Große Verzögerungen bei Millionen-Bauprojekten

Von: Heiner Hautermans und Gerald Eimer
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Begonnen haben die Arbeiten an Neuenhofer Weg und Vaalser Straße. Die Gewoge errichtet dort 121 Wohneinheiten, zunächst wurde das Gelände planiert und eine Einfahrt angelegt. Foto: Leah Hautermans
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Schon seit Monaten liegt eine Baugrube am Brüsseler Ring brach, auf dem Gelände der ehemaligen Waldschule Breuer. Der Bauherr erklärt das mit der Insolvenz einer Tiefbaufirma. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wer mit offenen Augen durch die Stadt fährt, stößt an mehreren Stellen auf große Baustellen, die seit Wochen oder Monaten still liegen, etwa an Veltmanplatz/Kreuzherrenstraße (ehemaliges Wollforschungsinstitut), an der Beverstraße (sogenanntes Kronprinzenquartier) oder am Brüsseler Ring.

Überall sind riesige Baugruben ausgehoben, wachsen die Wildkräuter, stehen mitunter kleine Seen. Was steckt dahinter? Lohnt sich etwa das Bauen in Aachen nicht mehr? Immerhin gibt es durchaus ernstzunehmende Institutionen wie die Bundesbank, die davon sprechen, dass sich die Immobilienblase in der Bundesrepublik von den Ballungsräumen auf mittelgroße Städte ausweite. So seien die Preise für Immobilien in Aachen, Augsburg, Bonn oder Hannover 20 Prozent zu hoch.

Im Pontviertel sollen 200 neue Studentenappartements entstehen – auf fünf Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss – sowie 79 Stellplätze in einer Tiefgarage. Das Gebäude wird in zwei Bauabschnitten errichtet und rund 10,9 Millionen kosten. Die Verzögerungen dort erklärt Projektentwickler Norbert Hermanns mit zahlreichen archäologischen Funden. Seine Landmarken AG hat das Projekt inzwischen an einen anderen Investor, eine Gesellschaft aus Berlin, verkauft, nach seinen Worten ein ganz normaler Vorgang: „Wir entwickeln Projekte auch, um zu verkaufen. Andere behalten wir.“

Das Vorhaben werde genauso realisiert wie geplant, Zielgruppe bleibe weiter die Hochschule, nicht nur Studenten, sondern auch Dozenten. Nach Informationen der „Nachrichten“ wollen die Berliner aber weniger Studentenbuden errichten, durchaus wichtig auch für die Stadt. Die Frage, wer dort einzieht, spielt zum Beispiel eine Rolle bei der Zahl der Stellplätze, Studenten brauchen weniger als Professoren. Baubeginn wird wohl im Herbst sein.

Gibt es denn eine Immobilienblase in Aachen? Nach Darstellung von Norbert Hermanns, dessen Gruppe zahlreiche Projekte betreibt, ist diese Vorstellung „völlig unrealistisch“. Sicherlich gebe es Städte in Deutschland, wo die Preise durch die Decke geschossen seien, etwa München oder Berlin. „Aber wir haben in Aachen viel zu wenige Wohnungen für Leute, die hier wohnen wollen.“ Was sicherlich nicht endlos an den Mann oder die Frau zu bringen sei, seien Objekte im Luxussegment, aber: „Es fehlt jede Menge an bezahlbarem Wohnraum.“

Eher einem Biotop als einer Baustelle ähnelt auch das Gelände am Brüsseler Ring, auf dem einst die Waldschule Breuer stand. Wo längst ein dreigeschossiger Neubau samt Tiefgarage und Schwimmbad erkennbar sein sollte, herrscht Stillstand. Dies könne jedoch keinesfalls als Zeichen gedeutet werden, dass er sich von dem Projekt verabschiedet hat, teilt der Bauherr mit, der ungenannt bleiben will.

Grund für die Verzögerung sei die Insolvenz einer an den Erdarbeiten beteiligten Firma. Zwischenzeitlich habe es kleinere Umplanungen gegeben, die der Verwaltung auch schon bekannt seien, so dass der Bauherr zwei Prognosen abgibt: „Ich hoffe, dass die Arbeiten kurzfristig wieder aufgenommen werden können. Aber ich befürchte, dass es erst Anfang nächsten Jahres weitergeht.“ Einen Fertigstellungstermin könne er nicht nennen.

Nach wie vor auf der Tagesordnung des Planungsausschusses am morgigen Donnerstag steht der Wechsel des Vorhabenträgers im Kronprinzenquartier (ehemaliges Finanzamt). Dem Vernehmen nach wollte der neue Investor, ein Hamburger Unternehmen, die Zahl der Sozialwohnungen (35) dort reduzieren, was von der Politik aber einhellig abgelehnt wurde. Diese sollen nun an einer Stelle gebündelt werden. Auf dem Areal des einstigen Finanzamts an der Beverstraße entstehen rund 185 Wohnungen mit einem Gesamt-Projektvolumen von über 60 Millionen Euro. Jedenfalls ist es auch dort schon zu Verzögerungen gekommen, seit Wochen herrscht Stillstand.

Endlich los geht es dagegen an der Vaalser Straße, die Gewoge errichtet dort ein Projekt, in dem sich zahlreiche Sozialwohnungen befinden. Im zweiten Bauabschnitt des Drei-Länder-Carrées auf dem 8900 Quadratmeter großen Grundstück sollen rund 120 Wohnungen, Appartements und Einzelhandelsflächen realisiert werden. Das Planungskonzept ist auf eine flexible Nutzung durch verschiedene Nutzergruppen ausgerichtet und berücksichtigt die demografische Entwicklung.

Der Schwerpunkt einer Erstvermietung soll eindeutig bei den Studenten liegen. 63 Wohnungen bieten in verschiedenen Grundrisstypen Raum für bis zu 180 Bewohner, auch in Wohngemeinschaften. Darüber hinaus geben 55 Appartements im Charakter eines Boardinghouse für jeweils ein bis zwei Personen die Möglichkeit der zeitlich beweglichen Unterbringung.

Alle Wohneinheiten verfügen über einen Balkon, Gartenteil oder Dachterrasse. In Blickrichtung Philipp-Neri-Weg ist eine großzügige Fläche für Einzelhandel geplant. Das Projekt schließt eine langjährige städtebauliche Lücke, es erfordert eine Investition von 16,9 Millionen Euro und soll Anfang 2016 fertiggestellt sein. Der erste Spatenstich ist am 29. September.

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