Große „Zigeunermusik” begleitet die Schüler auf der langen Reise

Von: Heike Nelsen-Minkenberg
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„Die lange Reise” hat bald Premiere: Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Heine-Gesamtschule und das Triska-Ensemble haben das Stück gemeinsam entwickelt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ruth Rebière, Lehrerin an der Heinrich-Heine-Gesamtschule Laurensberg, ist keine Frau, die klein beigibt. Zweimal hat sie schon schon erfolgreich mit dem Triska-Ensemble zusammengearbeitet - und als sich ihr durch ein Förderprojekt des Ministerpräsidenten die Gelegenheit bot, gab es für sie kein Zögern: beworben, gewonnen, umgesetzt.

Ihr Literaturkurs hat im letzten halben Jahr viel von der Welt und Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma kennengelernt. Denn das Theaterstück, das am Mittwochabend Premiere hat, ist keine Mogelpackung. Es sind Erfahrungen aus erster Hand, im Dialog mit dem Triska-Ensemble erarbeitet und durch die Schüler in Spielszenen umgesetzt.

Ruth Rebière hat die einzelnen Sequenzen dann dramaturgisch bearbeitet, zu einer Geschichte zusammengefügt - und voilà, „Die lange Reise” war geboren. Dabei ließen sich die Schüler von den Musikstücken, die Roger Moreno seit zehn Jahren schreibt, inspirieren. „Die lange Reise” macht den Zuschauer zum Zeugen der Konfrontation zweier deutscher Familien und einer „Zigeuner”-Sippe, von den 50er Jahren bis heute. Dabei ersparen die Schüler sich weder die Auseinandersetzung mit der Ermordung von rund einer halben Million Sinti und Roma im Holocaust noch die aktuellen Vorurteile.

„Es fängt wieder an”

Denn wirklich geändert hat sich in den Köpfen der Menschen nicht viel. „Gerade im Moment fängt es wieder an”, bestätigt Piroschka Triska. „Meine Kinder in der Schule spüren das besonders.” „Klar”, ergänzt Roger Moreno: „In den Zeiten, in denen es den Menschen wirtschaftlich schlecht geht, schreien sie als erstes: Ausländer raus.” Und das, obwohl die etwa 120.000 in Deutschland lebenden Sinti und Roma fast alle einen deutschen Pass haben.

Aber die erste Klippe stellt schon die Schwierigkeit dar, dem Kind überhaupt einen Namen zu geben. „Wenn ich sage, ich mache Sinti-Musik, dann versteht das keiner”, grinst Mario Triska. „Bei Zigeunermusik weiß dagegen jeder, was er sich vorzustellen hat.” Und es ist „Zigeunermusik” auf hohem Niveau, die das Ensemble auf die Bühne bringt. Auf zahlreichen internationalen Weltmusik- und Jazz-Festivals sind sie schon aufgetreten, haben mehrere CDs eingespielt.

Die wortwörtlich verbindende Kraft dieser Musik haben die Schüler und Lehrer der Gesamtschule Laurensberg in den letzten Monaten am eigenen Leib erfahren dürfen: „Wir finden es toll, dass das Projekt auch eine andere Kultur in die Schule getragen hat, dass die Schüler durch Musik und Schauspiel eine andere Möglichkeit haben, sich zu präsentieren”, so Ruth Rebière.

Und der Austausch zwischen verschiedenen Kulturen ist eben ihr Thema: „Es interessiert mich, Kindern mit Migrationshintergrund ein bisschen auf die Sprünge zu helfen - beziehungsweise, sie auf die Bühne zu bringen.”

Der Funke der Begeisterung ist dabei auf jeden der Mitwirkenden übergesprungen, macht aus 32 einzelnen Schülern plötzlich eine verschworene Gemeinschaft: „Ich finde es interessant zu beobachten, wie das zusammenwächst, was jeder einzelne geleistet hat. Plötzlich fragt man sich: Was bedeutet das denn für das gesamte Stück?” reflektiert Benjamin Chiti (20), der eine der Hauptrollen spielt.

Ruth Rebière ist es dabei gelungen, ihren Schülern die Rollen auf den Leib zu schneidern, hat auch einiges gegen den Strich gebürstet, was den Szenen viel Tiefgang verleiht. So brilliert die 16-jährige Siâm Thomas als eine der typisch „deutschen”, Blondinen - ausgerechnet die Schülerin, die selber Angehörige im Holocaust verloren hat. Eine Rolle, die - wie sie selbst sagt - genau ihren Nerv getroffen hat und an der sie gewachsen ist.

Die Schüler haben schon jetzt enorm von dem Projekt profitiert - die Zuschauer werden es mit Sicherheit bei den geplanten vier Aufführungen in der Schule und in der Barockfabrik.

Aufgeführt wird „Die lange Reise” am Mittwoch und Donnerstag, 18. und 19. März, jeweils um 19 Uhr in der Aula Heinrich-Heine-Gesamtschule, Hander Weg 89 in Aachen-Laurensberg.

Am Dienstag und Mittwoch, 24. und 25. März, ist das Stück in der Barockfabrik zu sehen. Karten an der Abendkasse kosten 8 Euro, ermäßigt 5 Euro.
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