Gut Kullen: Kinder übernehmen als kleine Manager Verantwortung

Von: Nils Heinichen
Letzte Aktualisierung:
4882771.jpg
Gute Laune: In der Offenen Tür Gut Kullen am Philip-Neri-Weg können die Kinder mit verschiedenen Instrumenten Musik machen. Fotos (2): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger

Aachen. Isabel geht schon lange in die Offene Tür (OT) Gut Kullen. Wie mit ihr auch rund 250 andere Kinder im Alter von sechs bis 27 Jahren besucht sie regelmäßig die Einrichtung der evangelischen Kirchengemeinde im Westen Aachens. Doch Isabel kommt nicht nur einfach zum Zeitvertreib in die OT, sondern auch, weil sie eine Aufgabe hat.

„Ich bin Managerin des Kinderraums“, sagt sie stolz. Als Kindermanagerin hat sie die Aufgabe, den Kinderraum ordentlich und sauber zu halten und ihn toll zu gestalten. „Gerade das Dekorieren macht mir unheimlich viel Spaß“, erzählt die Zwölfjährige. Für den Leiter der OT Gut Kullen, Uli Grande, ist das eine der großen Besonderheiten der Einrichtung. „Die Kinder lernen dadurch bereits früh, Verantwortung zu übernehmen. Das ist sehr wichtig“, schildert er.

Isabel ist nicht das einzige Kind, das einen Managerposten innehat. So befinden sich unter den rund zehn Managerposten unter anderem auch ein Lego- und Automanager, ein Billardmanager und mehrere Mädchenraum- sowie Jungenraummanager. Ausgestattet mit eigenen Ausweisen, werden sie schon von weitem erkannt und fungieren als erste Ansprechpartner für andere Kinder. „Sie entlasten uns durch ihre Tätigkeiten natürlich auch“, schätzt Uli Grande die Arbeit der Kinder.

Auch Gleb, der den Jungenraum beaufsichtigt, findet die Idee klasse. „Ich mache das schon seit ungefähr einem Jahr. Es macht mir viel Spaß und es gibt nie Streit“, berichtet der Zwölfjährige von seiner Arbeit.

Vor einigen Jahren entschlossen sich die Mitarbeiter dazu, einen Mädchen- und Jungenraum einzurichten. „Der Gender-Ansatz spielt bei uns inzwischen eine große Rolle. So können wir den besonderen Bedürfnissen der beiden Geschlechter gerecht werden“, erklärt Grande. Allerdings heißt das nicht, dass sich Jungs und Mädels untereinander nicht verstehen. „Wir sind eine große Familie. Ich arbeite nun seit 21 Jahren hier. Noch nie gab es so etwas wie eine Schlägerei oder großen Streit“, sagt Grande.

So wird die Zeit in der Offenen Tür stets friedlich zusammen verbracht. Ob beim gemeinsamen Kochen, Tischtennis oder im Sommer beim Fußball oder Badminton. Dazu gesellen sich zahlreiche Projekte wie zum Beispiel ein Umwelt- oder ein Modellflugzeugbau-Projekt, das bald mit einer Exkursion zum Flugplatz in Merzbrück endet. Die Teilnehmer des Umweltprojektes haben sogar ein eigenes Brettspiel entwickelt, das sogar auf den Markt kommen soll. „Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit hier“, ist Grande von den vielen Facetten seiner Einrichtung begeistert.

Etabliert hat sich auch die Idee „Job für Bildung“. Hier können Kinder kostenlosen Gitarrenunterricht bekommen, wenn sie als Gegenleistung kleinere Tätigkeiten im Haus erledigen. „Ich räume manchmal die Spülmaschine ein und aus oder putze den Kühlschrank. Dafür kriege ich einmal in der Woche 30 Minuten lang Gitarrenunterricht“, sagt Nicole, die jeden Mittwoch von einem Gitarrenlehrer unterrichtet wird. „Die Kinder können aber auch nur zum Üben hierhin kommen. Es hat ja nicht jedes Kind eine Gitarre oder auch ein Schlagzeug. Hier können sie unsere Instrumente nutzen“, erklärt Grande.

Helfende Hände

Das breite, vielschichtige Angebot der Offenen Tür ist jedoch nur durch das große Engagement vieler helfender Hände möglich, betonen Uli Grande und auch Mitarbeiterin Annette Abt. „Wir haben nur drei Vollzeitkräfte. Wir profitieren enorm von vielen ehrenamtlichen Helfern“, sagt die Erzieherin. Rund 30 Ehrenamtler unterstützen die Arbeit in der OT tatkräftig. Hinzu kommen viele Helfer, die jünger sind als 16 Jahre und auf die ehrenamtliche Arbeit vorbereitet werden. „Für mich ist das ein guter Ausgleich zur Schule. Es ist super hier. Ich helfe bei Ferienspielen, beim Kochen, aber auch, wenn Kinder Probleme haben und sie ein offenes Ohr brauchen“, erzählt der 16-jährige Jan.

„Es ist schwierig, so eine Arbeit zu bemessen. Für viele Kinder ist die OT aber wie ein zweites Zuhause. Sie nehmen das Haus so, wie es ist. Es gibt weder Sachbeschädigungen noch Streit oder den Anspruch, immer etwas Neues haben zu wollen. Das ist klasse und zeigt uns, dass die Kinder gerne hierher kommen“, resümiert der glückliche Leiter Uli Grande.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert