Aachen - Haarener Mordprozess geht jetzt in die letzte Phase

Haarener Mordprozess geht jetzt in die letzte Phase

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mehr als 20 Verhandlungstage sind inzwischen im Mordprozess gegen den Angeklagten Ali C. (45) ins Land gegangen.

Ali C. soll vor etwa einem Jahr eine 72-jährige Unternehmerin in ihrem Haus in Haaren zunächst mit Pfefferspray angegriffen und dann erdrosselt haben. Er habe Schulden nicht zurückzahlen können oder wollen.

Es berichtete voraussichtlich ein letztes Mal ein Gutachter. Denn das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl peilt für den kommenden Verhandlungstag (11. April, 14 Uhr) das Ende der Beweisaufnahme mit dem dann folgenden Plädoyer des Staatsanwaltes an.

Zuvor aber ging es erneut um die Beschaffenheit eines Pfeffersprays der Schweizer Marke Piexon, das der Beschuldigte gegen die voll im Leben stehende Geschäftsfrau am 12. April im letzten Jahr eingesetzt haben soll.

Die Tote wurde am Folgetag von einer ihrer zwei Töchter tot aufgefunden. Um das Pfefferspray mit dem klingenden Namen „Guardian Angel” ist in diesem Verfahren viel geredet und gemutmaßt worden.

Selbst der Geschäftsführer der Herstellerfirma reiste aus der Schweiz an, beschrieb die Beschaffenheit seines Produktes, das eigentlich vor Straftaten schützen, sie jedoch keinesfalls ermöglichen sollte. Nun kam Physiker Dr. Olaf Günnewig, Mitglied des Dortmunder Analytik-Institutes Fresenius, zum Zuge.

Der Wissenschaftler hatte den Auftrag, mit modernsten Analysemethoden die Beschaffenheit von Spray-Anhaftungen auf dem Pullover sowie der Unterwäsche des Mordopfers zu analysieren. Ziel: Er solle sagen, ob das am Tatort versprühte Pfefferspray ein Piexon-Produkt ist oder nicht.

Denn eine Zeugin hatte berichtet, der Angeklagte habe vor nicht langer Zeit solch eine Pfefferpistole von ihr erworben, ein Mosaik in diesem Indizienprozess, das die Anklage stützen soll.

Was der Wissenschaftler mit genauesten Analysemethoden herausbekam, ist jedoch für den Prozessverlauf wenig zielführend. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es in der Tat ein Piexon-Produkt, was seine Ladung versprühte.

Ob es jedoch dasselbe war, das der Angeklagte in Besitz haben soll, ist nach wie vor nicht sicher. Seine Verteidiger hatten ins Feld geführt, die Anhaftungen auf der Kleidung des Opfers könnten nicht vom Pfefferspray des Mandanten stammen, da sie eine andere Farbe haben als jene Chargen, aus denen das Produkt ihres Schützlings stamme. Ab 2007 hatte Piexon synthetische Farbbeimischungen benutzt, die nicht mehr ausbleichen.

Wie auch immer, die Wahrheitsfindung ist dem Gericht nicht einfacher gemacht geworden.
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