Grotesker Tanz um Döblins Butterblume

Von: Grit Schorn
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Stadtmenschen in der Natur: Was da passieren kann, zeigen (vorne v.l.) Birgit Jansen und Mona Creutzer sowie (hinten v.l.) Anton Schieffer und Jochen Deuticke vom Theater K.

Aachen. Theater K zeigt am Sonntag die frühsommerliche Produktion „Spaziergänger – Stadtmenschen und ihr seltsames Gebaren an Freiluft und im Grünen“. Falls Petrus ein Einsehen hat, wird es ein Open-Air-Vergnügen auf dem Lousberg werden, mit luftiger Kleidung, Proviant und kuscheligen Decken samt Klappstühlen. Aber ebenso können auch aufblasbare Kissen mitgebracht werden…

Wenn das schöne Vorhaben aber durch Nässe und Kälte ins Wasser fällt, gibt es den theatralen Plan B: Die Besucher können dann im in der Bastei Platz nehmen. Schöner wär‘s natürlich im Freien, das ist schon beim Pressegespräch zu merken. Denn der Spiel-Platz hinter den Säulen gefällt durch bewaldete Schönheit und einen Hang, der in der Aufführung eine wichtige Rolle spielt.

Mona Creutzer, die alle Frauenrollen spielt (bis auf eine Geisa), zittert sich warm im hauchzarten rosaroten Gewand und mit Blüten im Haar. Und die zwei Herren, sehr städtisch und elegant angezogen, kreisen im Grünen, schwenken charmant ihre Spazierstöcke – aber dann plötzlich kommt es über sie! Mit brutaler Gewalt wird „Die Ermordung einer Butterblume“ vollzogen, genau so wild, wie in Alfred Döblins gleichnamiger Erzählung beschrieben. 1910 ist sie erschienen, doch der Text, den Jochen Deuticke und Anton Schieffer als Probe präsentieren, wirkt zeitlos, klug und witzig zugleich. Und auch ganz schön surreal…

Um die Döblin-Erzählung ranken sich in der satirischen Collage auch Texte von Anna Segheers, Robert Walser und den Brüdern Grimm. Dieser groteske Tanz zwischen Schuldgefühlen und Größenwahn, der die Natur auch als bedrohliche Kulisse zeigt, wird von Annette Schmidt in Szene gesetzt, als „Geisha“ tritt Birgit Jansen auf.

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