Grüne informieren über das belgische Atomkraftwerk Tihange

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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Bei der Diskussion über einen europäischen Atomausstieg blieben Jörg Schnellenberg, Karl-Heinz Braun, Rebecca Harms, Oliver Krischer, Andreas Mittelstädt und Bettina Herlitzius (v.l.) beinahe unter sich. Nur 30 Interessierte fanden den Weg zum Kukuk. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Man blieb unter sich – nur etwa 30 Leute, meist Grüne und ausgewiesene Atomkraftgegner – nahmen Platz auf der Terrasse des Kulturzentrums Kukuk am Grenzübergang Köpfchen. Prominenz hatten die Aachener Grünen aufgefahren mit Rebecca Harms, ihrer Fraktionsvorsitzenden im Europa-Parlament.

Sie tourt derzeit durch die deutsch-belgischen, deutsch-tschechischen und deutsch-französischen Grenzregionen, in denen ausländische Atomkraftwerke für Widerstand in der Bevölkerung sorgen. Sie will den Atomausstiegsbeschluss europäisch verankern und eine europaweite Anti-Atom-Politik durchsetzen.

Nur etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt liegt das belgische Atomkraftwerk Tihange, dessen Reaktor 2 nach Darstellung der Grünen mit tausenden von Rissen durchzogen ist. Obwohl er im vergangenen Herbst abgeschaltet wurde, durfte er in diesem Frühjahr wieder ans Netz – mit den Rissen und einem undichten Abklingbecken, erklärte Jörg Schellenberg von der Bürgerinitiative „Atomkraft Nein Danke“.

Nach seiner Information hat die belgische Sicherheitskommission den Reaktor begutachtet und auch eine internationale Expertenkommission um Rat gebeten. Es habe aber nur Entwarnung gegeben, da keine kritischen Kräfte beteiligt worden seien – sehr zur Freude des Betreibers.

Der Energiekonzern Electrabel soll mit dem zeitweisen Stillstand von Tihange 2 und dem Partner-Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen einen Verlust von rund 350 Millionen Euro gemacht haben. Nun bringe der Atomstrom von der Maas wieder Geld ein.

Angesichts der vielen unklaren Informationen des Betreibers hat die Bürgerinitiative juristische Wege beschritten. Sie arbeitet mit belgischen Anwälten zusammen und versucht, genaue Daten zu erhalten. Karl-Heinz Braun, belgischer Ecolo-Abgeordneter im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft, berichtete von einer unkritischen Atom-Tradition in Belgien wie in Frankreich.

Kaum hinterfragt seien die sieben belgischen Reaktoren, und der Beitrag der erneuerbaren Energien läge gerade einmal bei etwa acht Prozent im Gegensatz zu etwa 25 Prozent in Deutschland.

Oliver Krischer, Dürener Abgeordneter der Grünen im Bundestag, verweist auf den deutschen Atom-Ausstiegsbeschluss aus dem Jahre 2011, der nach der Katastrophe von Fukushima möglich geworden war. Acht der 15 Atomkraftwerke wurden sofort abgeschaltet, sieben sollen nach und nach bis zum Jahr 2022 vom Netz gehen.

Doch die beschworene Energiewende kommt Grünen, Atomkraftgegnern und Klimaschützern nicht konsequent genug daher. Zum einen kümmere sich die Bundesregierung nicht um die Problematik der grenznahen belgischen Atomanlage zwischen Lüttich und Aachen, zum anderen scheinen ihr die 25 Prozent erneuerbaren Energien zu reichen.

„Meine These ist, dass die Bundesregierung die Energiewende gar nicht richtig will“, formuliert der Grüne. Zudem ist Merkels Mann in Brüssel, Günther Oettinger, kein Freund erneuerbarer Energien und des Emissionshandels, der weltweit das Klima verbessern könnte.

Langer politischer Atem ist gefragt für einen gesamteuropäischen Atomausstieg, andererseits könnte ein Regierungswechsel mit grüner Beteiligung nach der Wahl am 22. September ein Schritt in Richtung Sicherheit und Klimaschutz sein. Protestaktionen vor der Wahl sind nicht vorgesehen in Aachen.

Nur eine deutsch-belgisch-niederländische Fahrraddemo wie in Atomkraftgegner-Anfangszeiten soll es geben am kommenden Samstag, die Uhrzeit und der Ort stehen noch nicht fest.

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