Aachen - Handwerk blickt positiv auf 2012

Handwerk blickt positiv auf 2012

Von: Martina Rippholz
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Findet einige lobende, aber au
Findet einige lobende, aber auch viele kritische Wort für die Politik: Kreishandwerksmeister Herbert May (rechts)bei seiner Silvester-Ansprache vor rund 80 Gästen im Restaurant Kommer. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zunächst einmal war es ein durchaus sehr positives Fazit, das Herbert May in die Runde geben konnte. Trotz der Eurokrise, von der das vergangene Jahr so stark geprägt war, blickten ein Großteil der handwerklichen Betriebe in der Städteregion Aachen auf ein durchweg gutes Jahr zurück, erklärte der Kreishandwerksmeister zum Auftakt seiner Rede.

Die Binnennachfrage sei 2011 so zufriedenstellend gewesen, dass „das Handwerk nun den Stand der Vorkrisenzeit im Jahr 2008” erreicht habe.

May und die Kreishandwerkerschaft Aachen hatten am Samstag zum mittlerweile 22. Silvester-Empfang eingeladen. Zum zweiten Mal fand das traditionelle Treffen von zahlreichen Gästen aus Handwerk, Wirtschaft, Banken, Politik und Medien im Restaurant Kommer in Forst statt. Mit seinem Antritt als Nachfolger des langjährigen Kreishandwerkermeisters Hans Winnen vor einem Jahr hatte May den Empfang in das neue „Wohnzimmer Kommer” verlegt. In gemütlicher Runde blickte man dort auf das vergangene Jahr zurück, um danach ein paar Gedanken auf das neue zu richten.

Zu Beginn seiner Rede fand May also einige lobende und anerkennende Wort für die Bundespolitik. Die Konjunkturpakete I und II seien die richtige Antwort auf die Bekämpfung der Finanzkrise von 2008 gewesen. May: „Ich wünsche mir für die aktuelle Krise weitere solche Programme.” Auch die Regelungen der Kurzarbeit hätte vielen Betrieben sehr geholfen. Besonders positiv habe sich der Steuerbonus für Handwerkerleistungen für private Auftraggeber ausgewirkt: „Dies trägt dazu bei, reguläre Arbeit zu schaffen und Schwarzarbeit zu reduzieren.”

Doch Mays Lob hielt nicht lange. Nach seiner Kritik an der Erhöhung der Grundgewerbesteuer („Das verstehe wer will!”) kam der Kreishandwerksmeister auf sein Schwerpunkt-Thema zu sprechen: die Vergabe von öffentlichen Aufträgen. Hier sieht May riesige Probleme für die regionalen Handwerksbetriebe. Immer weniger von ihnen würden den Zuschlag erhalten. Stattdessen würden Billiganbieter bevorzugt, solche, die durch Scheinselbstständigkeit Mindestlöhne unterliefen. May: „Diese Unterwanderung zu bekämpfen, darauf bleibt die Politik eine Antwort schuldig.”

In dem Zusammenhang übte der Kreishandwerksmeister auch harsche Kritik an der letzten Novelle der Handwerksordnung, mit der für 51 Berufe die Meisterpflicht abgeschafft wurde. Nicht mal mehr eine Gesellenprüfung sei verlangt, um sich selbstständig zu machen. Das fördere Betriebe, die lediglich aus einem Alleininhaber bestünden, der keinen Mindestlohn zu zahlen brauche. Zwar sei das billige Angebot auf den ersten Blick verlockend, doch am Schluss stelle sich oft heraus, dass die Qualität solcher Klein-Betriebe ohne Meisterprüfung nicht stimme.

Appelle an Kommunen und Politik

Mays klarer Appell an die Kommunen für das neue Jahr: Sie sollten verstärkt mit Unternehmen vor Ort zusammenarbeiten. Ebenso klare Forderungen für 2012 hat May im Hinblick auf die steuerliche Förderung der energetischen Sanierung, die endlich beschlossen werden müsse. In einer solchen Förderung sieht May entscheidende Impulse für die Bau- und Ausbauhandwerke. May: „In der Städteregion sind allein über Dreiviertel der Häuser älter als 25 Jahre. Der Sanierungsbedarf wird auf 80 000 Gebäude und 200 000 Wohnungen geschätzt.” Der Kreishandwerksmeister sieht daher vonseiten der Politik deutlichen Handlungsbedarf in Sachen Sanierungsanreize.

Doch trotz aller Warnungen, Forderungen und Unsicherheiten - May konnte seine Rede mit einem positiven Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer schließen: „85 Prozent der befragten Betriebe hoffen weiterhin auf eine gute bis befriedigende Geschäftslage.”
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