Grüne, Linke und FDP wollen Schützen aus dem Schulkeller verbannen

Von: Werner Breuer
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Aachen. Ein Schießstand in der Schule? Gerade nach dem Amoklauf von Winnenden finden viele diese Vorstellung nicht gerade erbaulich.

NRW-Schulministerin Barbara Sommer hält es politisch nicht für „wünschenswert”, dass die Anlagen von Schützenvereinen oder Sportschützen in Schulgebäuden untergebracht sind.

Dennoch wird mancherorts nach Unterrichtsschluss dort geschossen. Auch in Aachen ist der Keller der Gemeinschaftsgrundschule Schönforst am Schwalbenweg an Schützen vermietet.

Der Raum sei entsprechend verschlossen und für die Schule nicht zugänglich, erklärt das städtische Presseamt.

Mit polizeilichem Segen

Geschossen wird dort mit polizeilichem Segen. „Der Pachtvertrag ist zwar Sache der Stadt”, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen, „aber wir überprüfen, ob das Schießen dort gefahrlos betrieben werden kann.”

Dafür müssten neben baulichen Voraussetzungen auch Auflagen bei der Aufbewahrung der Waffen erfüllt werden. Die seien allerdings nicht so streng, da nur mit Luftdruckgewehren oder -pistolen auf Scheiben geschossen werde.

Die könne man nicht vergleichen mit großkalibrigen Waffen, meint Kemen, „das ist ein gewaltiger Unterschied”. Die Luftdruckwaffen seien nicht so gefährlich.

Dennoch hält der Sprecher der Linken im Stadtrat, Horst Schnitzler, die Schießerei im Schulkeller für „völlig bescheuert”. Ohnehin fällt es dem „überzeugten Kriegsdienstverweigerer” schwer, Schießen als Sport zu betrachten.

„Schießstände gehören nicht an Schulen”, meint Schnitzler und fordert einen entsprechenden Grundsatzbeschluss des Rates. Für den betroffenen Verein ließe sich sicher eine Alternative zum Keller am Schwalbenweg finden.

Rückendeckung bekommt der Linke von FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg, der vom Schützenwesen im Schulkeller ebenfalls nicht viel hält. „Schießstände haben in Gebäuden, in denen Kinder ein und aus gehen, nichts zu suchen.”

Gerade vor dem Hintergrund der „jüngsten Ereignisse an Schulen” sollte sich doch für die Schützen eine andere Lösung finden lassen. Dem Wunsch der CDU-Schulministerin kann sich der Liberale „nur anschließen”.

Das möchte ihr christdemokratischer Parteifreund Harald Baal eher nicht. Der Aachener CDU-Fraktionschef sieht „keinen Zusammenhang mit der Schule, wenn außerhalb der Schulzeit in einem abgeschlossenen Kellerraum geschossen wird”.

Zudem warnt Baal davor, „alles über einen Kamm zu scheren”. Das Gefahrenpotenzial von Luftdruckwaffen sei deutlich geringer, zudem werde in Schützenvereinen aufopferungsvolle Jugendarbeit betrieben.

„Das ist Kulturgut”

„Das ist Kulturgut”, stimmt ihm Sozialdemokrat Heiner Höfken zu. Der Fraktionschef hält nichts davon, „jetzt das Kind mit dem Bade auszuschütten” und Schützen generell mit Argwohn zu betrachten.

Natürlich müsse sichergestellt sein, dass kein Unbefugter Zugang zu den Waffen hat. „Es ist ja auch nichts dagegen zu sagen, dass Schüler in einen Schützenverein gehen.”

Grünen-Sprecherin Sabine Göddenhenrich sieht es etwas anders. „Waffen gehören nicht in Kinderhände”, meint sie, „und Schießstände nicht in Grundschulen”.

Schließlich würden Kinder die Schule auch immer als „ihren Ort” empfinden, der Schießstand im Keller passe da einfach nicht. Sie plädiert dafür, „gemeinsam mit den Schützen” eine andere Lösung zu finden.
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