen zu einem zweiten Überlebenskampf, dem er sich mit Demut und zähem Willen stellte. Der Hilfe seines Schwagers Hans Peters konnte er sich immer gewiss sein.

Einen Wunsch vermochte jedoch selbst der treue Verwandte nicht mehr zu erfüllen. „Bring mir doch morgen mal ´ne Flasche Bier mit”, rief Hans Alt seinem Schwager beim Abschied im Pflegeheim hinterher. Drei Stunden später schlief er für immer ein.
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