Aachen - Große Dramen in raumfüllenden Bildern

Große Dramen in raumfüllenden Bildern

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
Letzte Aktualisierung:
7899103.jpg
Günther Beckers (links) mit Klaus Altmeier und Jo Edmundts vor einem der Großformate. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Gewaltiges tut sich auf in den Bildern von Günther Beckers, die mit voller Wucht den Betrachter in den Bann ziehen. Atemberaubend sind die raumfüllenden Formate, in denen der Betrachter schwelgen kann, die Farben und vor allem die großen Dramen, die den Bildern zugrunde liegen und in ihnen stattfinden.

Selbstverständlich beginnt im Karlsjahr auch bei der Ausstellung in der Bischöflichen Akademie alles mit Karl dem Großen. Über der Sitzgruppe gleich eingangs im Foyer hängt ein großer Dreiteiler in altmeisterlichen Farben – in der Mitte Karl, inspiriert von dem berühmten Dürer-Portrait, links und rechts eine Ochsenhälfte à la Rembrandt. So befremdlich das Fleisch ist, so wichtig ist es Beckers, denn Karl standen jährliche „Ochsenabgaben“ vom Kloster St. Remis zu.

Gleich zwei Dinge sind besonders an dem Werk und typisch für Günther Beckers: zum einen visiert er Karls Gesicht wie durch eine laufende, sich scharf stellende Kamera an, zum anderen spielt er mit dem Bildmittelpunkt, in dem er die Farbflügel an den beiden Seiten beweglich hält. Durch Klappungen oder einfache Umhängung entsteht jedes Mal ein neues Werk – es gibt kein letztes Bild, sondern unendliche Variationen und Folgen.

„Ich lege Wert auf die Veränderlichkeit der Bilder“, sagt der 60-jährige Maler und Meisterschüler der Düsseldorfer Kunstakademie. Mit auf der Vorder- und Rückseite bemalten Farbflügeln, meist schmalen, bildhohen Formaten, erreicht er sein Ziel und bringt den Betrachter zum Staunen.

Karl als Machtmensch, auf seinem berühmten Thron sitzend, zeigt das zweite große Karlsgemälde im ersten Stock der Akademie. 2,93 x 9 Meter misst das gigantische Werk in kaiserlichem Gold mit Farbflügeln wie Kirchenfenster und fließendes Wasser, das vom Licht der großen gegenüberliegenden Fenster beschienen wird. Stark beeindruckt tritt der Betrachter zurück, um das Werk in seiner wandfüllenden Monumentalität erfassen zu können.

Auch hier nimmt wieder eine imaginäre Kamera Karl in den Fokus, doch er hebt abwesend eine Hand, sicher geschützt durch eine Glasglocke, die jegliche Kritik an ihm abprallen lässt. In der Akademie will Beckers auf den Farbflügeln weiter malen: „Ich denke an Flüchtlingsszenen. Die sind heute aktuell, und zu Karls Zeiten waren sie es auch.“

Insgesamt zeigt die Ausstellung auf allen Etagen der Bischöflichen Akademie und in der Kapelle elf große Formate. Die meisten von ihnen – unter anderem die beiden dunklen Gemälde zu den Nürnberger Prozessen und der Untergang der Titanic – wurden bereits in den Kunsthallen Brandts Klaedefabrik in Dänemark gezeigt.

Ein großes Highlight ist die Kapelle, die wändefüllend mit Altarbildern und dem großen beweglichen Tondo-Farbaltar von 2013 bestückt wurde. Ein grauer Teppich verläuft zwischen dem Funktions-Altar für Messen und dem Beckerschen Altar, der göttliches Licht und eine Szene aus dem Isenheimer Altar thematisiert. Bewusst inszenierte Kunst-Raum-Korrespondenzen machen die Kapelle mit der hohen roten Decke zum Gesamtkunstwerk und –raum.

Mit seinen Großformaten bestreitet Günther Beckers bereits seine zweite Einzelausstellung in der Bischöflichen Akademie. Während er in seiner Heimatstadt Aachen eher als Enfant terrible der Kunstszene betrachtet wird, ist er in Dänemark seit mehr als zwanzig Jahren ein stets willkommener, wegweisender Aussteller. Nächstes Jahr wird sein Gemälde „Let it be“ zum musikalischen Kunstwerk der Beatles als eine Art Leitbild das Rockmuseum kennzeichnen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert