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Große Zweifel: NPD will angeblich ein Hotel kaufen

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Seit rund einer Woche forschten städtische Stellen in aller Ruhe, was Ankündigungen der rechtsextremen NPD zu bedeuten haben, sie wolle ein Hotel in Aachen kaufen.

Unterdessen hat die Partei konkretisiert, dass sie ein Hotel nahe dem Hauptbahnhof kaufen und zu einem „NPD-Schulungszentrum in NRW” umfunktionieren will. Erste Medienberichte darüber sorgen derweil für große Unruhe - doch ob die fremdenfeindliche Partei das Haus wirklich kaufen will oder kann, ist fraglich.

„Ob sie tatsächlich das Geld aufbringen kann und in der Lage wäre, ein Hotel mit Restaurant zu betreiben, darf getrost bezweifelt werden,” sagt Patrick Gensing, Hamburger Fachjournalist und Betreiber eines Internet-Informationsdienstes über die NPD.

Gensing hat mehrere Fälle beobachtet, in denen die NPD Kaufinteressen vortäuschte, etwa um befreundeten Immobilienbesitzern unter die Arme zu greifen oder - so Gerüchte - selbst Provision einzustreichen, sollte der Deal gelingen. Gensing, der ebenso Mitarbeiter bei http://tagesschau.de ist, meint: „Da auch die NPD-NRW finanziell nicht sonderlich auf Rosen gebettet ist, kann auch in diesem Fall wahrscheinlich von einem vorgetäuschten Interesse ausgegangen werden.”

Der NPD-Kreisverband Aachen um den Stolberger Ratsmann Willibert Kunkel hatte verbreitet, seine Partei wolle ein kleines Hotel in Aachen kaufen. Es handelt sich dabei nach „Nachrichten”-Recherchen um ein derzeit noch betriebenes Hotel, das der Stolberger Betreiber verkaufen will. Kunkel habe sich auf ein Internet-Inserat gemeldet, sagte der Besitzer den „Nachrichten”. Eine Besichtigung habe stattgefunden. Der Verkauf müsse aus Altersgründen stattfinden, weswegen es ihm egal sei, an wen er verkaufe. Allerdings, sagte der Hotelier, der ungenannt bleiben will, gebe es mehrere Interessenten.

Laut NPD will man die derzeit noch sehr vagen Kaufpläne nun den Landesverbänden vorstellen, „um die Finanzierung zu sichern”. Zudem sollen „Sponsoren” einbezogen werden. Das Hotel selbst bietet zwar rund 20 Gästezimmer an, besitzt einen kleinen Biergarten und einen Restaurant-Raum für rund 60 Personen, jedoch können weder größere Saalveranstaltungen noch Konzerte dort veranstaltet werden - genau für solche Zwecke sucht die NPD aber immer wieder vorzugsweise Räumlichkeiten in der Region.

Pressesprecher Hans Poth sagte den „Nachrichten”, sollte die NPD ihr Haus einrichten können, sei das ein „Imageschaden” für Aachen. Allerdings seien der Stadt die Hände bei dem Privathandel gebunden - und ob sie selbst als Käufer einspringe, um ein NPD-Zentrum zu verhindern, sei fraglich. Man sei sehr vorsichtig, da ähnliche Verkaufsankündigungen sich in der Vergangenheit als Bluff herausgestellt hätten, sagte Poth.

Nach Recherchen der „Nachrichten” hatte etwa der NPD-Kreisverband Düren zu Jahresbeginn angekündigt, eine Gaststätte im Dürener Vorort Merken kaufen zu wollen, um ein „Nationales Zentrum Rheinland” für Veranstaltungen, Schulungen und Treffen einzurichten. Der Landesverfassungsschutz hatte daraufhin gewarnt, man habe „Zweifel daran, ob die NPD selbst über ausreichend Mittel verfügt”, um den Kauf abwickeln zu können. Szenekreise behaupteten später sogar, das Kaufinteresse sei vorgetäuscht gewesen, etwa, um dem Wirt beim Verkauf einer schwer absetzbaren Immobilie zur Hand gehen zu können - und vor den Landtagswahlen Schlagzeilen zu bekommen.
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