Grüne suchen für freie Kultur Perspektiven

Von: Werner Breuer
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Eingang des Anstoßes: Dass die Politik viel Geld für ein neues Entree des Ludwig-Forums ausgeben will, hat in der freien Kulturszene Diskussionen ausgelöst. Diese wollen die Grünen nun aufgreifen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Grollen in der freien Kulturszene war unüberhörbar. Erst hatte sie schwer daran zu schlucken, dass die Politik sich für einen Umabu des Eingangsbereichs im Ludwig-Forum aussprach, der knapp so viel kosten könnte, wie die Stadt jährlich für die freie Kultur springen lässt.

Und dann verstimmte sie Kulturdezernent Wolfgang Rombey auch noch mit dem Verweis darauf, dass die Stadt sich halt vorrangig um ihre eigenen Einrichtungen kümmern müsste.

„Die freie Kultur spielt eine zentrale Rolle und ist aus der Stadt nicht mehr wegzudenken“, sagt nun Grünen-Ratsherr und Kulturpolitiker Hermann Josef Pilgram. Das klingt schonmal wohltuend für die Betroffenen, macht aber noch nicht wirklich satt. Dafür müsste auch mal über Geld geredet werden – und das wollen die Grünen nun anleiern.

In einem Ratsantrag –dem ersten als Single, nachdem die schwarz-grüne Beziehungskiste letzte Woche zu Bruch gegangen war – fordert die Fraktion einen „Workshop zu Situation und Perspektiven der freien Kultur“ in Aachen.

„Es besteht ein Bedürfnis nach Dialog“, hat Pilgram bemerkt, „und das wollen wir aufgreifen. Zu bereden wäre etwa die Frage, wie viel die Szene der Stadt wert ist. Derzeit sind es 350000 Euro, mit denen freie Theater, Musikinitiativen oder andere Projekte bezuschusst werden. „Aachen gibt viel“, findet Kulturpolitiker Pilgram, „aber andere Städte geben noch mehr.“ Er verweist das auf das Beispiel Leipzig, wo fünf Prozent des Kulturetats unter den Freien verteilt würden.

Weniger als ein Prozent des Etats

Bei dieser Zahl würden die unabhängigen Kulturschaffeneden im Westzipfel wohl die Sektkorken knallen lassen. Nicht einmal ein Prozent der Gesamtzuschüsse im Kulturbereich kriegen sie ab, Von den insgesamt 38,5 Millionen Euro geht das Meiste für das Theater, den städtischen Kulturbetrieb oder die Volkshochschule weg. Seit vielen Jahren seien die Zuschüsse für die freie Kultur nicht erhöht worden, weiß Hermann Josef Pilgram, obwohl auch für Musiker und Schauspieler der Sprit teurer wird. „Wir meinen, dass der Anteil erhöht werden sollte“, sagt der Grünen-Kulturpolitiker jetzt.

Woher aber soll das Geld kommen? Dass selbst bei intensiver Suche nach Sponsoren die Bäume nicht in den Himmel wachsen, weiß auch Pilgram. Er räumt auch ein, dass die Politik sich bislang schwertat mit einer „leichten Umverteilung“ der Mittel. „Aber eine Erhöhung ist oft nur möglich auf Kosten anderer“, so Pilgram.

Auch auf Kosten des Ludwig-Forums? Beschlossen sei erst einmal nur eine Planung für den neuen Eingangsbereich, erklärt der Kulturpolitiker. Wenn die vorliege, müsse über die kosten noch einmal diskutiert werden.

Einen Tag lang

Das wäre dann aber Sache der Kulturpolitiker, beim nun vorgeschlagenen Workshop ginge es um andere Themen. Pilgram stellt sich vor, dass der „überschaubare Kreis“ der bisherigen Zuschussempänger einen Tag lang („müsste reichen“) die Köpfe zusammensteckt, um unter externer Moderation („müsste finanziell möglich sein“) die aktuelle Situation anlaysiert und Perspektiven entwickelt.

Hermann Josef Pilgram ist durchaus optmistisch: Man habe immer Finanzierungsmöglichkeiten gefunden, „warum sollten wir nicht für die freie Kultur etwas finden?“

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