Aachen - Gutachterwillkür? Koch soll weiter in der JVA brutzeln

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Gutachterwillkür? Koch soll weiter in der JVA brutzeln

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Kocht er etwa zu gut? Gewerkschafter und Kollege vom Fach, Ex-Küchenmeister Manfred Engelhardt, stellte sich die Frage im Fall des in Sicherungsverwahrung einsitzenden Gefangenen Hans-Werner J..

Wie die „Nachrichten” bereits 2008 berichteten, sitzt der Koch mit Berufspraxis in edlen Sterne-Häusern immer noch ein, obwohl Gutachter und Strafvollstreckungskammer den 59-Jährigen eigentlich gerne in Freiheit entlassen würden.

Für diesen Fall hatte Engelhardt bereits im letzten Jahr drei Stellen klar gemacht, damit der momentan in der Küche der Soerser Haftanstalt brutzelnde J. endlich wieder selbst seinen Unterhalt verdienen könne. Denn der Sicherungsverwahrte ist, empören sich Engelhardt und Rechtsanwältin Martina Nadenau gleichermaßen, beileibe kein Vergewaltiger, Kindesmissbraucher oder gar Serienmörder.

Doch J. war immer „nur” mit Betrügereien oder Diebstählen beschäftigt, der gelernte Koch nahm es nicht so ernst mit den bürgerlichen Werten. Dazu kam wiederholtes Fahren ohne Führerschein, selbst bei seinen Freigängen wurde er aus dem Auto gefischt. Doch Gewalt war nicht seine Sache. Nadenau: „Mir sind einige Vergewaltiger bekannt, die jetzt auf ihre Entlassung warten. Mein Mandant hat nichtsdergleichen getan.”

Verwahrung für Hangtäter

Nadenau beklagt die um sich greifende Praxis, die einst auf zehn Jahre begrenzte Sicherungsverwahrung für Hangtäter in Deutschland immer öfter auf Kriminelle der leichteren Sorte anzuwenden, Nadenau: „Das war für Sexualtäter und Mörder gedacht.” Jetzt hofft man auf eine neuerliche Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, der erneut die deutsche Gerichtspraxis ins Visier nimmt.

Im Fall des Kochs, der in der JVA einen Bombenjob hinlegt (Engelhardt: „Einen Küchenmeister von dieser Qualität können die gar nicht bezahlen!”), gibt es aber aktuell arge Komplikationen. Es war Mitte 2009 quasi nur Formsache bis zur Entlassung nach mehr als 15 Jahren Haft, es musst „nur noch” ein Gutachten eingeholt werden.

Der vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachter aus Nettetal am Niederrhein ließ sich verdammt viel Zeit, vom Frühjahr 2009 bis zum September fand er keine Zeit. Als die Presse eingeschaltet wurde, ging es schnell, aber die Sache dann sichtlich zu Ungunsten des aufmüpfigen Strafgefangenen aus. Denn der ehemalige Chefarzt der Psychiatrie in Viersen schrieb den „geläuterten und absolut arbeitswilligen” (Engelhardt) Gefangenen in einem 80-seitigen Standardgutachten (Engelhardt: „Ein Schlechtachten”) dermaßen in Grund und Boden, dass der Betreffende sich kaum wiedererkannte und die Strafvollstreckungskammer sich wohl die Augen reiben wird.

Stellen besorgen

Der Mann sei „therapieresistent”, hieß es dort, dies obgleich der Probant ausdrücklich von einem früheren Gutachter eine gute Sozialprognose bescheinigt bekam, auch einige Ausführungen waren absolut erfolgreich für J. verlaufen. Die Anwältin und der Kollege Engelhardt waren sich einig: „Hier wird etwas völlig verfälscht. Das Gutachten liest sich, als wären vorgefertigte Textbausteine willkürlich zusammengefügt worden.”

Die Anwältin wird bei der kommenden Anhörung Gutachter Dr. A. und sein Gutachten ablehnen, kündigte Nadenau an.

Für den Gewerkschafter ist das alles einfach „pure Verschwendung von Steuergeldern.” Jetzt könne er nicht mehr so schnell Stellen besorgen wie damals. Da hätte der Gefangene J. sofort in Düsseldorf oder auch in Aachen anfangen können - jetzt kommt statt Haute Cuisine Kartoffelpüree mit Sauerkraut auf den Tisch.

Sollte sich im Fall J. nichts tun, kündigt Engelhardt eine private Demo an: „Ich fahre dann zur Praxis dieses Herrn und werde dort gegen die Gutachterwillkür demonstrieren!”
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