Aachen - Gute Stimmung trotz schwacher Organisation

Gute Stimmung trotz schwacher Organisation

Von: Achim Kaiser und Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Eine Liebeserklärung zum Heim
Eine Liebeserklärung zum Heimauftakt: Die Alemannia-Fans bekennen sich zu ihrer Elf auch in der neuen tieferklassigen Umgebung, der dritten Liga. Fotos (3): Dagmar Meyer Foto: Dagmar Meyer

Aachen. Die Fans feierten den Saisoneinstieg zu Hause in die Dritte Liga, als wäre es die beste Zeit nach einem Aufstieg. Die Mannschaft dankte die neu geborene Euphorie mit einem Sieg, der klarer in Ordnung ging als das Ergebnis von 3:2 für die Alemannia es nach außen hin dokumentiert.

„Klömpchensklub”-Chefin Martina Lenemann hatte bereits vor dem Abpfiff und im Beisein der gesamten Crew festgestellt, dass „die Leute wie vorher zu uns kommen”. Das Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Köln mit mehr als 10.000 Zuschauern habe bereits gezeigt, dass die Fans treu den Neuanfang mitgehen.

Das taten sie, wie Bernd Kals (48) aus Aachen etwa: „Das war geil mit der neuen Mannschaft. Timmy Thiele hat mir super gefallen!” Oder Hubert Kettenis aus Stolberg stellte erfreut fest: „Sie kämpfen, sie rennen wie besessen und bleiben nicht stehen.” Heinz Jansen aus Aachen dagegen meinte, „sie müssen sich noch etwas zusammenfinden, sonst bekommen sie gegen bessere Mannschaften Probleme.” Für Fan Jürgen Ritter ist sogar der „Aufstieg drin” und viele waren so positiv überrascht, dass sie am Freitag gegen Dortmund II wieder auf dem Tivoli sind.

Dann sollte sich die Alemannia-Crew rund um Geschäftsführer Frithjof Kraemer endgültig auf die neuen Bedingungen in der Dritten Liga eingestellt haben. Denn nach dem organisatorischen Warnschuss beim Köln-Spiel lief die Befüllung des Tivoli am Samstag alles andere als rund, da wurde die Lust der Fans an der Alemannia zur Last an den überforderten Kassen. Kraemer hatte vor dem Spiel eine Zahl „zwischen 9000 und 12 000” geschätzt, obwohl bereits am Freitag 9000 Tickets verkauft waren. Es kamen am Samstag 15 500 Besucher, das war „Rekord in der Dritten Liga an diesem Spieltag”, wie Kraemer gestern berichtete.

Doch erneute Wartezeiten (wie gegen Köln) und teilweise gesperrte Zugänge nervten die Besucher erheblich und sorgten für großes Unverständnis über die katastrophale Organisation. Vor allem vor dem Eingang Südwest, dessen verschlossenes Tor A normalerweise Zugang zum Familienblock verschafft, schüttelten zahlreiche Väter und Mütter nur noch die Köpfe. „Hier spart die Alemannia definitiv am falschen Ende”, äußerte sich ein Vater. Er musste sich in eine lange Schlange mit den Stehplatzbesuchern des S-Blocks einreihen, und gelangte erst kurz vor dem Anpfiff mit seinem Dreijährigen auf die Sitzplätze. Nicht nachvollziehbar: Alemannias Geschäftsführer erfuhr von der Sperrung der Zugänge Südwest und Südost (jeweils A für die Sitzplatztribüne) gestern von den „Nachrichten”, er wusste nichts davon.

Für die langen Wartezeiten am stadtseitigen Zugang zur Stehtribüne, dem Tor Südost, hatte Kraemer immerhin eine Erklärung parat: „Wir haben es hier anders als in der 2. Liga mit viel mehr Kurzentschlossenen zu tun”. In der letzten Spielzeit seien dies höchstens „zwei- bis zweieinhalbtausend Besucher” pro Spiel gewesen. Am Samstag standen aber mehr als viertausend Kurzentschlossene vor den Kassen.

„Da wird wahrscheinlich nur helfen, ausschließlich sogenannte Schnellkassen einzurichten”. Beim vereinfachten System der Schnellkassen gibt es dann nicht mehr das volle Programm von Platzwahlmöglichkeiten, so gehe die Sache erheblich schneller, meinte Kraemer.

Weiteren Ärger löste auch eine sichtlich nicht konsequent durchgezogene Schirm-Einsammelaktion am Eingang „O5” und „O6” aus. Manche Besucher mussten beim Eintritt in den Südost-Eingang ihre Schirme abgeben, andere nicht. Dabei waren es nach Betroffenenaussagen nicht alleine eventuell als gefährliche Waffen einzustufende Damen-Stockschirme, sondern es kamen auch eher gutmütige Taschenknirpse in Sicherungsverwahrung.

Das Dilemma dabei: Nach Spielschluss lagen die eingesammelten Schirme nummeriert aber ungeordnet in einem Schrank, die Ausgabe dauerte länger als die Warteschlange vor Spielbeginn. Im als Regenloch bekannten Aachen, das sollten vielleicht auch die Mitarbeiter des neuen Sicherheitsdienstes und gleichzeitigen Hauptsponsors aus Köln berücksichtigen, gehören die Schirme beinahe zur Babyausstattung der Öcher.

Noch übertüncht die sportliche Aufbruchstimmung die eklatanten organisatorischen Mängel...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert