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Grüne wollen einen Raum für obdachlose Alkoholiker

Von: Gerald Eimer
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Aachen. Die Grünen machen sich für die Einrichtung eines Raums stark, in dem sich obdachlose Alkoholiker zwanglos aufhalten können. Ziel ist es, den Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen, in Parks, vor Geschäftseingängen oder an Bushaltestellen einzudämmen.

Vor allem in der wärmeren Jahreszeit versammeln sich auch Obdachlose in der Innenstadt gerne in größeren Gruppen, um gemeinsam zu trinken. Dies führt regelmäßig zu Beschwerden, weil sich Anwohner, Spaziergänger oder Geschäftsleute durch Lärm und Müll belästigt fühlen und nicht selten auch verängstigt sind.

Polizei und Ordnungskräfte haben jedoch nur begrenzte Möglichkeiten einzuschreiten, sagt Grünen-Sozialpolitikerin Lisa Lassay. Alkoholkonsum ist kein Vergehen und Platzverweise würden allenfalls das Problem verlagern.

So hat sie nach anderen Lösungen gesucht und ist unter anderem in Kiel und Dortmund fündig geworden: In beiden Städten sind vor einigen Jahren Aufenthaltsorte geschaffen worden, in denen sich Obdachlose treffen können und selbst mitgebrachten Alkohol trinken dürfen. Der Erfolg sei beachtlich, meint Lassay. Zwar können auch solche Treffpunkte nicht alle Probleme lösen, aber immerhin doch entschärfen.

Die Lebensweise wird akzeptiert

Es handelt sich um sogenannte niedrigschwellige Angebote, bei denen Beratung und Hilfe zwar möglich ist, aber nicht im Mittelpunkt steht und schon gar nicht verpflichtend ist. „Dort soll nicht der Lebensstil der Menschen geändert werden“, sagt Lassay. Die Alkoholkrankheit werde „akzeptiert“. In Kiel habe man beispielsweise eine alte Kneipe umgebaut, in der nun ein Sozialarbeiter tätig ist und auf die Einhaltung „klarer Regeln“ achtet: Es darf kein hochprozentiger Alkohol getrunken werden, illegale Drogen sind tabu, Minderjährige haben keinen Zutritt und wer Unruhe stiftet oder Randale macht, fliegt raus.

Damit sich die Obdachlosen dort gerne aufhalten, soll ein gewisses Maß an Unterhaltung und Freizeitgestaltung angeboten werden – etwa durch Fernseher oder Kicker. Denkbar ist es zudem, nichtalkoholische Getränke und Snacks anzubieten. Zudem könnte es ärztliche Sprechstunden oder andere Beratungsangebote geben, die aber nicht verpflichtend sein dürften.

Lassay weiß, dass solch niedrigschwellige Hilfsangebote umstritten sind. „Aber sie sind bedenkenswert“, ist sie überzeugt. In Kiel und Dortmund habe man „positive und ermutigende Erfahrungen“ sammeln können. Zwischen 40 und 70 Besucher würden dort täglich gezählt, alleine im ersten Jahr seien zudem rund 40 Menschen in weitere Maßnahmen vermittelt worden. Das Konzept trage nur für Alkoholkranke, nicht jedoch für Drogenabhängige, betont Lassay.

Per Ratsantrag soll die Verwaltung nun beauftragt werden, den passenden Raum und einen möglichen Betreiber zu finden. An der Peripherie habe eine solche Einrichtung keinen Zweck, sagt Lassay. „Sie muss dahin, wo sich die Menschen aufhalten.“

Dass Nachbarn von einem Obdachlosentreff nicht gerade begeistert sein werden, ahnen auch die Grünen. „Die Angst war auch in anderen Städten groß“, sagt Lassay. „Aber das hat sich nicht bestätigt. Es gibt keine Beschwerden.“

Nicht zum Nulltarif

Um so gewichtiger seien die Vorteile für die eigentliche Zielgruppe, aber auch für Passanten und Geschäftsleute. Zum Nulltarif könne es einen Aufenthaltsort für obdachlose Alkoholiker freilich nicht geben. Rund 100 000 Euro jährlich müssten wohl auch in Aachen einkalkuliert werden. Die Zielgruppe, die die Grünen damit im Blick haben, wird in Aachen derzeit auf rund 100 bis 200 Personen geschätzt.

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