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Groteske Maßstäbe des ehemaligen DRK-Geschäftsführers

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
DRK / Gerhard Herwartz / Chevrolet Corvette
Der ehemalige DRK-Dienstwagen: Chevrolet Corvette, 405 PS, rund 300 Stundenkilometer schnell, Kaufpreis etwa 70.000 Euro. Foto: Wolfgang Plitzner

Aachen. Vor dem Aachener Landgericht, hier vor der 8. Großen Strafkammer, wird seit Montag der Fall eines Mannes verhandelt, der wie ein Topmanager in Aachen und bundesweit eine Fülle sozialer Dienstleistungen organisierte.

Als ehemaliger Geschäftsführer des Roten Kreuzes, Kreisverband Aachen, war der 58-jährige Gerhard H. zum Big Boss avanciert, bis er - wie auch mancher auf dem politischen Parkett in der Republik - über eine Honorar- und Dienstwagenaffaire stolperte.

36-fache Untreue mit einem Gesamtschaden von etwas mehr als 110.000 Euro ist jetzt angeklagt. H. weist das alles weit von sich: „Das lief anders, als es hier dargestellt wird.”

Hochkarätige Hilfe bekommt der studierte Sozialarbeiter, der sich nach dem Studium zunächst als Bierfahrer verdingte und in den 80er Jahren nach eigenen Angaben das marode DRK in der Robensstraße vor dem Bankrott rettete, von Anwalt Gottfried Reims.

Der Kölner ist ein alter Fuchs. Reims schuf eine Stimmung im Saal, die ausdrücken soll: so nicht und das schon gar nicht mit uns! Einsicht in 300 Seiten Akten, die bislang noch nicht in den Prozess eingeführt waren, will der Anwalt beantragen, Grund: Er sieht seinen Schützling von Machenschaften neidender Mitbewerber im DRK gestürzt, von Leuten, die alles von Gerhard H. nahmen, aber hintenherum gegen ihn intrigierten.

Immer wieder während der Verhandlung vor Richter Harald Brandt machte Reims im Publikum DRK-Beobachter und Beobachterinnen aus: „Unterlassen Sie das Mitschreiben”, rief er in den Saal, forderte den Vorsitzenden sogleich energisch auf, eventuell angefertigte Notizen zu konfiszieren - Mitschriften dürfen vor Gericht neben den direkten Prozessbeteiligten einzig die Protokollantin oder die Presse machen.

Doch der Anwalt wird es nicht leicht mit seinem Schützling haben. Denn Funktionäre, die mit der Lage armer oder kranker Menschen einen Haufen Geld verdienen, haben wenig Mitgefühl zu erwarten.

So stand in der Anklageschrift, dass H. als Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Aachen-Stadt monatlich 9500 Euro, als Geschäftsführer einer DRK und AWO (Arbeiterwohlfahrt) Tochter-GmbH 3750 Euro, nochmals rund 800 Euro monatlich für eine zweite DRK-AWO-Tochter und monatlich 2000 Euro Beraterhonorar für eine DRK-Service-Firma bekam - das sind rund 16.000 Euro Brutto jeden Monat.

Allerdings kam noch eine Kleinigkeit hinzu: Eine großvolumige BMW-Dienstlimousine (später ein großer Geländewagen) war sowieso vorhanden.

Zusätzlich schaffte sich H. bei der DRK-AWO-Tochter ab 2005 eine „Corvette Coupe” mit 404 PS, im Jahr darauf eine „Corvette V8” mit 620 PS an, dazu einen Mini Cooper, gedacht zum Abfahren von Altkleidercontainern.

„Die Kosten waren eher niedriger als bei einem AudiA6 Quattro. Solche Wagen, sogar mit mit Lederausstattung, fahren meine DRK-Kollegen. Das ist wohl schlauer!” verteidigte sich der ehemalige Sozialarbeiter am Montag.
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