Haarener Gestankrätsel wohl gelöst

Von: Gerald Eimer
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Der Muff, der aus der Tiefe kam: Die Ursache für den Gestank im Aachener Norden scheint gefunden.

Aachen. Ein stark verkeimter Kühlschmierstoff soll für den gammeligen Modergeruch verantwortlich sein, der gut ein Jahr lang in Aachen für erhebliche Belästigungen gesorgt hat. Dies gab am Mittwoch das Presseamt der Stadt bekannt, das sich auf ein Gutachten des auf Umweltanalysen spezialisierten Fresenius-Instituts mit Sitz in Taunusstein bezieht. Den Untersuchungen zufolge wurde das Mittel in der Metallverarbeitung des Aachener Maschinenherstellers Fecken-Kirfel eingesetzt.

Die Verkeimung und die damit verbundene Geruchsbelästigung sei auf eine „Verkettung unglücklicher Umstände” zurückzuführen, teilte die Stadt mit, die von einer Schuldzuweisung absieht.

Unterdessen äußerte die Unternehmensleitung am Mittwoch erhebliche Zweifel an dem Gutachten. Das beanstandete Mittel werde seit Jahrzehnten weltweit in der Produktion verwendet, nie habe es in der Vergangenheit Probleme gegeben. Zugleich verweist Geschäftsführer Volker Schiffer darauf, dass der Gestank bereits seit geraumer Zeit nicht mehr wahrnehmbar sei, obwohl die Firma an ihren Abläufen nichts geändert habe. Schiffer befürchtet, dass die wirkliche Lösung des Gestank-Rätsels noch aussteht.

Der Gutachter Ralph Weyandt spricht hingegen von einer „eindeutig” identifizierten Quelle. Bestätigt werde dies durch zwei Proben, die er im Oktober an einer Maschine entnommen hat und in der sich „eine Vielzahl verschiedener Bakterien und Pilze” befunden hätten. Bei den Zersetzungsprozessen seien die Gerüche freigesetzt worden, die sich an Leder und Kleidung festsetzten.

Vor allem das unregelmäßige Auftreten des Geruchs hatte den Experten große Probleme bei der Ursachensuche bereitet. Zu erklären sei dies laut Weyandt unter mit „mikrobiellen Stoffwechselaktivitäten, durch ständige Verschiebung chemischer Gleichgewichte im Kühlschmierstoff und durch wechselnde mikroklimatische Verhältnisse”. Laut Weyandt sei „die Pflege der Kühlschmierstoffe das A und O”.

Aus Sicht von Elmar Wiezorek, Leiter der Aachener Umweltbehörde, kann nunmehr eine seit gut einem Jahr andauernde Ursachenforschung für beendet erklärt werden. Der entscheidende Tipp kam aus Nürnberg, wo eine städtische Mitarbeiterin durch die überregionale Berichterstattung auf den mysteriösen Geruch in Aachen aufmerksam wurde. Sie erinnerte sich an einen 14 Jahre zurückliegenden Fall, bei dem ebenfalls ein verkeimter Kühlschmierstoff als Ursache für einen modrigen Gestank gefunden wurde. Schon damals kam das Fresenius-Institut einem metallverarbeitenden Autozulieferer als Verursacher auf die Spur.

Wiezorek kündigte an, in anderen metallverarbeitenden Betrieben Aufklärungsarbeit über diese mikrobiellen Prozesse zu leisten, um künftige Belästigungen zu verhindern. Eine Gesundheitsgefahr habe laut Wiezorek durch die Ausdünstungen nicht bestanden.
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